„Wir brauchen neue Lernformate“ (HAZ vom 18.12.21)

KGS-Schulleitung fordert bei Besuch von Landtagsabgeordneter Lesemann (SPD) andere Konzepte

Pattensen-Mitte. Wie lernen Kinder und Jugendliche künftig in der Schule? Die Ernst-Reuter-Schule in Pattensen wurde im Spätsommer als eine von 65 Einrichtungen vom Land Niedersachsen für das Modellprojekt Zukunftsschule ausgewählt. Fünf Jahre lang wird sich die Schule im Rahmen des Projekts verstärkt mit individueller Förderung, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung auseinandersetzen und neue pädagogische Konzepte entwickeln. Darüber wollte sich nun auch die Landtagsabgeordnete Silke Lesemann  (SPD) bei einem Besuch über das Projekt informieren, aber auch über die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Ausnahmeregeln verlängern

„Kinder und Jugendliche brauchen noch mehr Zeit, um sich von den coronabedingten Schulschließungen und Einschränkungen zu erholen und die aktuellen Entwicklungen zu verarbeiten“, sagte der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich. Klassenarbeiten und Noten erzeugten zusätzlichen Leistungsdruck und stünden dem aktuell hohen Gesprächsbedarf der Kinder und Jugendlichen gegenüber. Ausnahmeregelungen in diesen Bereichen sollten laut Ulrich daher verlängert werden.

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen besser auffangen zu können, sei außerdem eine Aufstockung der schulischen Sozialarbeit dringend nötig, betonte Schulleiterin Mirjam Gerull. Seit Beginn der Pandemie beobachte sie eine Zunahme psychischer und anderer Probleme bei Schülerinnen und Schülern, auch der Kontakt mit dem Jugendamt häufe sich.

„Wir brauchen neue Lernformate“, sagte Lehrerin Katharina Katechakis, die das Projekt Zukunftsschule begleitet. „Schüler haben ein unterschiedliches Tempo beim Lernen“, sagte Schulleiterin Mirjam Gerull. Sie verglich die Oberstufenzeit mit dem Lernen für die Führerscheinprüfung. „Es gibt Länder, da gibt es eine zwei- bis vierjährige Oberstufenzeit“, sagte sie. Einige wüssten bereits frühzeitig, wo sie hinmöchten, andere müssten sich zunächst noch ausprobieren und ihren Weg langsamer finden.

Lernen mit Praxiserfahrungen

Matthias Friedrichs (SPD), stellvertretender Bürgermeister Pattensens und Vorsitzender des Schulausschusses, begrüßte die neuen Ideen der KGS. Er regte „eine neue Struktur der Leistungsüberprüfungen“ an. „In der Schule lernt man eigentlich nur für die Klausur.“ Es sei vorteilhaft, wenn der Unterrichtsstoff nicht strikt in vorhandene Lernformen hineingepresst werde. Das Lernen mit Praxiserfahrungen zu kombinieren, könnte für Schülerinnen und Schüler hilfreich sein. „Da wäre der Stoff leichter zu vermitteln und man versteht besser, wofür man das lernt“, sagte Friedrichs.

Schulleiterin Gerull gab der Landtagsabgeordneten Lesemann noch einige Anregungen mit auf den Weg. So wünsche sie sich, dass die Politik sich grundsätzlich klar dazu äußert, dass sich am Schulsystem etwas ändern müsse. Es solle nicht gefragt werden, ob sich etwas ändern soll, sondern nur wie. Außerdem solle die Ressourcenfrage für außerschulische Aktivitäten geklärt werden. Sie nannte als Beispiel die Zusammenarbeit der Schule mit Steffen Lebjedzinski und „Buller & Bü“ in Schulenburg.

Schule immer wieder Vorreiter

Lesemann lobte die Anregungen und die kreative Arbeit der Schulleitung. „Ich freue mich, wie die Schule sich entwickelt und dass hier so viel Aufbruch und neue Ideen gelebt werden“, sagte die Landtagsabgeordnete. Die Ernst-Reuter-Schule ist in der Vergangenheit bereits mehrmals Vorreiter für besondere Projekte gewesen. So wurde vor zwei Jahren die Kooperative Eingangsstufe eingeführt, in der Jugendliche mehr Freiraum zum Erreichen der Unterrichtsziele erhalten. Im Spätsommer waren Neuntklässler zudem beim Projekt „Herausforderung“ zwei Wochen lang unterwegs – ohne Handy und Eltern und mit nur 150  Euro.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Vandalismus an Fahrrädern nimmt zu: „Das ist ein Problem“ (HAZ vom 17.12.21)

