Pressespiegel

Mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen wir an dieser Stelle alle Zeitungsartikel des Lokalteils der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung für Pattensen (Leine-Nachrichten) sowie ausgewählte Texte der Online-Medien LeineBlitz und leine.on über die Ernst-Schule im laufenden Schuljahr. Die Artikel der letzten Jahre sind im Archiv zu finden.

Schüler fragen der Minister antwortet | Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 6.9.18

Veröffentlicht admin (admin) am 06.09.2018
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Was bringt Digitalisierung in Schulen, wenn Informatiklehrer und Internetverbindung fehlen? Warum fallen so viele Stunden aus? Was tut das Land gegen Lehrermangel? Wie kann man Rassismus eindämmen? Warum lernt man viele Sachen, die man im Alltagsleben nicht benötigt? Und was macht eigentlich ein Kultusminister?

Bei der ersten niedersächsischen Schülerpressekonferenz im Landtag haben rund 40 Nachwuchsjournalisten Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit ihren Fragen ganz schön ins Schwitzen gebracht. Mehr als zwei Stunden löcherten die Schülerzeitungsredakteure aus der Region Hannover, dem Harz, Nordhorn und den Kreisen Diepholz und Schaumburg den SPD-Politiker. Auch politische Sorgen spiegelten sich in den Fragen. Ob man die AfD vom Verfassungsschutz beobachten lassen soll, wurde er etwa gefragt. „Ja, das ist meine ganz persönliche Meinung“, sagte Tonne. Eine Auswahl weiterer Fragen:

Unsere Schule ist sehr modern ausgestattet – mit iPads, Computern und Active Boards. Aber es dauert ganz lange, bis die hochgefahren sind. Die Lehrer nehmen dann den Tageslichtprojektor. Warum sind unsere Leitungen so langsam?

Minister Tonne: Mein Ziel ist es, allen Schulen eine vernünftige Breitbandausstattung zu geben. Eigentlich ist das Sache des Schulträgers und keine Aufgabe des Landes, aber ich habe keine Lust, den Schwarzen Peter hin und her zu schieben. Es geht um Teilhabe quer durchs Land, das darf nicht nur auf die reichen Gemeinden beschränkt sein. Ich bin sehr für das Motto „Bring your own device“, jeder bringt das mobile Endgerät, das er zu Hause hat. Andere teuere Geräte, die Eltern am Gymnasium jetzt schon kaufen müssen, etwa der grafikfähige Taschenrechner, wären nicht mehr nötig, wenn man eine entsprechende App hat.

Werden Lehrer an Grundschulen bald so viel verdienen wie Lehrer an Gymnasien?

Das Land prüft derzeit juristisch, ob der Anspruch auf gleiche Bezahlung berechtigt ist. Wenn alle Grundschullehrer sofort auf A 13 in ihrem Verdienst angehoben würden, müsste das Land dafür 200 Millionen Euro bezahlen. Das kann nur über einen Stufenplan gelingen. Zweifellos ist die Arbeit von Pädagogen an Grundschulen in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. Es geht nicht nur um mehr Geld, es geht auch um mehr Wertschätzung und Entlastung von bürokratischen Aufgaben.

Welchen Berufswunsch hatten Sie als Schüler?

Lehrer. Meine Mutter ist Lehrerin, und sie hat mir eindringlich geraten, diesen Berufswunsch noch mal zu überdenken. Ich bin dann lieber Rechtsanwalt und später Politiker geworden.

Es heißt doch immer, man lerne in der Schule fürs Leben. Aber viele praktische Sachen erfährt man gar nicht, etwa wie man eine Steuererklärung ausfüllt.

Es gibt immer mehr Aufgaben, die an die Schule übertragen werden, weil Kinder sie sonst nicht mehr beigebracht bekommen. Aber die Lehrer können nicht für alles zuständig sein, es gibt Sachen, die man im Elternhaus lernen muss. Ich führe gerade mit Erziehern und Grundschullehrern lange Diskussionen darüber, wo Kinder das Schnürsenkelbinden lernen. Es gibt Grundfertigkeiten, die die Kinder von zuhause lernen müssen. Ich glaube, in der Schule könnte man erklären, wie das Steuersystem funktioniert, aber wie man ein Konto eröffnet, mit dem Taschengeld ordentlich umgeht oder eine Steuererklärung richtig ausfüllt – das müssen Eltern ihren Kindern schon selbst vermitteln.

Was machen Sie gegen den Unterrichtsausfall?

Langfristig versuche ich, mehr Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern. Nächstes Jahr starten wir eine Imagekampagne, aber diese Maßnahmen wirken erst in ein paar Jahren, wenn die Studenten mit ihrem Studium fertig sind. Kurzfristig versuchen wir, Pensionäre zurückzugewinnen. Bislang können sie sieben Stunden in der Woche unterrichten, ohne dass das auf ihre Pension angerechnet wird. Künftig sollen es 15 bis 18 Stunden sein. Lehrer können auch freiwillig ihr Stundenkontingent erhöhen, und wir hoffen, noch mehr Quereinsteiger zu gewinnen.

Immer wieder heißt es, das Niveau werde immer schlechter, an den Gymnasien seien jetzt Realschüler, an den Realschulen die Hauptschüler, und Hauptschulen seien jetzt eigentlich schon Förderschulen. Sehen Sie das auch so, und wird das Abitur immer leichter?

Diese Einschätzung teile ich nicht. Es wird nicht alles schlechter, es verändert sich nur. Das Abitur wird nicht leichter, sondern anders. Wir können 2018 nicht mehr wie 1998 oder 1988 lernen. Bestimmte Sachen muss man vielleicht auch gar nicht mehr lernen, es geht vielmehr darum, selbstständiges Lernen zu vermitteln. An der Uni steht auch keiner vorn und sagt, nehmt das Buch, schlagt Seite 37 auf und macht die Aufgaben 1 bis 3. Es geht nicht darum, zu lernen wie früher, sondern für heute und morgen.

Text: Saskia Döhner, HAZ
Bild: Samantha Franson, HAZ

Zuletzt geändert am: 06.09.2018 um 17:33

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