„Wir brauchen neue Lernformate“ (HAZ vom 18.12.21)

KGS-Schulleitung fordert bei Besuch von Landtagsabgeordneter Lesemann (SPD) andere Konzepte

Pattensen-Mitte. Wie lernen Kinder und Jugendliche künftig in der Schule? Die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen wurde im Spätsommer als eine von 65 Einrichtungen vom Land Niedersachsen für das Modellprojekt Zukunftsschule ausgewählt. Fünf Jahre lang wird sich die Schule im Rahmen des Projekts verstärkt mit individueller Förderung, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung auseinandersetzen und neue pädagogische Konzepte entwickeln. Darüber wollte sich nun auch die Landtagsabgeordnete Silke Lesemann  (SPD) bei einem Besuch über das Projekt informieren, aber auch über die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Ausnahmeregeln verlängern

„Kinder und Jugendliche brauchen noch mehr Zeit, um sich von den coronabedingten Schulschließungen und Einschränkungen zu erholen und die aktuellen Entwicklungen zu verarbeiten“, sagte der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich. Klassenarbeiten und Noten erzeugten zusätzlichen Leistungsdruck und stünden dem aktuell hohen Gesprächsbedarf der Kinder und Jugendlichen gegenüber. Ausnahmeregelungen in diesen Bereichen sollten laut Ulrich daher verlängert werden.

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen besser auffangen zu können, sei außerdem eine Aufstockung der schulischen Sozialarbeit dringend nötig, betonte Schulleiterin Mirjam Gerull. Seit Beginn der Pandemie beobachte sie eine Zunahme psychischer und anderer Probleme bei Schülerinnen und Schülern, auch der Kontakt mit dem Jugendamt häufe sich.

„Wir brauchen neue Lernformate“, sagte Lehrerin Katharina Katechakis, die das Projekt Zukunftsschule begleitet. „Schüler haben ein unterschiedliches Tempo beim Lernen“, sagte Schulleiterin Mirjam Gerull. Sie verglich die Oberstufenzeit mit dem Lernen für die Führerscheinprüfung. „Es gibt Länder, da gibt es eine zwei- bis vierjährige Oberstufenzeit“, sagte sie. Einige wüssten bereits frühzeitig, wo sie hinmöchten, andere müssten sich zunächst noch ausprobieren und ihren Weg langsamer finden.

Lernen mit Praxiserfahrungen

Matthias Friedrichs (SPD), stellvertretender Bürgermeister Pattensens und Vorsitzender des Schulausschusses, begrüßte die neuen Ideen der KGS. Er regte „eine neue Struktur der Leistungsüberprüfungen“ an. „In der Schule lernt man eigentlich nur für die Klausur.“ Es sei vorteilhaft, wenn der Unterrichtsstoff nicht strikt in vorhandene Lernformen hineingepresst werde. Das Lernen mit Praxiserfahrungen zu kombinieren, könnte für Schülerinnen und Schüler hilfreich sein. „Da wäre der Stoff leichter zu vermitteln und man versteht besser, wofür man das lernt“, sagte Friedrichs.

Schulleiterin Gerull gab der Landtagsabgeordneten Lesemann noch einige Anregungen mit auf den Weg. So wünsche sie sich, dass die Politik sich grundsätzlich klar dazu äußert, dass sich am Schulsystem etwas ändern müsse. Es solle nicht gefragt werden, ob sich etwas ändern soll, sondern nur wie. Außerdem solle die Ressourcenfrage für außerschulische Aktivitäten geklärt werden. Sie nannte als Beispiel die Zusammenarbeit der Schule mit Steffen Lebjedzinski und „Buller & Bü“ in Schulenburg.

Schule immer wieder Vorreiter

Lesemann lobte die Anregungen und die kreative Arbeit der Schulleitung. „Ich freue mich, wie die Schule sich entwickelt und dass hier so viel Aufbruch und neue Ideen gelebt werden“, sagte die Landtagsabgeordnete. Die Ernst-Reuter-Schule ist in der Vergangenheit bereits mehrmals Vorreiter für besondere Projekte gewesen. So wurde vor zwei Jahren die Kooperative Eingangsstufe eingeführt, in der Jugendliche mehr Freiraum zum Erreichen der Unterrichtsziele erhalten. Im Spätsommer waren Neuntklässler zudem beim Projekt „Herausforderung“ zwei Wochen lang unterwegs – ohne Handy und Eltern und mit nur 150  Euro.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)