Leiterin der Ernst-Reuter-Schule sensibilisiert Jugendliche,
ihre Räder ausreichend anzuschließen / Mehr Kontrollen an Abstellplätzen geplant

Pattensen-Mitte. Zielstrebig geht ein Schüler auf sein abgestelltes Fahrrad zu. Er sieht einen kleinen Zettel auf dem Sattel kleben und liest die Zeilen: „Wäre ich ein Dieb, könnte ich es trotz Schloss wegschieben. Vergiss nicht, es klug abzuschließen!“ Ein wenig beschämt schaut er auf den Boden, steckt den Zettel in die Tasche und zieht wortlos davon. „Wir möchten sensibilisieren“, sagt Mirjam Gerull. Die Leiterin der Ernst-Reuter-Schule will mit dieser Aktion schnell einer steigenden Zahl an weggeschobenen Fahrrädern, abmontierten Sätteln und Lichtern oder teils sogar arg demolierten Rädern entgegenwirken.

„Das ist ein Problem“, sagt Gerull. „Das gab es aber auch schon immer und wird es immer geben“, sagt sie weiter. Sie kann es nicht mit Zahlen untermauern, doch die Fälle sollen in jüngerer Vergangenheit deutlich zugenommen haben. Der Schulelternrat brachte das Thema in dieser Woche ebenfalls in einer Sitzung auf die Tagesordnung. Es sei allerdings kein KGS-spezifisches Problem, betont Gerull.

Sie habe mehrere Stufen an Vorfällen ausgemacht. „Das Harmloseste ist, wenn jemand ein nicht
angeschlossenes Fahrrad einfach wegschiebt“, sagt sie. „Es ist zwar auch nervig, aber es kann noch nichts Gefährliches passieren.“ Allerdings nehme sie auch diese Vorfälle ernst. Denn: „Für den Betroffenen ist es nicht witzig. Man denkt, dass das Fahrrad gestohlen wurde und der Schüler oder die Schülerin fängt dann an zu weinen.“

 

Sättel landen im Gebüsch

Die zweite Stufe sei, wenn nicht fest montierte Lichter oder mit sogenannten Schnellspannern befestigte Sättel entfernt werden. „Die Sachen fliegen teils durch die Gegend und gehen dadurch kaputt“, sagt Gerull. Erst vergangene Woche hatte Hausmeister Alex Riedel mehrere Sättel in Gebüschen im Bereich rund um die Fahrradständer gefunden.

Diesen Formen des Schabernacks und der Sachbeschädigung sei allerdings vorzubeugen, sagt Gerull. „Einige sind gutgläubig und denken, es kommt an der Schule nichts weg“, sagt Jugendbürgermeisterin und angehende KGS-Abiturientin Mila Revink. Um die Schüler darauf hinzuweisen, dass ihr Fahrrad entweder gar nicht angeschlossen, das Schloss nicht mit dem Fahrradständer verbunden und Licht oder Sattel noch befestigt sind, kleben Gerull, Revink und Schülersprecherin Lilli Engelhardt nun eifrig Zettel auf die Räder. „Ich muss
ja nicht noch zum Diebstahl einladen“, sagt Gerull. Sie höre häufig, dass entweder das Schloss vergessen oder das Rad aus Bequemlichkeit nicht gesichert wurde.

Doch es gibt sogar noch ernstere Fälle: Reifen wurden in der Vergangenheit durchstochen oder Kabel abgerissen und teils wieder so angebracht, dass zunächst keine Beschädigung zu erkennen ist. „Das ist lebensgefährlich, wenn plötzlich die Bremse nicht mehr funktioniert“, sagt Engelhardt. Tanja Dietz-Köhler gehört dem Schulelternrat an und berichtet davon, dass ihr Sohn, der die fünfte Klasse besucht, schon mehrfach mit beschädigtem Rad nach Hause gekommen ist. Sie kann sich die Vergehen an den Rädern mit Mutproben in kleinen Gruppen erklären.

