Archiv Schuljahr 2012/2013

Gefährliches Doppelleben bewegt KGS-Schüler | Leine-Nachrichten vom 9.10.2012

Veröffentlicht am 11.10.2012
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(Mellanie Caglar, Pattensen) Geschichte wird lebendig: Der 87-jährige Sally Perel hat gestern auf seiner Leserreise den Neunt- und Zehntklässlern der Kooperativen Gesamtschule (KGS) seine Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ vorgestellt: Perel hatte sich während der NS-Zeit als Hitlerjunge Josef durchgeschlagen. Auf eindringliche Weise schilderte er den rund 120 Jugendlichen, die derzeit den Zweiten Weltkrieg im Unterricht thematisieren, von aberwitzigen Erlebnissen und der inneren Zerrissenheit dieses gefährlichen Doppellebens. Er berichtete von seiner großen Angst, dass seine Beschneidung hätte entdeckt werden können, und sogar von einem Vergewaltigungsversuch. In der Aula der Calenberger Schule, wo die knapp zweistündige Lesung angesetzt war, war es mucksmäuschenstill. Einige Schüler hatten Perels Autobiografie auf dem Schoß liegen. Sie diente als Vorlage für den oscarnominierten Spielfilm von Agnieszka Holland aus dem Jahr 1989. Der Autor beschrieb alle Etappen emotional. Vor allem aber hinterfragte er die Machenschaften der Nazi-Maschinerie und die Wirkung auf die Jugend im Dritten Reich. Fassungslos ist er darüber, dass heute wieder Menschen in Bomberjacken aufmarschieren und rassistische Parolen verbreiten. „Hitler wurde damals zwar besiegt, aber sein Geist nicht“, sagte der Autor, der aus Peine stammt. Er forderte die Schüler auf, „dass dieser Ungeist aus Deutschland verschwindet“. „Es ist sehr respektabel, wie der Autor mit der Vergangenheit umgeht und darüber spricht. Es ist unglaublich, was er damals für Angst durchlitten hat“, sagte der 17-jährige Philip Dölitsch nach dem Vortrag.
Sally Perel schildert Neunt- und Zehntklässlern bewegend und eindrucksvoll sein Doppelleben als Hitlerjunge.
 

Zuletzt geändert am: 11.10.2012 um 07:33

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