Archiv Schuljahr 2014/2015

KGS richtet erste Sprachlernklasse ein | Leine-Nachrichten vom 19.02.2015

19.02.2015
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(Stephanie Zerm, Pattensen) Die Zahl der Schüler an der KGS Pattensen, die kein Deutsch sprechen, steigt. Anfang dieses Monats ist dort erstmals eine Sprachlernklasse eingerichtet worden. Dabei verständigen sich die Lehrer oft mit Händen und Füßen. „Zu Beginn sind wir durch die Schule gegangen und haben Gegenstände benannt, die wir gesehen haben“, sagt Lehrerin Christina Jürgensmeier. Neben Deutsch stehen auch Fächer wie Mathematik, Biologie und Sport auf dem Stundenplan. Dabei müssen die Kinder oft erst grundlegende Begriffe lernen, etwa was eine Zahl ist. „Im Mathematik-Unterricht sind wir in einen Supermarkt gegangen, damit sie lernen, wie man einkauft“, sagt Lehrer Ole Dyck. Manche der Kinder müssten auch erst lernen, sich an Regeln zu halten oder verstehen, dass in Deutschland ein anderes Frauenbild gelebt wird als in ihrer Heimat. Dabei kann der Hintergrund der Schüler unterschiedlicher nicht sein. „Manche hatten sehr gute Zeugnisse, andere haben noch nie eine Schule besucht.“ In der Sprachlernklasse sind 16 Jungen und Mädchen von zehn bis 16 Jahren. Einige stammen aus Griechenland, Rumänien und Polen, acht von ihnen gehören zu einer Romafamilie, die aus Spanien nach Deutschland gekommen ist. „Mein Vater hat hier Arbeit gefunden“, sagt die elfjährige Larissa, die sich bereits gut auf Deutsch verständigen kann. Vier der Schüler sind aus Syrien vor dem IS geflüchtet, darunter auch die 16-jährige Avin. Sie erlebte, wie in ihrem Heimatland erst die Schulen, dann die Läden geschlossen wurden. Mit ihrer Familie ist sie über die Türkei nach Deutschland gekommen. Seit einem Jahr lebt sie in Pattensen – und will einmal Lehrerin oder Dolmetscherin werden. Dyck sagt: „Die Schüler sind sehr offen und froh, dass es Menschen gibt, die sie unterstützen.“ Vor der Einrichtung der Lernklasse besuchten Schüler, die kein Deutsch konnten, die üblichen Klassen. Zwei Stunden pro Woche gab es eine Sprachförderung. „Das ist zu wenig“, sagt Lehrerin Jürgensmeier. Wegen ihrer fehlenden Sprachkenntnisse würden die Schüler dann oft ausgegrenzt. „Und die Vereinsamung geht schnell.“
 

Zuletzt geändert am: 19.02.2015 um 09:26

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