KGS-Schüler sehen Berlinreise als Motivationsschub (HAZ vom 30.11.22)

SPD-Bundestagsabgeordneter Matthias Miersch lädt Siegergruppe seines Klimaprojekts in die Hauptstadt ein

Pattensen-Mitte. Wenngleich die Plenarsitzung im Bundestag mit dem Haushalt ein eher dröges Thema behandelt hatte, verfolgten die Schülerinnen und Schüler der KGS Pattensen von der Besuchertribüne aus gebannt die Reden. „Die Menschen sieht man sonst nur im Fernsehen und man denkt, die sind unerreichbar“, sagt KGS-Schüler Jan Ludwig. Die Gruppenreise in die Hauptstadt ist der Lohn gewesen für den ersten Platz beim Klimaschutzprojekt „How to: Climate Change“ des Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch (SPD). Doch die Schüler wollen mehr und sich auch in Zukunft weiter für den Klimaschutz engagieren. „Diese Reise hat einen enormen Motivationsschub gegeben“, sagt Lehrerin Mirjam Bruder.

„Was wir in Pattensen im Kleinen machen, konnte man in Berlin im Großen sehen“, sagt Marie Nast. Die zweitägige Fahrt sei ein „schönes Erfolgserlebnis“ und „sehr interessant“ gewesen. Besonders der an die Haushaltsdebatte anschließende Austausch mit Miersch habe die Schüler begeistert. Politik mit dem Zeigefinger oder lieber in den Diskurs gehen? Dem Fraktionszwang folgen oder eher dem eigenen Gewissen – wie geht man am besten mit dem Zwiespalt um? Und was sagt Miersch zum Ausgang der UN-Klimakonferenz? „Die Schüler hatten eine Menge Fragen“, sagt Bruder. Sie leitet den Profilkurs „Geschichtlich-soziale Weltkunde“, den sie für das Klimaschutzprojekt angemeldet hatte.

Reise für Publikumspreis

Für die Jugendlichen habe diese Fahrt einen massiven Mehrwert. „So etwas aktiviert junge Menschen, sich zu engagieren“, sagt die Lehrerin. Genau das scheint nun zu passieren. Denn bei dem gewonnen Publikumspreis mit ihrer in diesem Sommer organisierten Klimakonferenz mit mehreren anderen niedersächsischen Schulen wollen es die Schüler nicht belassen. „Es wäre schön, wenn wir das weiterführen könnten. Es kann eine deutlich größere Sache daraus werden“, sagt Marie Nast. Sie wünsche sich, dass bei den angedachten jährlichen Konferenzen neue Ideen für den Klimaschutz gemeinsam entwickelt werden. „Das braucht allerdings Zeit“, sagt die Schülerin.

Diese Zeit ist im Stundenplan im zwölften Jahrgang nun aber eigentlich nicht mehr vorgesehen. Denn mit dem neuen Schuljahr sind die bisherigen Schüler nicht mehr im GSW-Kurs. Die neuen Elftklässler rücken nach und können sich nun politisch engagieren. Doch die KGS geht in vielen Bereichen des Lehrens bereits moderne Wege. Deshalb ist Bruder zuversichtlich, dass sich die motivierten Schüler des höheren Jahrgangs weiter einbringen können. „Wir möchten sie gerne als Multiplikatoren im jetzigen GSW-Kurs einbinden“, sagt sie. Das könne für die jetzigen Elftklässler wiederum als Motivationsspritze dienen. „Ihr könnt selber etwas erreichen“, sagt Bruder.

Sozialdemokrat lobt Pattenser

Miersch lobte beim Austausch in Berlin die Idee der KGS. „In dem Projekt werden Kooperation und Austausch großgeschrieben“, sagt Miersch. „Die Idee, eine jährliche Schulklimakonferenz durchzuführen, zeigt genau das auf. Im Kampf gegen den Klimawandel werden wir nur erfolgreich sein können, wenn wir alle vor Ort an einem Strang ziehen.“

Nächste Klimakonferenz im Juni

Die KGS will nicht nur die Klimakonferenz ausweiten und im Kalender als feste Instanz etablieren. Die nächste sei für den 13. Juni 2023 geplant. Die Schule werde darüber hinaus auch das Miersch-Projekt weiterführen. Es trägt fortan den Titel „Together we’re green“ – übersetzt: „Gemeinsam sind wir grün“. Schirmherr ist Gunther Seckmeyer. Der Professor vom Institut für Meteorologie und Klimatologie der Leibniz Universität Hannover hatte bei der Klimakonferenz in diesem Jahr einen Vortrag gehalten.