Auffällig sei laut der Schulleiterin, dass häufig Schüler der unteren Jahrgänge Schäden verursachen. Gelegentlich werden sie von älteren Schülern oder Hausmeister Alex Riedel auf frischer Tat ertappt. Dann folgen Gespräche und Klassenkonferenzen. „Das wird von uns geahndet und sanktioniert“, sagt Gerull. In den Gesprächen stelle sie sehr oft fest, dass den meisten erwischten Schülerinnen und Schülern gar nicht bewusst ist, was sie angerichtet haben. Die Einsicht sei im Anschluss da. Um solchen Fällen oder möglichen schwerwiegenden Folgen möglichst vorzubeugen, ist Gerull nun aktiv geworden. Die Schulleitung hat verschiedene Zettel angefertigt, die an alle Lehrerinnen und Lehrer verteilt werden. Diese sollen in den Klassen das Thema Vandalismus an Fahrrädern deutlich ansprechen.

Höheres Aggressionspotenzial

Ob die Häufung des Vandalismus auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sei, vermag Gerull nicht eindeutig zu beantworten. „Man kann nicht alles auf Corona schieben“, sagt sie. Dennoch sei bereits in der Vergangenheit – vor der Pandemie – immer in der Vorweihnachtszeit eine Häufung an Schäden festzustellen. „Das Aggressionspotenzial ist höher“, sagt die Schulleiterin. Das erklärt sie mit Notendruck, vielen zu schreibenden Arbeiten, allgemeinem Stress in der Vorweihnachtszeit im Elternhaus, bei Trennungshaushalten sogar noch verschärft.

Problematisch ist laut Gerull, dass der Bereich der abgestellten Fahrräder schwer einsehbar ist. „Das war früher auch schon so“, sagt die Schulleiterin. Sie wolle die Präsenz an Lehrern und Hausmeistern dort möglichst erhöhen.

Dem Elftklässler Enes Cevik ist die Problematik mit den Beschädigungen an Rädern oder dem Diebstahl bekannt. „Ich würde nicht mit einem neuen E-Bike zur Schule
fahren“, sagt der 17-Jährige. Er findet an diesem Mittag ebenfalls einen Zettel auf seinem abgestellten und nicht angeschlossenen Damenrad. „Es ist das Rad meiner Mutter. Ich hatte tatsächlich das Schloss dafür vergessen“, sagt er. Die Aktion findet er „sehr cool“ und ergänzt: „Es kann nicht schaden, bei allen noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, auf sein Eigentum besser zu achten.“

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

KGS-Schüler produzieren im Projektkurs CO2-Ampeln (HAZ vom 11.12.21)

In diesem Jahr eröffneter Werkraum „MakerSpace“ ausgiebig genutzt / „Wir wollen alle 80 Räume mit Geräten ausstatten“

Pattensen-Mitte. Dennis Kubin nimmt einen kleinen blauen Kasten in die Hand, zieht für einen kurzen Moment den Mund-Nasen-Schutz vom Gesicht und haucht kräftig in Richtung der Sensoren des kleinen Geräts. Der Lehrer, zugleich MINT-Fachbereichsleiter der Ernst-Reuter-Schule, blickt gebannt auf das Fenster der Digitalanzeige. Der Wert des CO2-Anteils in der Luft steigt schnell von 648 in den vierstelligen Bereich. Es ertönt ein Signal, dazu blinken zwei kleine Lampen auf. „Jetzt wäre der Moment gekommen, um im Klassenraum zu lüften“, sagt Kubin in Richtung der drei Fünftklässler, die gebannt neben ihm stehen. Sie nehmen vergnügt die sogenannte CO2-Ampel in Empfang und hasten damit zügig in ihre 5b. Alle fünften und sechsten Klassen sind inzwischen mit diesen Geräten ausgestattet.

Ziel: Ampeln für alle Räume

Das Besondere: Schüler höherer Jahrgänge hatten diese selbst gebaut. Dafür wurde erstmals intensiv der in diesem Jahr eröffnete Werkraum mit dem Namen „MakerSpace“ genutzt. Los ging es dabei mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge neun bis elf, die sich für den sogenannten MINT-Profilbereich entschieden haben. Zu MINT gehören die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Diese Jugendlichen hatten im vergangenen halben Jahr intensiv gebastelt, gelötet, Teile im 3-D-Drucker erstellt und anschließend zusammengesteckt. Zunächst profitieren davon die unteren Jahrgänge. „Wir wollen aber alle 80 Räume mit CO2-Ampeln ausstatten“, sagt Kubin.

