Ein Jahr Ruhestand: So geht es Ex-KGS-Hausmeister und Sekretärin (HAZ vom 06.04.21)

Sie sind viele Jahre Ansprechpartner für Schüler und Lehrer der KGS Pattensen gewesen. Nun genießen die langjährige Sekretärin Bärbel Mertesacker und Hausmeister Waldemar Krause ihren Ruhestand. Bei der offiziellen Verabschiedung blicken beide zurück.

Pattensen-Mitte

Eigentlich hätte es eine große Abschiedsfeier schon vor rund einem Jahr geben sollen. „Doch genau dann kam der Corona-Lockdown“, erinnert sich KGS-Schulleiterin Mirjam Gerull. Für sie sei es sehr bedauerlich gewesen, dass mit dem langjährigen Hausmeister Waldemar Krause und der beliebten Sekretärin Bärbel Mertesacker „zwei Seelen dieser Schule so sang- und klanglos gegangen sind“. Das wollte sie – trotz weiterhin bestehender Corona-Beschränkungen – nun nachholen und lud die beiden Ruheständler zu Kaffee und Kuchen im Freien zur Ernst-Reuter-Schule ein.

Beide denken gerne an ihre Arbeit an der Schule zurück. Doch beide sagen auch deutlich, dass sie in der heutigen Zeit nicht wieder zurückkehren möchten. „Damals war alles einfacher, viel unbürokratischer“, sagt Krause. Er hatte 1991 die Stelle an der Schule übernommen. Er habe viele Freiheiten gehabt und habe sich immer wieder problemlos mit dem Kollegium und der Schulleitung abstimmen können. Das sei auch mit Schulleiterin Gerull möglich gewesen, doch die Bestimmungen des Landes und der Stadt hätten die Flexibilität genommen. „Damals“, erinnert sich Krause, „konnte ich Kinder, die im Winter früh zur Schule gebracht wurden, einfach hineinlassen und ihnen sagen, dass sie sich im Eingangsbereich ruhig hinsetzen sollen. Inzwischen gibt es klare Regeln, wann die Schule öffnen darf“, sagt er.

Mertesacker „bemuttert“ Schüler und Lehrer

So ähnlich sieht es auch Mertesacker, die von 1999 an als Schulsekretärin gearbeitet hatte. „Ich konnte mir meine Zeit einteilen und auch sonnabends oder sonntags arbeiten, wenn ich wollte.“ Das sei am Ende auch nicht mehr einfach möglich gewesen. Sie habe sich selbst entfalten und einbringen wollen. „Später gab es Kernzeiten, man musste stempeln. Ich musste betteln, etwas machen zu dürfen“, sagt Mertesacker. Die heute 64-Jährige sei dennoch bis zuletzt mit allen Mitarbeitern gut klargekommen. „Sie war eine Instanz in der Schule“, sagt Gerull. Bärbel Mertesackers Wort hatte Gewicht – bei den Schülerinnen und Schülern ebenso wie bei den Lehrkräften. „Nicht nur die Schüler wurden gerne bemuttert“, sagt Mertesacker. Sie habe gerne Wünsche erfüllt und habe für alle ein offenes Ohr gehabt.

Auch auf Hausmeister Krause sind Schüler gerne zugekommen. „Waldi, ich habe ein Problem“ oder „Waldi, ich habe am Wochenende was Tolles erlebt“, habe er unzählige Male gehört. Und immer hätte er sich Zeit genommen für die Anliegen. „Sie haben mir viele Dinge erzählt, die sie nicht einmal ihren Eltern erzählt haben“, sagt Krause. Darauf sei er stolz. Gelegentlich würde er noch heute von Leuten auf der Straße angesprochen werden. „Mensch, Waldi! Erkennst du mich nicht mehr?“, habe einer mal zu ihm gesagt. „Der war 1995 von der Schule abgegangen und hatte inzwischen keine Haare mehr. Wie hätte ich ihn wiedererkennen sollen?“, sagt Krause und fängt herzhaft an zu lachen.

Ruhestand ist für Krause noch etwas ungewohnt

Es sei für ihn heute noch etwas ungewohnt, wenn er mit seiner Frau auf der Couch sitzt. „An der Schule hatte ich einen eingespielten Tagesablauf. Jetzt ist es etwas anders“, sagt er. Seine Frau beklage sich gelegentlich, wenn er das Fernsehprogramm ohne nachzufragen umschalte. „Es ist noch eine kleine Umstellung“, sagt Krause. Doch Langeweile komme bei ihm nicht auf. Er hat zwei Kinder und vier Enkel. „Da hat man immer etwas um die Ohren.“

Bei Mertesacker ist der persönliche Kontakt zu den in England lebenden Enkeln von Sohn Per aufgrund der Corona-Pandemie noch eingeschränkt. Doch auch hierzulande finde sie immer etwas zu tun, wenn ihr Mann Stefan wieder einmal zu viel Sport im Fernsehen verfolgen wolle. „Ich treibe viel Sport“, sagt sie. Eine Sauna und Fitnessgeräte sind in der Wohnung in Pattensen vorhanden. „Ich bin aber auch viel draußen“, berichtet Mertesacker.

Krause hat Per Mertesacker bei 96 trainiert

Mertesacker und Krause kennen sich übrigens nicht nur durch die gemeinsame Arbeit an der Schule. Krause ist bei Hannover 96 Fußball-Jugendtrainer des späteren Profis und Weltmeisters Per gewesen. „In der C- und B-Jugend hatte ich ihn trainiert“, sagt er.

Zu ihrer offiziellen Verabschiedung bekommen beide von Schülern gestaltete Kisten mit Blumen geschenkt. Eine große Feier soll es nach dem Wunsch von Schulleiterin Gerull noch geben. Schließlich hätten sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie bereits mehrere Lehrer in den Ruhestand verabschiedet. Auch diese sollten noch einmal entsprechend gewürdigt werden. Es war somit wohl nicht der letzte Besuch von Krause und Mertesacker an der KGS.

Von Mark Bode