Die angemeldeten Gruppen können Ideen für die Umsetzung von sozialverträglichem Klimaschutz vor Ort entwickeln. Eine Jury kürt bei der Präsentation der einzelnen Projekte am 27. Juni die Sieger. Die erfolgreichen Schülerinnen und Schüler dürfen im nächsten Jahr Miersch besuchen. „Das Klimahaus Bremerhaven spendet zudem noch Karten“, sagt Bruder.

Text: Mark Bode
Bild: Stella von Saldern

TOEFL-Test im Abiturjahrgang

Am 24. November 2022 absolvierten alle Schülerinnen und Schüler des Englischkurses auf erhöhtem Anforderungsniveau sowie mehrere Lernende auf grundlegendem Anforderungsniveau den TOEFL ITP®-Test.

Innerhalb des Test Of English as a Foreign Language, TOEFL® kämpften sich die Lernenden durch eine Stärken- und Schwächenanalyse für das Lese-, Hör- und Grammatikverständnis, die weltweit Standards in der Sprachstandsmessung für akademisches Englisch bietet. Die dabei zu erwerbenden Score Reports und Zertifikate des TOEFL ITP® können bei vielen Hochschulen/ Universitäten im Rahmen der Hochschulzulassung genutzt werden, gelten darüber hinaus aber auch für die Jobbewerbung als besonderes Auszeichnungsmerkmal. Die Preisverleihung findet zu Beginn des neuen Jahres 2023 statt.

Text/Bild: Bas

Für Novembertee legen sich alle ins Zeug (HAZ vom 24.11.22)

KGS-Veranstaltung soll die Schulgemeinschaft stärken / Förderverein stellt die nächsten Projekte vor

Pattensen. Rund 50 Verkaufstische, weihnachtlich dekoriert, mit Aktivitäten und musikalischer Begleitung: So hat die Ernst-Reuter-Schule (KGS) in Pattensen ihren traditionellen Novembertee-Nachmittag gefeiert, den es seit mehr als 20 Jahren gibt.

Mehrere Hundert aktive Schüler und Schülerinnen vom fünften Jahrgang bis zur Oberstufe sowie viele Besucher und Besucherinnen haben gezeigt, dass trotz zwei Jahren Ausfall durch Corona diese Veranstaltung im Programm der Schule fest verankert ist. „Das ist gefühlt sehr gut besucht heute“, sagte Schulleiterin Mirjam Gerull.

Beim jährlichen Novembertee begegnen sich Eltern, Lehrkräfte und die Schülerschaft beim gemeinsamen Verkauf kleinerer, selbst gefertigter Artikel, tauschen sich beim Teetrinken und bei diversen Aktionen aus und leben so ihre Schulgemeinschaft. Die Hälfte aller Einnahmen aus dem Verkauf an den Ständen kommt der Arbeit des Fördervereins der KGS zugute. Dieser zählt aktuell rund 300 Mitglieder – nach 160 im Herbst 2019 – und war mit mehreren eigenen Ständen vertreten. Die Vorsitzende Gudrun Hüper bot mit der Kassenwartin Sabine Topper und Beisitzer Volker Schober T-Shirts und Hoodies, auf denen das Schullogo aufgedruckt war, zum Kauf an.

Gewächshaus wird gespendet

Der Förderverein stellte zudem seine Arbeit und neue Projekte vor, die er mitfinanziert oder für die er Spenden sammelt. Dazu gehört das Bestreben, ab dem Frühjahr 2023 den Verkauf der Schulshirts und -hoodies über einen Onlineshop zu organisieren. Ebenso wie das neue KGS-Projekt Talent Company.

Dieses zeigt den Schülern und Schülerinnen neue Formen der Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben auf. Für das Projekt Grünes Klassenzimmer, das künftig auch Unterricht unter freiem Himmel ermöglichen soll, wird zudem ein Gewächshaus angeschafft.

