Archiv Schuljahr 2016/2017

Soll die KGS weiter nach Ernst Reuter heißen? | Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 14.12.16

Veröffentlicht admin (admin) am 14.12.2016
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An der Ernst-Reuter-Schule (KGS) Pattensen wird ein Ideenwettbewerb gestartet, der zu einer Namensänderung führen könnte. Zwei Vertreter der Schule stellten das Projekt am Montagabend im Schulausschuss vor. Sie betonten, dass der Prozess ergebnisoffen ist.

Mirjam Gerull, die Stellvertreterin des Schuldirektors, und Lehrer Andreas Ulrich stellten die Pläne vor. Sie verteilten einen bunten Flyer mit dem Titel „Welcher Schulname passt zu uns?“. Wie die Mitglieder des Teams Schulname schilderten, habe sich die Schule in kurzer Zeit neu ausgerichtet. Viele neue Kollegen hätten angefangen, das erste Abitur wurde abgenommen und der Neubau errichtet. Bei der Erarbeitung des neuen Leitbildes sei die Frage aufgetaucht, ob der Name von Ernst Reuter (1889–1953), den sie seit 1968 trägt, noch zu der Schule passe. Reuter war ab 1947 Oberbürgermeister im geteilten Berlin.

Der Ideenwettbewerb soll im Januar starten. Dabei sind alle – Schüler, Eltern, Lehrer, Bürger der Stadt – aufgefordert, Vorschläge zu machen. Gerull wies darauf hin, dass laut Schulgesetz nur verstorbene Personen mit einem „verfassungskonformen Lebenswandel“ als Namensgeber infrage kommen. Auch geografische Gegebenheiten (zum Beispiel Calenberger Schule) oder thematische Namen (Friedensschule) seien erlaubt.

„Egal, welcher Name es wird, er soll von der Schulgemeinschaft getragen werden“, sagte Ulrich. Die Schule wolle sich auch bemühen, in Zukunft präsenter in der Stadt zu sein. Die Namensvorschläge und die dazugehörende Begründung sollen zunächst bis Freitag, 10. Februar 2017, gesammelt werden. Über die Aktion wollen die Pattenser Schüler auch auf dem Marktplatz die Öffentlichkeit informieren. Ein Wahlgremium aus Lehrern, Schülern, Eltern und Ratsmitgliedern stellt dann eine Top-Five-Liste zusammen. Von diesen Namen wird einer Ernst Reuter sein, dazu kommen maximal vier neue Vorschläge.

Nach einer Diskussionsphase sollen Schülergruppen die potenziellen Namensvorschläge mit Hintergrundinformationen präsentieren. Dabei können 500 Euro für eine Klassenfahrt gewonnen werden. Über den neuen – oder den alten – Namen sollen Schulvorstand und Rat der Stadt Pattensen dann bis 15. Juni entscheiden.

Von den Ausschussmitgliedern wurde die Präsentation zunächst mit einer gewissen Irritation aufgenommen. Offenbar waren sie, trotz anders lautender Absprachen, nicht vorab informiert worden. Jörg Walkowiak (SPD) und Martin Jausch (CDU) bedauerten, dass die Person Ernst Reuter gar keine Rolle im Schulleben spielt und dass wohl die wenigsten Schüler wissen, wer er überhaupt war. „Ernst Reuter ist eine Person, die mit ihren Überzeugungen sehr gut in die Zeit passt“, betonte Walkowiak.

Ernst Reuter (1889–1953) war ein deutscher Politiker und Kommunalwissenschaftler. Er war Mitglied der SPD und gehörte bis zu seinem Ausschluss auch der Kommunistischen Partei an. Der Politiker war unter den Nationalsozialisten zweimal im KZ und lebte (ab 1935) im türkischen Exil.

Ende 1946 kehrte Reuter nach Berlin zurück und amtierte als Stadtrat für Verkehr und Versorgungsbetriebe. Im Nachkriegsberlin entwickelte er sich rasch zum wichtigsten sozialdemokratischen Politiker. Seine Wahl zum Oberbürgermeister durch die Berliner Stadtverordnetenversammlung im Juni 1947 erkannte die sowjetische Besatzungsmacht nicht an.

Während der Berliner Blockade stieg Reuter zum international bekannten Repräsentanten Berlins auf. Berühmt wurden seine Worte „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“ während der Luftbrücke. Nach der Teilung Berlins übte er sein Amt als Regierender Bürgermeister nur in den Westsektoren aus. Er setzte sich für die Gründung eines westdeutschen Staates ein und sorgte für eine enge Verknüpfung West-Berlins mit der Bundesrepublik.

Text/Bild: Kim Gallop, HAZ

Zuletzt geändert am: 14.12.2016 um 00:45

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