Archiv Schuljahr 2015/2016

Die ungeheure Lautstärke im Kopf | Leine-Nachrichten vom 09.06.16

Veröffentlicht am 09.06.2016
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Hier der Artikel von Seite 1 mit dem Titel "Wenn das Über-Ich stirbt: Pattenser Schüler führen Theaterstück auf": 

Es hätte das Finale in einem surrealistischen Kinothriller sein können. Während sich die Geschwister Jack und Julie der körperlichen Liebe hingeben, sinkt Julies Über-Ich tödlich verwundet zu Boden – verwundet vom moralischen Zerfall, der nach und nach Einzug hält.

Der Kurs Darstellendes Spiel der Ernst-Reuter-Schule in Pattensen hat das von Lehrerin Petra Schmitmeier geschriebene Theaterstück „Sue’s Story“ im Ballhof in Hannover aufgeführt. Es basiert auf dem Roman „Der Zementgarten“ von Ian McEwan. Die Aufführung war Teil des Wettbewerbs Jugend spielt für Jugend, den das Junge Schauspiel Hannover eine Woche lang ausrichtet. Acht Jugendgruppen aus der Region Hannover nehmen daran teil.

Das Stück dreht sich um vier pubertierende Geschwister, deren Mutter gerade gestorben ist. Der Vater ist schon länger tot. Um ihr gewohntes Leben nicht aufgeben zu müssen, mauern sie den Leichnam der Mutter kurzerhand mit Zement im Keller ein. Doch Teenager – so die Aussage des Stückes – brauchen ein Korrektiv, weil ihr moralisches Gewissen, eben das Über-Ich, noch nicht gefestigt ist.

Hier der Artikel von Seite 8 mit dem Titel "Die ungeheure Lautstärke im Kopf":

Zunächst sieht der Zuschauer auf der Bühne des Ballhofs in Hannover vier ganz normale Teenager. Doch während die Pubertierenden im Stück „Sue’s Story“ nach sich selbst suchen, verwest im Keller die Leiche ihrer Mutter, die sie nach deren Tod dort eingemauert haben. Am Ende gipfelt alles in Inzest, moralischen Zweifeln und Kämpfen – und schließlich stirbt auch noch ein Über-Ich.

Jack onaniert mehrfach am Tag und liest Abenteuerromane, in denen er sich mit der Figur des Commanders identifiziert. Er wird gespielt von Melanie Quas, die die männliche Rolle glaubhaft verkörpert. Sie und die weiteren Schüler des Kurses Darstellendes Spiel der KGS Pattensen haben das von Lehrerin Petra Schmitmeier geschriebene Stück auf die Bühne gebracht.

Julie (Angelina Melnik) ist die älteste der Geschwister und auf der Suche nach ihrer Identität. Sie bezirzt und stößt weg, verhält sich besonnen und gleich darauf vollkommen irrational. In ihrem Kopf herrscht eine ungeheure Lautstärke, was sich dem Zuschauer in den Auseinandersetzungen mit ihrem Über-Ich zeigt. Sue (Vanessa Martins Neves) wiederum versucht, die Situation in ihrem Tagebuch zu verarbeiten. Tom (Dimitri Melnik), der Jüngste, sucht Aufmerksamkeit und schlüpft in diverse Rollen, ist mal ein Baby, mal ein Mädchen.

Es war dabei eine geniale Idee von Schmitmeier, die Über-Ichs der Geschwister als real handelnde Personen mitspielen zu lassen. Immer wieder werden so reale Ereignisse mit Reflexionen über Moral elegant zusammengeführt. Das zunehmende Unbehagen des rund 70-minütigen Stücks überträgt sich auch auf den Zuschauer, was daran liegt, dass die Schauspieler ihre Rollen glaubhaft umsetzen. Die drei besten Stücke des Wettbewerbs Jugend spielt für Jugend werden am Freitag, 10. Juni, von einer Jury gekürt. Die Pattenser Schüler haben mit diesem Stück eine starke Bewerbung für das Siegertreppchen abgegeben.

Text/Bilder: Tobias Lehmann, Leine Nachrichten

Zuletzt geändert am: 09.06.2016 um 21:12

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