Text/Bild: Torsten Lippelt (HAZ)


Hier geht es zur schuleigenen Novembertee-Bildergalerie auf dieser Homepage.

Novembertee am 18.11.2022

Am Freitag, den 18.11. findet von 15 bis 18 Uhr nach zweijähriger coronabedingter Pause wieder der traditionelle Novembertee an der Ernst-Reuter-Schule in Pattensen statt. 

Die Veranstaltung richtet sich an die Schulgemeinschaft aus Eltern, Schüler*innen, Lehrkräften, Ehemaligen, Freund*innen der Schule und interessierte Bürger*innen.

Die Schulleitung der Ernst-Reuter-Schule

Startschuss für Talent Company (HAZ vom 04.11.22)

KGS bietet Schülern neue Form der Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit lokalen Betrieben und der Strahlemann Stiftung

Pattensen-Mitte. „So eine Plattform muss man nutzen“, sagt Jens Höfer. An diesem Mittwochnachmittag sitzt er nicht als Vorsitzender des Stadtelternrats in dem Auditorium der Ernst-Reuter-Schule. Er ist als Elektromeister und Geschäftsinhaber vor Ort. „Viele Jugendliche wissen nicht, was sie in der Ausbildung erwartet“, sagt er weiter. Damit die Schülerinnen und Schüler eine möglichst gute Berufsorientierung erhalten können, hat die KGS-Schulleitung nun offiziell den Start der sogenannten Talent Company in die Wege geleitet.

Trotz längerer Bemühungen fehlen zwar noch immer 16.500 Euro für die erforderliche Startsumme von 63.000 Euro fehlen. Doch Projektleiter Andreas Hofer von der Strahlemann Stiftung zeigte sich bei der offiziellen Unterzeichnung des Kooperationsvertrags „sehr zuversichtlich, dass wir die restlichen Gelder noch zusammenbekommen“.

Zudem bemüht sich die KGS mit Schulsozialpädagogin Sylvia Mizera darum, selbst noch Gelder zu akquirieren. Allerdings ist auch ihr bewusst, dass die aktuelle Lage mit massiven Kostensteigerungen bei vielen Firmen schwierig sei. „Auch kleine Beträge helfen uns weiter“, sagte Mizera.

„Die Talent Company wird ein Anlaufzentrum sein für sämtliche Akteure und Maßnahmen der Berufs- und Studienorientierung“, sagt Gerull. Das können beispielsweise kleinere und größere Betriebe sein, Hochschulen oder die Bundesagentur für Arbeit. „Netzwerkarbeit ist so leichter möglich und die Schülerinnen und Schüler und Eltern haben ebenfalls einen Ort, an dem sie Unterstützung finden“, sagte die Schulleiterin weiter.

Raum wird eingerichet

Der 180 Quadratmeter große Fachraum soll zum zweiten Quartal 2023 für Workshops und Begegnungen zur Berufsorientierung multimedial eingerichtet sein. Firmen können sich für einen jährlichen Betrag von 700 Euro mit Informationen präsentieren und vor Ort mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen. „Wir hoffen auf einen breiten Branchenmix“, sagte Hofer. Die Jugendlichen sollen möglichst praktische Einblicke in das Berufsleben erhalten. Schirmherr des neuen Raums ist der frühere Fußballprofi und Pattenser Ehrenbürger Per Mertesacker.

Unternehmen präsentieren sich

„Man wäre ganz schön doof, wenn man diese Möglichkeit nicht ausnutzt, um gut geeignete Auszubildende zu bekommen“, sagte Kai Oppenborn, der Geschäftsführer der Calenberger Backstube ist. „Wir bewerben uns inzwischen bei den Auszubildenden. Nicht mehr die bei uns“, sagte Lutz Ahlers, der die Rewe-Supermärkte in Pattensen-Mitte betreibt und Vorstandsmitglied des Vereins Power ist. Deshalb sei es auf alle Fälle sinnvoll, die Möglichkeit zur Präsentation in der Schule zu nutzen. „Wir suchen aktiv schon in jüngeren Jahrgängen“, sagte Hans-Jürgen Rook, von JRS Prozesstechnik.

Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD) begrüßte den Schritt zur Schaffung der Talent Company. „Berufsorientierung nimmt bislang nicht genügend Raum ein, es gibt eine Informationslücke“, sagte sie. Deshalb stelle die Stadt den Fachraum für diese Möglichkeit zur Verfügung. „Als Arbeitgeberin ist es für uns auch eine sehr interessante Sache“, sagte die Bürgermeisterin weiter.

Bislang könne die Stadt Pattensen alle Ausbildungsstellen besetzen. Doch das sei längst nicht mehr in allen Kommunen der Fall. Pattensens neuer Wirtschaftsförderer Gunnar Kothrade sieht in der Talent Company ein „Prestigeobjekt, das genau den Zeitgeist trifft. So etwas hat nicht jeder.“

Wenn sich Unternehmen aus Pattensen oder den angrenzenden Kommunen für das Vorhaben interessieren, können sie sich mit Mizera unter Telefon (0 51 01) 1 00 16 60 oder mit einer E-Mail an talentcompany@kgs-pattensen.de in Verbindung setzen. Weitere Informationen zur Talent Company gibt es im Internet unter www.strahlemann-stiftung.de.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Infoelternabend Jahrgang 4 für Schuljahr 23/24

Save the Date: am Dienstag, den 08.11. findet ein Infoelternabend für Eltern von Kindern aus den vierten Grundschuljahrgängen statt, um über das Angebot der Ernst-Reuter-Schule als weiterführende Schule ab Jahrgang 5 zu informieren. Die Veranstaltung findet in Präsenz statt und beginnt um 19 Uhr in der Aula der Ernst-Reuter-Schule.

Nähere Informationen finden Sie im nachfolgend verlinkten Einladungsschreiben:

Toleranz allein reicht nicht (HAZ vom 25.10.22)

Soziologe und Fanforscher Gunter A. Pilz fordert bei Besuch in KGS couragiertes Verhalten bei Mobbing und Rechtsextremismus

Pattensen-Mitte. Wenn Johann Wolfgang von Goethe in der KGS Pattensen zitiert wird, hält sich die Begeisterung bei Schülerinnen und Schülern vermutlich meist in Grenzen. In diesem Fall war es anders. Der Soziologe und bundesweit bekannte Fanforscher Gunter A. Pilz zitierte den Dichter. „Toleranz sollte eine vorübergehende Gesinnung sein. Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Man müsse sich mit anderen Menschen anderer Herkunft befassen, sich mit ihnen auseinandersetzen. Im Rahmen des Projekts „Sei eine Stimme“ ist Pilz an die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen gekommen. Er sprach mit Schülerinnen und Schülern über Erfahrungen mit Rechtsextremen und Gewalt auf Fußballplätzen.

Pilz schilderte eine frühere Begegnung mit einer Gruppe junger Menschen, die an einem Baggersee ausländerfeindliche Parolen losließen. Immer wieder habe er die Personen gefragt, weshalb sie so etwas sagen. Einer der Männer erläuterte es. „Bei mir in der Straße wohnt ein Fidschi, der hat ein Auto. Ich habe keins, das kann doch nicht sein“, zitierte ihn Pilz. Die Antwort des Soziologen: „Das ist aber noch lange kein Grund, ihn zu verprügeln.“ Das Gespräch habe sich weiter fortgesetzt und am Ende habe Pilz ein Dankeschön von dem Mann ihm gegenüber gehört. „Endlich hört uns mal jemand zu“, habe dieser gesagt.

Austausch auf Augenhöhe

Damit wollte der Experte den zuhörenden Oberstufenschülerinnen und -schülern in Pattensen verdeutlichen, nie jemanden im Vorfeld zu verurteilen. „Viele versuchen, ihre Alltagsprobleme mit einer rechten Ideologie zu überspielen.“ Mit ei-nem ehrlichen und offenen Austausch auf Augenhöhe könnten diese innerlich unsicheren Menschen, noch gesellschaftlich eingefangen werden. Dafür sei es allerdings wichtig, seine Stimme zu erheben. „Seid mutig und couragiert“, sagte Pilz zu den ruhig zuhörenden Schülerin-
nen und Schülern. Es sei wichtig,
bei diskriminierenden und ausgrenzenden Kommentaren nicht wegzuhören. „Wenn jemand gemobbt wird, ist es wichtig, dass die Kinder den Blickwinkel der anderen Person einnehmen“, sagt Martin Rietsch. Der Moderator und Musiker hat das Projekt „Sei eine Stimme“ mit einer Wanderausstellung ins Leben gerufen.