Der Vorteil liegt für den Lehrer auf der Hand: „Man muss im Winter nicht zwingend alle 20 Minuten lüften, wenn die Luft im Raum noch gut ist“, sagt Kubin. „Oder man muss eher lüften, wenn die Luft bereits verbraucht ist“, ergänzt der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich. Grundsätzlich gelte weiter die Regel „20-5-20“. Demnach muss nach 20 Unterrichtsminuten für fünf Minuten gelüftet werden.

Alarm schrillt bei 950 ppm

„In der Umgebungsluft liegt der Wert der CO2-Konzentration bei etwa 400 ppm“, sagt Kubin. Mit „ppm“ meint er parts per million, übersetzt: Teile pro Million. Als Schwellenwert gelten 1.000 ppm. „Unsere Geräte sind so eingestellt, dass sie bei 950 ppm bereits ein Alarmsignal abgeben“, sagt der Lehrer. „Fällt der Wert wieder unter 600, kann man die Fenster schließen“, erklärt er weiter.

Einen kleinen Seitenhieb auf die Landeshauptstadt Hannover können sich die Lehrkräfte nicht verkneifen: „Anderswo werden die CO2-Ampeln gekauft. Wir stellen sie selbst her“, sagt Kubin. Dabei sind ganz unterschiedliche Arbeitsschritte erforderlich gewesen.

Erst löten, dann drucken

Zunächst hatten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Löten vertraut gemacht. Die eingekauften Platinen und Sensoren löteten die Schüler anschließend zusammen, schlossen jeweils noch einen USB-Anschluss an und entwarfen am Computer eine passende Form. Diese wurde per 3-D-Drucker schließlich in verschiedenen Farben erstellt.

Die Arbeit kam bei den Schülerinnen und Schülern des MINT-Profilkurses gut an. „Es ist gut, etwas für die Schule zu tun“, sagt die Zehntklässlerin Elisabeth. Fünftklässler Len ist glücklich über das Ergebnis: „Jetzt vergessen wir definitiv nicht mehr das Lüften.“

„Absolut toll“

„Es ist absolut toll: Ein Schülerprojekt, das Schülern und Schülerinnen zugute kommt“, sagt Ulrich. Zwischenzeitlich hätten Lieferschwierigkeiten von Elektronikteilen für Verzögerungen gesorgt. Die Lehrer hätten sich bemüht, über verschiedene Wege Nachschub zu beschaffen. Das sei schließlich geglückt. „Jetzt liegt es einfach nur an der Manpower, die weiteren Geräte herzustellen“, sagt Kubin. Er hat allerdings auch Verständnis dafür, dass seine Schülergruppen nicht nur CO2-Ampeln herstellen wollen. Das Ziel der Schule bleibt aber, alle 80 Unterrichtsräume mit CO2-Ampeln auszustatten.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Mit diesem Projekt möchte die KGS die Schüler auf das Berufsleben vorbereiten (HAZ vom 02.12.21)

„Talent Company“: Ernst-Reuter-Schule will Berufsorientierungsraum mit lokalen Unternehmern ins Leben rufen / Startkapital beträgt 63 000 Euro

Pattensen-Mitte. Martina Brucki hatte sich bis zu ihrem Schulabschluss keine Gedanken gemacht, was sie im Anschluss machen soll. „Man beschäftigt sich viel zu spät damit“, sagte sie in der Aula der KGS. Dort wurde das Vorhaben vorgestellt, einen neuen Raum zur Berufsorientierung zu schaffen. Dieser soll den Namen „Talent Company“ tragen. Brucki sieht das als gute Chance, dass heutige Schüler ihren gemachten Fehler nicht wiederholen müssen. Auf Anraten ihres Vaters habe sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen. Doch wohl habe sie sich in dem Job nicht gefühlt. Inzwischen ist sie Residenzleiterin des CMS Pflegewohnstifts in Pattensen. „Ich bin von dem Plan völlig begeistert und unterstütze das total“, sagte Brucki. Doch das Vorhaben könne nur gelingen, wenn sich Unternehmen finanziell beteiligen. Denn als Startkapital seien 63 000 Euro erforderlich.

KGS kooperiert mit Stiftung

Das verkündete Andreas Hofer bei der Auftaktveranstaltung. Er ist Projektmanager bei der Strahlemann Stiftung. Diese setzt sich bundesweit für die Förderung von Nachwuchskräften ein und kooperiert nun mit der KGS, um das Vorhaben in Pattensen umzusetzen. Als die Zuhörerinnen und Zuhörer verschiedener Pattenser Unternehmen die anfangs erforderliche Summe hörten, schluckten einige. „Die soll ja niemand alleine aufbringen“, beruhigte Sylvia Mizera. Sie ist als Sozialpädagogin an der Schule tätig und soll zukünftig mit Hauptschulzweigleiter Haider Benke den neuen Berufsorientierungsraum betreuen.

