Pressespiegel

Mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen wir an dieser Stelle neben eigenen Meldungen alle Zeitungsartikel des Lokalteils der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung für Pattensen (Leine-Nachrichten) sowie ausgewählte Texte der Online-Medien LeineBlitz und leine.on über die Ernst-Schule im laufenden Schuljahr. Die Artikel der letzten Jahre sind im Archiv zu finden.

An der KGS Pattensen lernen Schüler heute schon die Zukunft | HAZ vom 04.03.19

Veröffentlicht admin (admin) am 04.03.2019
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Reiner Frontalunterricht passt nicht in eine Schule der Zukunft. An der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Ernst-Reuter-Schule in Pattensen wird zunehmend selbst organisiert und projektbasiert gelernt, der Lehrer versteht sich immer mehr als Lernbegleiter, der regelmäßig mit dem Schüler überprüft, wo dieser steht – und wo er eigentlich stehen sollte. Digitale Medien helfen bei der Individualisierung des Unterrichts. Die Kinder in der sechsten Klasse von Ricarda Maack sind angetan vom Lernen mit iPads: „Die sind viel leichter als die schweren Bücher“, sagt die elfjährige Benthe, „vorher hat gar nichts mehr in den Schulranzen gepasst, die Hefte wurden gequetscht und waren schnell kaputt.“ Xenia lernt Vokabeln lieber digital. Da könne man sich ein Wort auch mal vorsprechen lassen. Ihr Klassenkamerad Paul findet, dass man mit dem Tablet in der Geometriestunde einfacher und anschaulicher Sachen ausprobieren kann als auf Papier. „Es macht mehr Spaß.“ Außerdem habe man ja in einigen Fächern auch noch gedruckte Bücher. „Anstatt alle Kinder gleichzeitig zu unterrichten, kann ich mich mehr um den Einzelnen kümmern“, sagt Englischlehrerin Maack.

Ideengeber für „Bildung 2040“

Die KGS Pattensen versteht sich als „Schule im Aufbruch“. Die gleichnamige Initiative, der weltweit schon mehr als 100 Schulen angehören, war 2012 von der ehemaligen Schulleiterin Margret Rasfeld, dem Neurobiologen Gerald Hüther und dem Juraprofessor Stephan Breidenbach gegründet worden. Die Herausforderungen der Zukunft könne man nicht mit den Lehrmethoden wie vor 100 Jahren beantworten, sagt Rasfeld.

Kreativ und kooperativ lernen

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte die 67-jährige Bildungsbotschafterin als Hauptrednerin zum Auftakt seines Kongresses „Bildung 2040“ eingeladen. Um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – wie Globalisierung, Digitalisierung und Umgang mit Vielfalt – gewachsen zu sein, müssten Schüler kreativ und kooperativ lernen, sagt Rasfeld. Der klassische Fächerkanon sei mittlerweile genauso überholt wie der bisherige Unterricht im 45-Minuten-Takt und das reproduktive, allein auf Arbeiten ausgerichtete Lernen.

„Eine ganze Schule krempelt man nicht mal so eben um“: Schulleiterin Mirjam Gerull.  

Die KGS Pattensen (910 Schüler, 90 Lehrer, 20 weitere Mitarbeiter) hat sich schon vor zwei Jahren von der Bewegung inspirieren lassen, als eine der ersten Schulen im Land. Man will Vorreiter und Beispielgeber sein für andere Schulen, hat Ende November 2018 eine „Roadshow“ zu dem Thema ausgerichtet mit Rasfeld als Gast. „Eine ganze Schule krempelt man nicht von einem auf den anderen Tag um“, sagt die kommissarische Schulleiterin Mirjam Gerull. Das sei ein Prozess, an dem die gesamte Schulgemeinschaft beteiligt sein müsse.

Die ersten Effekte seien aber schon spürbar: „Es gibt viel mehr Anlässe, in die Tiefe zu gehen“, sagt Andreas Ulrich, Fachbereichsleiter Deutsch. „Ich konnte noch nie so detailliert den Kindern sagen, wo ihre Baustellen sind.“ Auch hier hilft der individuelle Unterricht mithilfe digitaler Medien. Lehrer und Schüler sprechen regelmäßig miteinander, es gibt Lernbüros, in denen die Schüler selbstständig arbeiten, Klassen- und Jahrgangsräte, bei denen die Jugendlichen sagen, was sie stört, aber auch andere loben. „Wir bilden die Generation aus, die die Zukunft gestalten muss, die Menschen, die in die Politik gehen und Unternehmen leiten“, sagt Ulrich.

Lernen durch viel Praxis

Im neunten und zehnten Jahrgang haben die jeweils drei Gymnasial- und Haupt-/Realschulklassen immer mittwochs Profilunterricht. Die einen betreuen die Schülerfirma „FitimBiss“. Das geht vom Einkaufen und Kalkulieren übers Zimtschnecken-Backen und Quarkspeisen-Zubereiten bis zum Verkauf. „Die Zimtschnecken sind so gut, dass ich sie schon zu Hause gemacht habe“, sagt Luca (15). Amélie (15) bereitet am liebsten Smoothies zu. Die Jugendlichen simulierten Betriebsabläufe, sagt Lehrerin Agnieszka Heubaum, und lernten dabei viel fürs Leben.

Fürs Leben lernen: (v.l.) Amelie (15), Luca (15), Joshua (15) und Amelie (16) stehen mit einem Tablett Zimtschnecken in einer Schulküche. An der Ernst-Reuter-Schule (Kooperative Gesamtschule) findet Projektunterricht statt. Moritz Frankenberg

Im Kurs „Projektmanagement“ und „Global Goals“ müssen die Schüler Verantwortung übernehmen, für sich und für die Gruppe. Lehrerin Victoria Veits (31) ist „helfende Hand“, nicht „Beurteilerin“. Ob sie einen Kräutergarten anlegen, Bäume für einen Schulwald pflanzen oder ein Pfandsystem entwickeln – das Projekt ist nicht so entscheidend, das gemeinsame Umsetzen umso mehr.

Eltern unterstützen die neuen Ansätze

Von den Pattenser Eltern gibt es Unterstützung für die neuen Lernmethoden. „Eltern werden hier richtig eingebunden, sie geben ihre Kinder nicht nur ab, die Potenziale der Kinder lassen sich so viel besser heben“, sagt die Schullelternratsvorsitzende Susanne Farkhar (52). Die Schüler fänden Themen, die sie „berühren und begeistern, die sie glücklich machen“. Sie kämen voller Lust aufs Lernen in die Schule – das dürfte man nicht vermasseln, sagt die dreifache Mutter. Allzu oft werde Kindern in Schulen die Lust aufs Lernen genommen.

 

Text: Saskia Döhner (HAZ): Tim Schaarschmidt (HAZ)

Zuletzt geändert am: 04.03.2019 um 12:42

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