Im Dialog merkte ein 15-jähriger Schüler an, dass er als Schiedsrichter beim Fußball tätig sei und die Gewalt auf dem Platz immer weiter zunehme. Pilz bedauerte dies. „Schiedsrichter geraten als unbeteiligte Personen immer mehr in Gewaltsituationen“, sagte er. Das führe zu einem erheblichen Problem: Immer weniger Menschen wollen als Schiedsrichter tätig sein, was wiederum zur Folge hat, dass der Kreis der guten Schiedsrichter entsprechend noch kleiner werde.

Veranstaltungen in der KGS

Pilz ist Schirmherr der Wanderausstellung „Sei eine Stimme“. Auf Plakatwänden standen Zitate von Menschen unterschiedlicher Herkunft, die sich zum Thema Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sowie Diskriminierung im Allgemeinen äußerten. Diese Plakate waren bis kurz vor den Herbstferien in der Schule zu sehen. Ein paar wenige sind noch hängen geblieben. Das ganze Schuljahr über bieten die Organisatoren von „Sei eine Stimme“ Veranstaltungen in der KGS an.

„Steht zu euch“

Die Schule thematisiert diese Aspekte allerdings auch unabhängig davon. „Alle Klassen hatten sich die Ausstellung angeschaut“, sagte
die KGS-Sozialpädagogin Susanne Farkhar. Im Klassenverbund hatten sich die Schülerinnen und Schüler zudem zur Ausstellung und zum Thema Diskriminierung Gedanken gemacht und einen prägnanten Satz aufgeschrieben. „Wir sind alle Menschen“, schrieb die Klasse 8R1 auf, „Ausgrenzung verdient kein Mensch“, formulierte die 6a und „Steht zu euch“ appellierte die 7a. Diese A3-Plakate sollen ebenfalls in der Schule gut sichtbar aufgehängt werden.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Ergebnis Juniorwahl 2022 an der ERS Pattensen

Am 29.09. und am 30.09. haben die Jahrgänge 8-13 der Ernst-Reuter-Schule Pattensen an der Juniorwahl 2022 parallel zur Landtagswahl teilgenommen.

Bei der Juniorwahl geht es um das Üben und Erleben von Demokratie. Das Projekt soll Schülerinnen
und Schüler frühzeitig an das Thema Wahlen und Politik heranführen und sie auf die künftige
Partizipation im politischen System vorbereiten. Neben der Motivation, zur Wahl zu gehen, soll
Begeisterung und Interesse an Politik geweckt werden und somit die Grundlage für späteres
gesellschaftliches Engagement entstehen.

Das Projekt zur politischen Bildung basiert auf zwei Hauptsäulen: der unterrichtlichen Einbindung und einer originalgetreue Wahlsimulation.

Die unterrichtliche Einbindung fand in diesem Jahr im Rahmen eines Projekttages in den Jahrgängen 7-13 zur Landtagswahl statt, welcher am 27.09. stattfand. An diesem Tag erarbeiteten sich die Jahrgänge projektartig Grundlagen und Hintergründe zur Landtagswahl und bereiteten sich auf die am 29.09. an der ERS stattfindende Podiumsdiskussion der Pattenser Direktkandidat*innen und die Teilnahme an der Juniorwahl vor.“

Das Wahlergebnis der Juniorwahl für die gesamte Schule ist den nachfolgenden Grafiken zu entnehmen.

 

Das Ergebnis der landesweiten Juniorwahl parallel zur Landtagswahl ist hier einzusehen.

Weitere Hintergrundinformationen zum Projekt sind hier abrufbar.

Ein Bericht vom Fachtag zur Landtagswahl ist hier auf den Seiten des Fachbereichs Geschichtlich-soziale Weltkunde einzusehen.