Die KGS hat die Auftaktveranstaltung in der Aula angeboten, um lokale Unternehmen für das Vorhaben zu gewinnen. Die Betriebe seien dabei allerdings keineswegs nur Geldgeber. Sie können sich im neuen Raum – dem bisherigen Auditorium der Jahrgänge neun und zehn – selbst einbringen und präsentieren, Schülerinnen und Schülern bestimmte Ausbildungsberufe vorstellen oder Gespräche in kleiner Runde führen. Gespräche auf Augenhöhe sollen es werden. Die Möglichkeiten seien vielfältig. Schulleiterin Mirjam Gerull sagte, sie sei zudem offen für weitere Anregungen aus den interessierten Betrieben. All diese Zusammenkünfte vor Ort sollen in Zukunft dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler besser verstehen, was sie in bestimmten Berufen erwartet. „Gute Matches finden“, nannte das Gerull. Sprich: Schulabsolvent und Unternehmen sollen bestmöglich zueinander passen.

Wenige haben Berufswünsche

„Mit diesem Raum holt man die Schüler dort ab, wo sie gerade sind. Und das auch noch frühzeitig“, sagte Brucki. „Viele Schüler sind noch orientierungslos“, sagte Gerull. Das bestätigte auch Mirco Kosian. Der Zwölftklässler der KGS ist stellvertretender Jugendbürgermeister. Er schätzt, dass etwa nur zehn Prozent der Schüler des Jahrgangs bereits eine Vorstellung davon haben, in welchem Bereich sie später einmal arbeiten wollen. Er selber gehöre zu dem Zehntel. „Mich interessiert die Baubranche, seit ich ein Praktikum bei einem Bauingenieur gemacht hatte“, sagte Kosian.

Für den Großteil der Mitschüler könnte die Talent Company bei der Jobsuche hilfreich sein, glaubt er. „Es ist wichtig, solche Möglichkeiten zu schaffen“, sagte er. „Es wäre eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema Berufsorientierung auseinanderzusetzen“, sagte Lilli Engelhardt, die ebenfalls Mitglied des Jugendparlaments ist und auch die zwölfte Klasse der KGS besucht. Sie bezeichnete den Weg der KGS als innovativ und als starkes Statement. „Es zeigt, dass sich die Schulleitung um die Belange der Schüler kümmert.“

Betriebe können sich melden

Wenn sich Unternehmen aus Pattensen oder den angrenzenden Kommunen für das Vorhaben interessieren, können sie sich mit Mizera unter der Telefonnummer (0 51 01) 1 00 16 60 oder mit einer
E-Mail an talentcompany@kgs-
pattensen.de in Verbindung setzen. Weitere Informationen zu der neuen Talent Company gibt es zudem im Internet unter www.strahlemann-stiftung.de.

Text/Bild: Mark Bode

Modellprojekt: KGS erprobt neue Konzepte „weg vom preußischen Gleichklang“ (HAZ vom 24.11.21)

Achtklässler sollen eigenständig Ideen entwickeln / Unterstützung vom Land Niedersachsen

Pattensen. Das Leitungsteam der KGS Pattensen hat sich für die nächsten Jahre viel vorgenommen. „Wir regen die Schüler an, groß zu denken und bestehende Vorgaben zu hinterfragen. Das sollten wir Lehrer auch tun“, sagt Schulleiterin Mirjam Gerull. Unterstützung bekommt die Ernst-Reuter-Schule jetzt dafür auch offiziell vom Land. Das niedersächsische Kultusministerium hat 65 Bildungseinrichtungen in das „Modellprojekt Zukunft“ aufgenommen, um Themen wie Demokratiebildung und nachhaltige Entwicklung zu fördern.

20 Schulen ausgewählt

20 dieser Schulen wurden zusätzlich ausgewählt, um pädagogische Konzepte zu entwickeln und auszuprobieren, die die Institution Schule generell in die Zukunft führen soll. Dazu gehört auch die KGS Pattensen.

