„Die Schüler können hier ganz so sein, wie sie sind“ (HAZ vom 29.02.20)

Ernst-Reuter-Schule eröffnet Oase als Ort zum Wohlfühlen / Eine Erbschaft macht Raum möglich / Schüler finden das „mega“
 

Pattensen. „Für Kinder und Jugendliche ist die Schule ein Ort der Bewertung. In unserer neuen Oase gibt es keine Noten, und die Schüler können hier ganz so sein, wie sie sind.“ Mit diesen Worten begrüßte Mirjam Gerull, Leiterin der Ernst-Reuter-Schule (KGS) in Pattensen, die Gäste am Freitag zur Eröffnung des neuen Rückzugsraums für die Schüler.

Lehrerzimmer umgestaltet

Das ehemalige Lehrerzimmer im alten Gebäude der KGS ist jetzt nicht nur frei von Bewertungen, sondern auch ein Ort zum Wohlfühlen. Eine Sitzecke lädt zur Entspannung ein, an den Wänden hängen Bilder paradiesischer Urlaubsorte. Ein abgetrennter Bereich ist als „Mal-Insel“ gekennzeichnet. Dort können die Schüler ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Zudem lädt ein Klavier zum freien Spiel ein. „Für die Kinder und Jugendlichen macht die Schule einen großen Teil des Lebens aus. Deshalb sollten sie hier nicht nur lernen, sondern sich gleichzeitig auch wohlfühlen“, sagte Gerull.

Die Idee zur Gestaltung des Raums hatte die Schulsozialpädagogin Susanne Farkhar. „Anfang Dezember habe ich noch eine Powerpoint-Präsentation erstellt, um der Schulleitung meine Ideen vorzustellen. Dann ging alles ganz schnell“, sagte sie. Mit Hilfe ihres Mannes, der Innenausstatter ist, gestaltete sie den Raum. Zur Finanzierung des Projekts wandte sich Farkhar an den Förderverein der Schule. Dieser verwies auf eine Erbschaft in Höhe von 10 000 Euro, die das Ehepaar Horst und Wera Kellner der Schule vermacht hatte. Ihr Lebenslauf ist jetzt eingerahmt in der neuen Oase zu sehen.

Farkhar rief 2013 auch die Reihe der Clo-Art-Gallery ins Leben. Regelmäßig werden seitdem verschiedene Kunstwerke auf den Schultoiletten ausgestellt. Dafür hat Farkhar bereits eine bundesweite Auszeichnung erhalten.

Die Idee dahinter ist, dass die Schüler sorgsamer mit der Einrichtung umgehen, wenn sie einladend ist und zum Wohlfühlen anregt. „Das war auch mein Argument gegen einige Bedenken, ob ein so schön eingerichteter Raum wie die Oase an einer Schule nicht schnell verwüstet wird. Doch wo Schönheit herrscht, bleibt Vandalismus draußen“, sagte Farkhar. Zeitgleich mit der Eröffnung der Oase ist auch eine neue Ausstellung in den Schultoiletten eröffnet worden. Sie zeigt verschiedene Bilder der Oase.

Die Oase kann von allen Schülern genutzt werden. Zudem wird sie einmal pro Woche von den Life-Coaches gemeinsam mit Schülern besucht. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Pattenser, die den gemeinsamen Austausch mit Kindern und Jugendlichen suchen. „Wenn verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch kommen, profitieren alle davon“, sagte Farkhar.

Viel Liebe zum Detail

Auch Bürgermeisterin Ramona Schumann richtete ein paar Worte an die Gäste, unter denen viele Ratsmitglieder waren und auch der ehemalige Leiter der Schule, Andreas Lust-Rodehorst. „Es ist, was ich immer sage: Pattensen leistet im Kleinen ganz Großes“, sagte Schumann. Sie bedankte sich im Namen der Stadt für das Engagement. „Hier steckt ganz viel Liebe zum Detail drin. Dieser Raum wird für Ruhe und gleichzeitig aber auch Leben sorgen“, sagte sie.

Schülersprecher Jan Oeltermann schloss sich dem Dank an. Er habe schon viele lobende Kommentare von anderen Schülern gehört. „Sie bezeichnen den Raum als mega, als heftig und als einfach gemütlich“, sagte er.

Text/Bild: Tobias Lehmann (HAZ)