Archiv Schuljahr 2013/2014

Aufklärung im Selbstversuch | Leine-Nachrichten vom 15.07.2014

17.07.2014
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Aufklärung im Selbstversuch
(Kim Gallop, Pattensen) Mit großem Ernst und Engagement, aber auch mit viel Gelächter haben die Schüler des 7. Jahrgang gestern an der KGS Pattensen einen Präventionsparcours durchlaufen. Diese Unterrichtseinheit gegen Missbrauch von Nikotin und Alkohol soll künftig für jeden 7. Jahrgang verpflichtend sein. Sechs Real- und Gymnasialklassen haben an zwei Tagen das Thema bearbeitet. In kleinen Gruppen konnten sie die einzelnen Stationen durchlaufen, die von jeweils einem Lehrer betreut wurden. Biologielehrer Andi Vollmer etwa sprach mit vier Schülern über Alkoholkonsum. „Wie schnell merkt ihr, dass ihr Alkohol getrunken habt?“, wollte er wissen. Schnell kamen die Jungen auch selbst darauf, dass jemand, der statt harten Schnäpsen viel Bier trinkt, nach einiger Zeit genau so stark betrunken wird. Im Gespräch kam auch der Gruppendruck zur Sprache, der manche Jugendliche zur Flasche greifen lässt, weil sie vor der Clique als cool gelten wollen. Der erhobene pädagogische Zeigefinger habe bei so einem Präventions-Workshop nichts zu suchen, betonte Biologielehrerin Helen Franke. „Das würde auch nichts nützen.“ Die Betreuer wollten mit den Schülern ins Gespräch kommen, sie zum Nachdenken anregen und zum sensiblen Konsum von Rauschmitteln. Biologielehrerin Inka Hofer hatte eine Fortbildung bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gemacht und dann die Kollegen im Umgang mit dem Materialkoffer für die Unterrichtseinheit geschult. Bei der Station zum Tabakkonsum lernten die Schüler zu ihrer Überraschung, dass im Nikotin auch Arsen enthalten ist – ein Bestandteil von Rattengift. Sehr eindrucksvoll fiel für die Teilnehmer die Station auf, bei der sie eine sogenannte Rausch-Brille aufsetzen konnten, um das Gehen im volltrunkenen Zustand zu simulieren (siehe Beitext). Biologielehrer Werner Seidensticker nutzte die Gelegenheit, mit den Schülern auch zu besprechen, wie sie sich verhalten können, wenn ein Freund betrunken ist – aber trotzdem noch mit dem Auto fahren will.
 

Plötzlich sehe ich doppelt – und die Pylonen fallen
(Kim Gallop, Pattensen) Eben habe ich noch über einen Schüler gelacht, weil der so seltsam durch den Raum gestolpert war. Jetzt bin ich selbst dran: Ich setze mir die sogenannte Rausch-Brille auf, die simulieren soll, wie man sich volltrunken bewegt. Die Aufgabe scheint denkbar einfach: Ich soll einen kurzen Pfad bis zur Klassenzimmertür ablaufen. Der Pfad ist klar mit weißem Klebeband auf dunklem Boden markiert, als Wegweiser sind zusätzlich knallrote Pylone aufgestellt. An der Tür angekommen, soll ich einen – vermeintlich im Vollrausch entglittenen – Schlüsselbund vom Boden aufheben und die Tür aufschließen. Die monströse Brille sitzt, ich rufe empört: „Da ist ja alles doppelt!“ Wissendes Lachen von den Schülern. Ich versuche mich zu orientieren und stoße den ersten Pylonen um. Dann knalle ich fast gehen einen Schrank, der urplötzlich vor mir auftaucht. Wohlgemerkt fast: Lehrer Werner Seidensticker hat mich am Arm gepackt und dreht mich vorsichtig in die richtige Richtung. Ich hatte mir – besonders schlau, wie ich fand – vorher eingeprägt, dass das Ziel kurz vor der Tür mit einem Tor aus zwei Pylonen markiert ist. Aber was nützt das, wenn aus den zwei roten Hütchen plötzlich vier geworden sind? Auf dem Weg zur Tür fällt noch ein Pylon. Dann taste ich endlos nach den Schlüsseln auf der Erde. Demgegenüber ist das Aufschließen der Tür ein Klacks. Ich nehme die Brille ab – und bin froh, dass der Rausch vorbei ist.
 

Zuletzt geändert am: 17.07.2014 um 07:18

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