Archiv Schuljahr 2016/2017

Wenn Trump nach Deutschland kommt | Leine-Nachrichten vom 09.02.17

Veröffentlicht admin (admin) am 09.02.2017
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„Make Germany great again“ – so heißt ein von den Schülern für das Fach Darstellendes Spiel der KGS Pattensen selbst geschriebenes Stück mit Themen und Methoden von Populisten: Ein Kanzlerkandidat namens Dump will da keine Ausländer im Land, mehr Sicherheitskräfte und ein Frauenbild wie in den Fünfzigerjahren.

„Ihr macht das schon gut, aber geht ruhig noch mehr auf das Publikum zu“, fordert Lehrerin Verena Mielke ihre Schüler aus dem zwölften Jahrgang der Ernst-Reuter-Schule auf. Noch haben sie ein paar Stunden und einen Proben-durchgang Zeit, um sich auf die Aufführung am Abend vorzubereiten. Auch technische Fragen („Haben wir an diesem Punkt eigentlich noch Licht?“) müssen noch geklärt werden. Doch Nervosität lässt niemand erkennen.

„Wir sind schon seit drei Semestern dabei“, erklärt Luca die Entspanntheit der Darsteller. Nur wegen der parallel ablaufenden Vorbereitung auf das Abitur sei manchmal schon Stress aufgekommen, ergänzt Lena. Das Spielen mache viel Spaß, aber auch das Texten, versichert sie – ebenso wie ihr Mitstreiter Maurice. Dabei hätten sie zunächst improvisiert, die Szenen nur grob inhaltlich umrissen. Aus mehreren verschiedenen Fassungen habe sich dann der endgültige Text entwickelt. Deshalb müsse jetzt auch nicht jedes Wort sitzen, meint Maurice.

Als die neunköpfige Gruppe mit der Arbeit an dem Projekt begonnen hatte, war Donald Trump noch gar nicht zum US-Präsidenten gewählt – „und alle dachten, er verliert“, beschreibt Zwölftklässlerin Lena die Situation. Deshalb legten die Schüler ihr Theaterstück so an, als sei Trump nach seiner Niederlage in den USA nach Deutschland gekommen, um es hier erneut mit dem Griff nach der Macht zu versuchen, wie Maurice erläutert. Er hat die Rolle des Kandidaten Dump übernommen. Und Lena versichert auch noch schnell, dass es im Theaterteam keine Trump-Anhänger gibt.

Der Kandidat schwingt nun große, laute Reden und löst damit Jubel, aber auch Proteste und Buh-Rufe bei seinem Publikum aus. Das Stück der KGS-Schüler ist zwar deutlich als eine Satire erkennbar, soll aber auch zum Nachdenken anregen, wie die Schüler betonen. „Und wir wollen zeigen, dass so etwas überall passieren kann“, sagt Luca mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in unterschiedlichen europäischen Staaten. Nicht zuletzt deshalb bleibt bei „Make Germany great again“ am Ende offen, wer die Wahl dann tatsächlich gewinnt.

Ein Theaterabend von Edgar Allan Poe bis Arthur Miller

Neben dem zwölften Jahrgang mit „Make Germany great again“ haben noch vier weitere Darsteller-Gruppen am Dienstag zu einem Theaterabend in der Ernst-Reuter-Schule beigetragen. So setzte ein Profilkurs der zehnten Klassen Edgar Allan Poes gruselige Kurzgeschichte „Das schwatzende Herz“ als eine Mischung aus Lesung und szenischer Darstellung um. Dabei verzichteten sie auf Kostüme, und auch Requisiten wurden nur äußerst sparsam eingesetzt. So konnte sich das Publikum ganz auf den Text konzentrieren.

Ähnlich ging ein weiterer Kurs aus dem gleichen Jahrgang vor, der unter dem Titel „Drama-Roulette“ Alltagssituationen in kurzen, komischen bis grotesken Szenen widerspiegelte. Dabei ging es um die Peinlichkeit durch die gleiche Klamottenwahl von zwei Mädchen oder die Konkurrenz bei einer Klassenarbeit. Und es wurde gefragt, wofür das Lesen wichtig ist – für die Fantasie der Kinder oder für den Einkauf im Internet.

Ein Englisch-Grundkurs wagte sich sogar in der Originalsprache an Arthur Millers Drama „Hexenjagd“ und lieferte gleich mehrere Variationen des Endes. Tänzerisch präsentierte die Theaterklasse des fünften Jahrgangs einen „Kampf der Karibik“, bevor die Moderatorinnen als letzten Beitrag die Trump-Satire ankündigten. Alle Gruppen wurden vom Publikum mit viel Beifall für ihre Darbietungen belohnt.

Text/Bilder: Thomas Böger, Leine Nachrichten

Zuletzt geändert am: 09.02.2017 um 08:13

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