Lehrerin Katharina Katechakis hat die Koordination des Projekts an der KGS übernommen und steht auch als Ansprechpartnerin für das Land zur Verfügung. Sie betont, dass die Schule nicht zufällig in das Projekt aufgenommen wurde. Bereits in der Vergangenheit hat die Ernst-Reuter-Schule immer wieder pädagogisches Neuland betreten, zum Beispiel mit der Einführung der kooperativen Eingangsstufe und dem Projekt Herausforderung, bei dem Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgang zwei Wochen lang unterwegs waren, und ohne Handy und nur mit 100 Euro in der Tasche zurechtkommen mussten.

Als nächste Aktion wird jetzt für den achten Jahrgang das Projekt Verantwortung geplant. Die Schülerinnen und Schüler sollen eigenverantwortlich ein Projekt entwickeln und betreuen. Dies könne zum Beispiel ein Einkaufsservice für Senioren sein oder etwa eine Informationskampagne über die Bedeutung von Blühwiesen für Insekten. Für Gerull ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen eine Form von Selbstwirksamkeit zu vermitteln. „Die Schülerinnen und Schüler sollen keine Angst vor eigenständigem Handeln haben und lernen, dass sie in dieser Welt etwas bewegen können“, sagt sie.

Freie Einteilung der Arbeitszeit

Katechakis ergänzt, dass ein weiteres Projekt unter dem Namen Pulsar gerade für die Oberstufe geplant wird. „Die Schülerinnen und Schüler bekommen fächerübergreifend verschiedene Themen vorgegeben. Zu einem dieser Themen müssen sie innerhalb einer Woche selbstständig eine Präsentation entwickeln“, sagt sie. Diese Woche gestalten die Schüler komplett frei. Sie müssen nicht zur Schule kommen und können ihre Arbeitszeit frei einteilen. Es muss lediglich am Ende der Woche ein vorzeigbares Ergebnis vorliegen. „Das ist dann schon eine konkrete Vorbereitung für die Uni. Dort müssen die Studenten dann schließlich auch komplett eigenverantwortlich handeln“, sagt Gerull.

Ein weiteres Ziel der Schule ist es, eine kooperierende Bildungslandschaft in Pattensen aufzubauen. So habe die KGS bisher unter anderem schon mit der Stadt, mit Seniorenheimen und dem Verein Buller & Bü zusammengearbeitet. Weitere Kooperationen seien wünschenswert, führt der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich aus. Eng sei auch der Austausch mit dem Jugendparlament in Pattensen, zumal viele der Mitglieder auch die KGS besuchen. „Das Ziel des gesamten Prozesses ist die Bildung eines Demokratieverständnisses bei Jugendlichen und die Entwicklung ihrer individuellen Potenziale“, sagt Ulrich.

Innerhalb des Projekts stellt das Land der Schule verschiedene pädagogische Experten an die Seite, die die Projekte der Schule fünf Jahre lang begleiten und auch für die Entwicklung neuer Ideen offen sind. Daran mangelt es dem Leitungsteam der KGS nicht. Gerull befasst sich zum Beispiel gerade mit dem Gedanken, dass die Jugendlichen nicht mehr alle gleichzeitig eine Klassenarbeit schreiben müssen, sondern sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums eigenständig dafür anmelden können. „Beim Führerschein melden sich die Fahrschüler auch dann für die Prüfung an, wenn sie sich bereit dafür fühlen. Warum soll das in der Schule nicht auch so sein?“, fragt Gerull. Sie betont, dass Schulen sich mehr vom „preußischen Gleichklang“ weg und mehr zu individueller Förderung hinbewegen müssten.

Enge Beteiligung der Eltern

Ziehen alle Eltern mit in das pädagogische Neuland? Gerull sagt, dass die gesamte Entwicklung ein partizipativer Prozess ist. Eltern wie Schüler sollen eng an der Entwicklung beteiligt werden. Der Austausch mit Eltern sei bereits in der Corona-Krise sehr intensiv gewesen. „Da die Situation auch für uns neu war, waren wir auf das Feedback von Eltern und Schülern angewiesen. Sie mussten uns sagen, ob wir an einer Stelle zu viel oder an anderer vielleicht zu wenig machen“, sagt Gerull. Sie freue sich, jetzt gemeinsam mit dem Kollegium, Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie den Experten des Landes tragfähige pädagogische Konzepte für die Zukunft zu entwickeln.

Text/Bild: Tobias Lehmann (HAZ)

Hier geht es zu einem früheren Artikel zu diesem Thema und hier geht es zur Internetseite des Modellprojekts Zukunftsschule.