Text: Ulr
Grafiken: Sch

„Wir können viel verändern“ (HAZ vom 04.10.22)

Pattensen-Mitte. „Wie entstehen Vorurteile?“ Diese Frage richtet Moderator Martin Rietsch an das junge Publikum in der Aula der Ernst-Reuter-Schule. „Die entstehen, wenn man sich Gedanken über jemanden macht, ohne ihn näher kennengelernt zu haben“, antwortet ein Schüler. Ein anderer merkt an, dass Verallgemeinerungen dazu führen können. Andere nicken. „Und wer hat schon einmal eine andere Person gemobbt?“, fragt Rietsch weiter? Fast alle Arme – einige etwas zögerlich – gehen nach oben. „Wir wissen, dass sich das nicht toll anfühlt. Aber wir machen es trotzdem“, sagt Rietsch weiter. Er ist Moderator und Musiker und hat die Initiative „Sei eine Stimme“ gegründet. Mit der Wanderausstellung zu den Themen Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus reist er durch die gesamte Republik. Nun macht er Station in Pattensen an der KGS.

Kommunikation ist erster Schritt

Susanne Farkhar ist pädagogische Mitarbeiterin an der KGS. Sie erlebt immer wieder Momente, in denen sich Kinder ausgegrenzt und gemobbt fühlen. „Das kommt nicht selten vor“, sagt sie. Hauptauslöser sei oft, dass sich Personen nicht gewertschätzt fühlen. Farkhar setzt sich dann mit den Beteiligten in der KGS-Oase zusammen.

„Wir besprechen die Dinge. Und ganz wichtig: Wir hören uns gegenseitig zu, jeder darf seine Wahrnehmung schildern.“ Das führe oft zu einer Verbesserung der Situation. „Wir können viel verändern, wenn wir wollen“, sagt Rietsch. Dafür sei die Kommunikation miteinander wichtig. „Wenn man sich miteinander auseinandersetzt, kann man einen Kompromiss finden und schon ist alles sehr viel gerechter“, sagt Rietsch. Er ist Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter und in Kiel aufgewachsen.

Diskriminierung und Mobbing könne viele Gesichter haben, sagt Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD). Sie ist Schirmherrin der Initiative „Sei eine Stimme“ in Pattensen. „Es kann eine kleine Spitze im Gespräch sein“, sagt sie. „Deshalb soll jeder regelmäßig darüber nachdenken, wie man sich selber fühlt, wenn jemand mit mir so spricht, wie ich gerade mit ihm oder ihr.“ Es sei wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man miteinander leben möchte.

In der Podiumsdiskussion berichtet beispielsweise Rechtsanwalt und Strafverteidiger Roman von Alvensleben vom Täter, der 2015 einen Brandanschlag auf eine Asylunterkunft in Salzhemmendorf verübt hatte. „So eine unsinnige Tat folgt auf ein Vorurteil. Es ist wichtig und interessant, das aufzuarbeiten“, sagt von Alvensleben. Juri Sladkov ist beim Sportverein Hannover 96 für soziales Engagement zuständig. Er berichtet von Projekten, die sich gegen Rassismus auf der Tribüne richten. „Wir wollen nicht, dass solche Leute ins Stadion kommen“, sagt er.

„Man muss immer wieder auf einen respektvollen Umgang aufmerksam machen und sich regelmäßig selber hinterfragen“, sagt Rietsch. Diesen respektvollen Umgang wünsche sich auch die elfjährige Hanna. Die Sechstklässlerin sagt, dass ihre Generation die Zukunft sei. „Dabei trauen uns Erwachsene nie etwas zu und sagen, wir seien noch zu klein und verstehen Dinge nicht. Dabei verstehen wir sehr gut. Was kann man dagegen machen?“, fragt sie in die Podiumsrunde. Von Alvensleben antwortet: „Die Botschaft an die Erwachsenen muss dabei lauten, die Jüngeren mitzunehmen und zuzuhören.“

Hanna hofft, dass diese Botschaft bei Erwachsenen tatsächlich ankommt. „Denn das nervt mich sehr“, sagt sie kurz darauf im kurzen Gespräch mit dieser Zeitung. Sie bezeichnet die Veranstaltung als gut. Doch es dürfe nicht bei diesem einmaligen Event bleiben. „Das bleibt dann vielleicht bis nächste Woche im Kopf und ist dann schon wieder vergessen. Es muss regelmäßig und nachhaltig sein“, fordert die reflektierte Elfjährige.

