So arbeitet die KGS-Schülerzeitung „Reuter Times“ (HAZ vom 07.01.22)

Seit diesem Schuljahr sind 16 Neuntklässler der KGS bei der Schülerzeitung „Reuter Times“ aktiv

Pattensen-Mitte. „Wie sieht es mit euren Artikeln aus?“ Emma Schlegel stellt zu Beginn der Redaktionskonferenz direkt die wichtigste Frage und schaut sich in der Runde der 16 Mitglieder um. Betretenes Schweigen. Nur zögerlich sagen einzelne, dass sie derzeit nichts zu schreiben hätten. „Okay, wir müssen mal überlegen, was wir dann machen können“, sagt die 13-jährige Emma. Sie leitet gemeinsam mit Olivier Serres seit Herbst die Redaktion der Schülerzeitung der KGS Pattensen mit dem Namen „Reuter Times“. Wie läuft es beim Profilkurs des neunten und zehnten Jahrgangs? Ein Besuch vor Ort.

Emma ist Perfektionistin

Nach der kurzen Konferenz dreht sich Emma auf ihrem Stuhl um und widmet sich wieder ihrem Text, am dem sie seit der Vorwoche arbeitet. „Ich schreibe meine Meinung zum Vandalismus an unserer Schule auf“, sagt die 13-Jährige. „Ich schreibe sehr gerne.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt sie: „Ich brauche aber ewig lange, bis ein Artikel fertig ist. Ich bin perfektionistisch.“ Das bereits Geschriebene schaue sie sich immer wieder an, verändere dann Kleinigkeiten oder auch gleich ganze Absätze. „Ich weiß, dass es schneller gehen muss, wenn wir über aktuelle Sachen schreiben“, sagt Emma.

„Spätestens zwei Wochen nach einem Ereignis, wie beispielsweise der Bundestagswahl, sollte der Text dazu auch online gehen“, sagt Benedikt Alt. Der 30-Jährige ist Deutschlehrer an der KGS und betreut die Schülerzeitung gemeinsam mit Lehrer Pascal Schirmer und dem stellvertretenden Schulleiter Andreas Ulrich. Wirklichen Zeitdruck gibt es ansonsten nicht. Genau festgelegte Veröffentlichungszeiten gibt es nicht. Die Schülerzeitung ist als Blog gestaltet. Neue Texte können in die einzelnen Rubriken jederzeit einfließen.

Politik kommt nicht so gut an

Besondere Vorgaben gibt es für die Autorinnen und Autoren auch nicht. „Aber die Mitarbeit wird zum Ende des Schuljahres schon benotet“, betont Schirmer. Die Betreuer lassen den insgesamt 16 Schülerinnen und Schülern, die seit diesem Schuljahr neu dem Profilkurs Schülerzeitung angehören, weitgehend freie Hand. Themen sollen sich die Neuntklässler selber suchen oder im Austausch erarbeiten.

„Lehrer haben andere Interessen als wir Schüler“, sagt Emma. Sie habe schnell festgestellt: „Politik kommt bei den Schülern nicht so gut an.“ Klimaschutz, Tierwohl, Sport und Gaming sowie Musik würden weitaus mehr Leser anziehen. „Wenn jemandem mal nichts Neues einfällt, dann überlegen wir gemeinsam, was ihr oder ihm besonders Freude bereitet“, ergänzt Co-Chefredakteur Olivier.

„Wir schreiben über Dinge, die uns interessieren. Sonst macht die Sache keinen Spaß. Aber wir müssen bei Nischenthemen aufpassen“, sagt Emma. Olivier nickt zustimmend. „Ich programmiere gerne. Aber wenn ich jetzt etwas über Computerprogramme schreibe, würde das nur wenige Schüler ansprechen“, sagt der 13-Jährige. Er sei zudem großer Fan der Formel 1. „Aber auch damit halte ich mich zurück“, sagt er. Zuletzt berichtete er über das Projekt Herausforderung, bei dem Neuntklässler der KGS zwei Wochen lang ohne Eltern und Smartphone auf eine selbst organisierte Reisen gegangen waren, sowie über einen Impftag an der Schule Anfang Dezember.

Lehrer korrigieren nur wenig

Die Lehrer lesen die Texte vor der Veröffentlichung auf der Internetseite reutertimes.de noch einmal. „Wir korrigieren Rechtschreibfehler oder redigieren ein wenig“, sagt Schirmer. Grundsätzlich solle es aber „ein Projekt von Schülern für Schüler“ sein, sagt Ulrich.

Zu Beginn des Schuljahres hatten die Lehrer den Kursteilnehmern die Grundlagen von Tageszeitungen vermittelt. Welche klassischen Ressorts gibt es? Welche Textformen sind möglich? Wie ist eine Zeitungsseite aufgebaut? Und ganz wichtig: Welche Fotos dürfen genutzt werden? Die Verantwortlichen hätten sich bewusst für die digitale Erscheinungsform der Schülerzeitung in Art eines Blogs entschieden. „Früher gab es einmal eine Printversion. Aber die war irgendwann nicht mehr rentabel“, sagt Ulrich.

Auf der Suche nach Themen

Vier Stunden pro Woche verbringen die Schülerinnen und Schüler zusammen, um an ihren Texten zu arbeiten und neue Ideen zu entwickeln. „Unser Kurs ist bilingual“, sagt Schirmer, der neben Deutsch auch Englisch lehrt. Texte in diesen beiden Sprachen sind daher möglich. Die Gruppe möchte zudem den Bekanntheitsgrad der digitalen „Reuter Times“, die inzwischen seit fünf Jahren besteht, weiter erhöhen. So stellte das Team kürzlich einen Briefkasten an der Schule auf, in den Schüler Zettel mit Themenvorschlägen einwerfen können. Jolina Nadarajah und Melina Liesch schreiben an diesem Tag E-Mails an die anderen KGS-Jahrgänge, um das Redaktionsteam vorzustellen.

„Es ist eine coole Sache, wenn Artikel von mir online gehen“, sagt Olivier. Er werde von Mitschülern häufig auf einen neuen Text angesprochen. „Natürlich ist es schön, wenn man dann hört, dass das gut geworden ist“, sagt er. Er könne sich durchaus vorstellen, später als Journalist zu arbeiten. „Ich fände das auch interessant, aber konkret habe ich mir dazu noch keine Gedanken gemacht“, sagt Emma.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)