Vorlesetag macht Lust auf Lektüre (HAZ vom 23.11.21)

Bürgermeisterin Schumann und weitere Unterstützer stellen an Ernst-Reuter-Schule
Bücher vor

Pattensen-Mitte. Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD) hatte ein Buch ihrer Tochter dabei, die frühere Schulsekretärin Bärbel Mertesacker hielt „Die tollkühnen Abenteuer von JanBenMax“ in der Hand, und Diakonin Isabelle Watral das Fantasy-Buch „Beast Changers – Im Bann der Eiswölfe“. Sechs Vorlesende beteiligten sich am bundesweiten Vorlesetag und brachten
den Fünftklässlern der Ernst-Reuter-Schule die vielfältige Welt der Lektüre näher. „Es sind die schönsten Momente, wenn Erwachsene und Kinder gemeinsam lesen“, sagte Schumann.

Gewissenhafte Vorbereitung

Die Bürgermeisterin las einige Kapitel aus dem Buch „Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein“ von Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling vor. Die Schüler der Klasse 5b hörten gebannt der lustigen Geschichte zu. In den anderen Klassenräumen des Jahrgangs lief es ähnlich ab. „Ich liebe Bücher, und lese sehr gerne vor“, sagte Schulsozialpädagogin Susanne Farkhar. Sie hatte sich gewissenhaft auf das Vorlesen vorbereitet und bereits am Vorabend Sabine Ludwigs „Wie Kater Konrad seinen Freund wiederfand und den Rattenkönig besiegte“ studiert. Peter Gütt, der früher in der Bücherei mitgearbeitet hatte, las aus „Wiedersehen mit Pu“ von A. A. Milne vor. „Ohne Lesen geht nichts. Das hilft bei der Kommunikation von Menschen“, sagte er. „Es ist schön, den Kindern das Lesen und die Bücher näherzubringen“, betonte Schulsekretärin Beate Rausch.

Genau das aber fehlt vielen. Die KGS-Fachbereichsleiterin Deutsch, Victoria Veits, sieht es darum als Pflichtaufgabe an, auf das Vorlesen besonders hinzuweisen. „Wir erleben immer häufiger, dass Schülerinnen und Schüler nur selten beziehungsweise noch nie in den Genuss des Vorlesens gekommen sind. Das ist ein trauriger Zustand, dem wir natürlich entgegenwirken wollen“, betonte sie. „Wir freuen uns, wenn die Vorleser Interesse an den Werken wecken, aus denen sie vorle-sen, und so die Kinder zum Selbstlesen animieren“, sagte die Fachbereichsleiterin. „Die positiven Erfahrungen und Rückmeldung der vergangenen Jahre bestätigen uns in diesem Vorhaben.“

Text/Bilder: Mark Bode (HAZ)

OASE in der KGS kommt gut an (HAZ vom 15.11.21)

Umfrage: Lehrer und Schüler loben den Rückzugsraum / Sozialpädagogen und ehrenamtliche Helfer hören zu / Umsetzung gemeinsamer Projekte

Pattensen-Mitte. „Lass dich beflügeln“ steht auf einem kleinen Schild auf dem 102 Jahre alten Klavier in der Oase der KGS Pattensen. So lautet das Motto dieses besonderen Raums, der im Februar 2020 in der Ernst-Reuter-Schule eröffnet wurde. „Die Oase soll ein Rückzugsraum für die Schülerinnen und Schüler sein. Hier werden sie unabhängig von ihrer Schulleistung wertgeschätzt“ sagt Schulsozialpädagogin Susanne Farkhar. Sie hatte die Idee für die Oase und konnte sie mithilfe einer Erbschaft in Höhe von 15 000 Euro, die der Schule damals vermacht wurden, umsetzen. „Ähnliche Konzepte gibt es an der einen oder anderen Schule auch schon. Doch in dieser konkreten Form ist es ein Alleinstellungsmerkmal unserer KGS“, sagt Farkhar.

Die Oase befindet im ehemaligen Lehrerzimmer der KGS Pattensen. Heute können die Schüler dort auf dem Klavier spielen, in der Mal-Insel kreativ die Wände bemalen oder einfach gemütlich auf dem Sofa sitzen. Im Sommer stehen sogar Liegestühle auf der Wiese direkt neben der Oase. Der Raum ist ursprünglich für alle Schüler gedacht. Wegen des Coronavirus steht er aktuell allerdings pro Woche im Wechsel immer nur jeweils einem Jahrgang zur Verfügung. Trotz der nur eingeschränkt möglichen Nutzung ist die Einrichtung für viele Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte nicht mehr wegzudenken. Das zeigt eine aktuelle Befragung unter Lehrkräften, Schülern und Schulsozialpädagogen.

