KGS beginnt mit digitalem Unterricht (HAZ vom 22.04.20)

Bildung der Schüler erfolgt in Videokonferenzen / Auch Gruppenarbeit ist möglich
 

Pattensen. Die Lehrkräfte der KGS Pattensen haben begonnen, klassenweise digital zu unterrichten. Alle Schüler einer Klasse werden per Videokonferenz unterrichtet. „Einigen Schülern musste ich erstmal sagen, dass sie dabei nicht essen dürfen.
Das ist schließlich Unterricht“, sagt Schulleiterin Mirjam Gerull augenzwinkernd. Das gesamte Team der Ernst-Reuter-Schule will die Einschränkungen wegen des Coronavirus jetzt nutzen, um das digitale Angebot der Schule weiter auszubauen.

Gerull lobt alle 90 Mitarbeiter der Schule. „Einige sind digital affiner als andere. Doch alle zeigen sich offen, die neuen Möglichkeiten auszuprobieren“, sagt sie. Der digitale Unterricht soll jetzt für alle Schüler angeboten werden, die noch nicht wieder zur Schule gehen dürfen. Dabei entspricht der Unterrichtsplan allerdings nicht dem Standard. „So viele Stunden wie üblich werden digital nicht unterrichtet. Es kommt in dieser Zeit auch viel an Eigeninitiative auf die Schüler zu“, sagt Gerull.

Fester Terminplan

Es gibt für die Kernfächer einen festen Terminplan, an dem die Schüler an den Videokonferenzen teilnehmen müssen. „Dort bekommen sie dann auch Aufgaben, die sie bis zur nächsten digitalen Lerneinheit erledigt haben müssen“, sagt Gerull. Sogar Gruppenarbeit sei in den digitalen Lerneinheiten möglich. Einzelne Schüler können sich in Gruppen untereinander verbinden und dann zunächst abseits des Klassenverbandes arbeiten. Für die Dauer der einzelnen Einheiten ist zurzeit noch keine feste Verabredung getroffen. Der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich erläutert: „Der digitale Unterricht ist für die Schüler anstrengender als die Teilnahme am Unterricht hier vor Ort. Es wird deshalb pädagogisch empfohlen, für eine Unterrichtseinheit nicht die üblichen 90 Minuten auszureizen.“

Das Land Niedersachsen hat die Datenschutzrichtlinien während der Corona-Krise gelockert. „Sonst dürften wir die Videokonferenzen gar nicht anbieten“, sagt der stellvertretende Schulleiter. Bewertet werden soll der digitale Unterricht im Normalfall nicht. Ausnahmen sind aber möglich. „Wenn ein Schüler mich bittet, seine Arbeit zu bewerten, darf ich das“, erklärt Ulrich. Gerull ergänzt, dass der digitale Unterricht den normalen nicht ersetzen kann. „Pädagogische Arbeit ist auch auf den persönlichen Kontakt im Klassenraum ausgerichtet. Jetzt in der Corona-Zeit ist der digitale Unterricht aber sinnvoll“, sagt sie. Auch nach der überstandenen Krise sollen digitale Medien weiterhin als Ergänzung mit in den Unterricht einbezogen werden.

Aber nicht alle Schüler haben bislang die erforderlichen Tablets oder Laptops. „Jeder Schüler soll die Möglichkeit haben, digital mit uns zu kommunizieren“, sagt Gerull. Die Schule bittet deshalb alle Pattenser, die nicht mehr benötigte Geräte zu Hause haben, diese zu spenden. Der Förderverein wird dann als Vermittler die Geräte an die betreffenden Schüler verteilen. Tablets und Laptops werden wochentags von 9 bis
13 Uhr auf dem Platz an der Rückseite der Schule von den ehemaligen Schülern Leon Reddersen und Janic Roller entgegengenommen. Die beiden leisten ein Jahr Bundesfreiwilligendienst an der Schule.

Onlinepräsentation ab 1. Mai

Da der Tag der offenen Tür dieses Jahr entfallen musste, wird sich die Schule auf der 2019 unter Leitung von Ulrich neu gestalteten Website www.kgspattensen.de präsentieren. „Es wird viele Videos geben, zum Beispiel von Experimenten, die wir sonst am Tag der offenen Tür vorgeführt hätten“, sagt Ulrich. Die Präsentation, die am Freitag, 1. Mai, freigeschaltet werden soll, richtet sich vor allem an die Eltern, die ihre Kinder im nächsten Jahr auf die KGS schicken wollen.

Am 8. Mai werden Mitglieder des Leitungsteams der Schule auch für persönliche Gespräche zur Verfügung stehen. Eltern können sich dafür im Sekretariat unter Telefon (0 51 01) 1 00 16 10 anmelden. „Erstmals bieten wie diese Gespräche nicht nur telefonisch, sondern auf Wunsch auch als Videokonferenz an“, sagt Ulrich. Gerull bittet Eltern, ihre Kinder postalisch anzumelden. „Das ist digital nicht möglich, weil wir die Unterschrift brauchen“, sagt sie. Persönliche Anmeldungen in der Schule seien aber auch möglich.

Für die rund 80 Schüler der Abschlussklassen aus dem Haupt- und Realschulzweig wird die Schule am Montag, 27. April, wieder geöffnet. Die weiteren Klassen sollen nach dem Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums nach und nach folgen. Die Klassen werden geteilt und besuchen die Schule im Wechsel, sodass der Mindestabstand eingehalten werden kann. „Wir haben die Räume entsprechend vorbereitet. Zudem werden alle Türen in der Schule offen stehen, sodass die Schüler keine Türklinken anfassen müssen“, sagt Schulleiterin Gerull.

Text/Bild: Tobias Lehmann (HAZ)