Drei Veranstaltungen geplant

Genau das soll es auch werden. Erstmals hatte sich die Schule auf Initiative von Farkhar ein Jahresmotto gegeben: „Vielfalt (er)leben“ lautet dies. Dazu passe die Beteiligung an der Aktion „Sei eine Stimme“. Bis zum Schuljahresende seien noch drei weitere größere Veranstaltungen geplant. Das Gesagte werde dabei nicht einfach verpuffen. So wird diese Podiumsdiskussion live gestreamt. In mehreren Klassen verfolgen die Schülerinnen und Schüler das Gesagte und sprechen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern anschließend drüber. Präsent sind lediglich die Schülersprecher und -sprecherinnen sowie eine ausgewählte Begleitperson. „Wir haben nicht für alle Platz. Aber die Anwesenden tragen das anschließend auch weiter in ihre Klassen“, sagt Farkhar.

Das hofft auch Lubna Al Aswad. Sie ist KGS-Schülerin und Mitglied des Jugendparlaments.„Es werden alle über das Gesagte nachdenken. Es ist toll, dass so etwas an unserer Schule möglich ist“, sagt sie. Sie selbst habe in der Schulzeit mehrfach das Gefühl gehabt, dass sie sich im Unterricht beispielsweise mehr beweisen müsse, als deutsche Mitschülerinnen und Mitschüler. Sie lobt besonders das Engagement von den Lehrkräften, der pädagogischen Mitarbeiter und der Schulleitung. „So etwas geht nur mit besonderem Engagement“, sagt Lubna Al Aswad.

Ausstellung zeigt 80 Plakate

Auf den 80 Plakaten der Wanderausstellung in der Aula sind auf einer Seite Persönlichkeiten und jeweils ein kurzer Text zu den Themen Integration, Respekt und Gemeinschaft abgebildet.

Auf der zweiten Seite befindet sich jeweils ein längerer Text mit Erläuterungen zur Person oder zu Erfahrungen mit Rassismus oder Diskriminierung.

Die Schule öffnet sich bis Freitag, 14. Oktober für die Öffentlichkeit. Wer Interesse hat, sich die Ausstellung in der Aula aus der Nähe anzuschauen, hat werktags von 8 bis 15 Uhr die Gelegenheit dazu. Das Gebot, dass sich schulfremde Personen vorab im Sekretariat anmelden müssen, wird für Besucherinnen und Besucher der Ausstellung ausgesetzt. Weitere Informationen zu der Initiative gibt es im Internet unter www.seieinestimme.de.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

„Heißer Stuhl“ ist unbequem (HAZ vom 30.09.22)

KGS-Oberstufe und Jugendparlament veranstalten Podiumsdiskussion mit den Wahlkreis-Kandidaten für die Landtagswahl

Pattensen-Mitte. Mit so einer Frage hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann sicherlich nicht gerechnet. „Sind Sie nicht nur bei Ihren Wahlsprüchen themenlos“, fragte Pattensens Jugendbürgermeister Mirco Kosian. Lesemann schluckte, blickte irritiert und antworte nach der wiederholten Frage: „Nein.“ Ähnlich versuchte Katja Ritter vom Jugendparlament (Jupa) den CDU-Kandidaten Sepehr Amiri zu locken: Seine Wahlplakate hätten sich bereits an die der AfD angepasst. Ob das auch bei den Inhalten der Fall sei? „Niemals!“, lautete seine Antwort. Vor Beginn der Podiumsdiskussion mit fünf Kandidatinnen und Kandidaten habe Ritter „zittrige Hände“ gehabt und sei „sehr nervös“ gewesen. Doch mit ihren beiden Mitstreitern sorgte sie für ein erfrischendes Format, mit dem sie der Politikverdrossenheit bei Jungen entgegenwirken möchten.

Politiker aller aktuell im Landtag vertretenen Parteien waren zu der Veranstaltung eingeladen. Neben Lesemann und Amiri waren Dirk Knoop (FDP) und Rene Kühn (AfD) dabei. Julian Lindemann (Bündnis 90/Die Grünen) hatte aus terminlichen Gründen abgesagt. Er wurde vom Hannoveraner Kandidaten Norbert Gast vertreten. Die Linke fehlte, weil sie aktuell nicht dem Landtag angehört.

Nur mit Ja oder Nein antworten

Besonders erfrischend war die Runde mit dem sogenannten „heißen Stuhl“. Die Politiker durften der Reihe nach Fragen nur mit Ja oder Nein beantworten. In dieser Runde stichelten die Moderatoren teils gegen die Kandidaten. „Wir hatten die Idee, dass sie sich klar für etwas bekennen oder sich gegen etwas aussprechen, ohne viele Worte zu verlieren“, sagte Ritter. Bei der Vorbereitung auf die Veranstaltung hätten die drei Moderatoren relativ freie Hand gehabt, sagt Politiklehrer Philipp Scheel.

Im vergangenen Jahr sei er noch intensiver bei der Vorbereitung auf die Podiumsdiskussionen zur Kommunal- und Bundestagswahl gewesen. „Schülerinnen und Schüler müssen sich aber auch mal ausprobieren“, sagte Scheel. Lediglich die Themenschwerpunkte mit Mindestwahlalter, Bildung und Digitalisierung, Klimaschutz und Nahverkehr sowie Landwirtschaft hätte er abgesegnet.

Die Umsetzung sei auch gelungen, sagte der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich hinterher. Zwar kratzten die Fragen größtenteils an der Oberfläche und Themen der Bundes- und Landespolitik gerieten durcheinander. Kritische Fragen richteten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der KGS-Aula im letzten Teil der Podiumsdiskussion an die Politikerin und Politiker.

Lilli Engelhardt wollte von Knoop wissen, wieso Schülerinnen und Schüler in Berlin kostenlos mit der Bahn unterwegs sein können, das hier aber nicht funktioniere. „Schüler sollten den ÖPNV kostenlos oder zu einem sehr niedrigen Preis nutzen können. Aber es muss jede Maßnahme auch gegenfinanziert werden“, sagte der FDP-Kandidat. Mit Amiri ging Engelhardt gar in ein Zwiegespräch, weil der CDU-Kandidat ökologisch keinen Sinn darin sehe, eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen einzuführen.

Mit dem geplanten Ausbau des Südschnellwegs in Hannover, der im Kontrast zu der Verkehrswende stehe, konfrontierte ein Schüler Silke Lesemann. Sie merkte an, dass man tatsächlich über die Umsetzung in dieser Form noch nachdenken solle. Ein Plädoyer für die Gleichstellung der Frau hielt ein anderer Schüler. Dieser wollte von Amiri und Kühn wissen, weshalb diese sich deutlich gegen eine Frauenquote in der Politik aussprechen. „Viele Frauen wollen etwas erreichen, weil sie gut sind. Und nicht, weil sie eine Frau sind. Wir haben so fantastische Frauen“, sagte Amiri. Diese würden sich in Zukunft gegenüber Männern problemlos behaupten – auch ohne Frauenquote.

Hilfe bei der Wahlentscheidung

Der 19 Jahre alte Colin aus dem 13. Jahrgang suchte direkt nach dem Ende der Veranstaltung das Gespräch mit Amiri. „Ich fand es gut, dass er seine Meinung vertreten hat, auch wenn sie nicht bei allen gut ankommt“, habe er dem CDU-Politiker gesagt. Das Politikinteresse halte sich bei ihm etwas in Grenzen. Gerade deshalb sei diese Veranstaltung gut. „Mir hilft es, die einzelnen Positionen der Parteien besser zu verstehen“, sagte er.

Dass Die Linke nicht vertreten war, fand hingegen Engelhardt unglücklich. „Das wäre noch interessant gewesen, schließlich treten sie auch zur Wahl an“, sagte sie. Sie hoffe, dass ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, die bereits wählen gehen dürfen, von ihrem Recht am 9. Oktober Gebrauch machen.

Die Veranstaltung wurde live im Internet auf dem Youtube-Kanal der Stadt Pattensen gestreamt. Allerdings war die Tonqualität in den ersten Minuten schlecht. Der Stream soll dennoch allen Interessierten zugänglich gemacht werden.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)