Schüler werden aufgefangen

„Es ist ein Unterschied, ob ich eine Leistung wertschätze oder ob ich eine Person wertschätze. Ich erlebe die Oase nicht nur als einen Ort, sondern als eine Haltung“, beschreibt Schulleiterin Mirjam Gerull in der Umfrage das pädagogische Konzept der Oase. Eine Lehrerin wird mit den Worten zitiert: „Kinder und Jugendliche müssen sich in der Schule sonst immer profilieren. Da ist die Oase ein toller, hoffnungsvoller und druckfreier Ort.“

Immer wieder kommt es auch vor, dass Lehrkräfte gezielt Schüler in die Oase schicken. „Wenn Kinder- und Jugendliche früher den Unterricht gestört haben, wurden sie häufig einfach aus dem Raum geschickt und mussten dort warten. Heute kommen viele von ihnen mit einer kleinen Notiz des Lehrers zu uns in die Oase“, sagt Fahrhar. Dort ist immer mindestens ein Sozialpädagoge der Schule anwesend, der sich dann mit dem betreffenden Schüler unterhält. „Wir hören zu. Häufig gibt es auch Gründe, weshalb Schüler im Unterricht auffällig sind“, sagt Fahrkar. Rund drei Viertel aller Lehrerinnen und Lehrer geben an, dass sie dieses Angebot als entlastend empfinden. Mehr als die Hälfte hat es auch schon genutzt.

Ehrenamtliche nehmen sich Zeit

Neben den angestellten Schulsozialarbeitern sind in der Oase auch ehrenamtliche Life-Coaches tätig. „Zurzeit haben wir elf Seniorinnen und Senioren, die sich regelmäßig mit den Kindern unterhalten oder manchmal auch bestimmte Projekte mit ihnen umsetzen. Sie bieten den Schülern einen anderen Blickwinkel“, sagt Farkhar. Ein Life-Coach schreibt in der Umfrage: „Oft spreche ich mit Kindern, die auch wirklich schlimme Dinge getan haben. Und ich denke, dass sie es genießen, dass da jemand ist, der ihnen zuhört und sich mit ihnen beschäftigt.“

Hin und wieder werden auch Projekte in der Oase angeboten. „Wir haben zum Beispiel in der schweren Corona-Zeit Hoffnungssteine gebastelt, die jetzt auf der Wiese vor der Oase liegen“, sagt Farkhar. In einem weiteren Projekt unter der Leitung von Schulsozialarbeiterin Frauke Schnackenberg haben Schüler das Wort „Willkommen“ in 17 verschiedenen Sprachen auf Steintafeln formuliert, die jetzt in einem der Flure der Schule hängen. Projekte dieser Art werde es auch in Zukunft geben, kündigt Farkhar an. Dann ist plötzlich ihre Aufmerksamkeit gefragt: Eine Schülerin kommt mit ein paar Schrammen im Gesicht in die Oase. Sie ist gefallen, hat sich beim Schulsanitätsdienst behandeln lassen und soll sich jetzt in der Oase noch etwas ausruhen. Das Fazit formuliert der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich: „Die Oase hat einen positiven Einfluss auf die Atmosphäre in der gesamten Schule. Wir wollen darauf nicht mehr verzichten.“

Text/Bild: Tobias Lehmann (HAZ)

KGS Pattensen wird Zukunftsschule (HAZ vom 03.10.21)

Die KGS Pattensen hatte sich für das Modellprojekt Zukunftsschule beworben und ist nun vom niedersächsischen Kultusministerium als eine von 65 Schulen ausgewählt worden. In den nächsten fünf Jahren sollen sich die Jugendlichen noch mehr zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern entwickeln.

Pattensen-Mitte. Nur 65 Schulen in ganz Niedersachsen sind vom Kultusministerium ausgewählt worden. Die Ernst-Reuter-Schule ist eine davon. Schulleiterin Mirjam Gerull freut sich, dass die KGS Pattensen als Zukunftsschule auserkoren ist. Doch was hat es mit diesem Modellprojekt, das auf fünf Jahre angelegt ist, auf sich? Kultusminister Grant Hendrik Tonne betonte bei der digitalen Auftaktveranstaltung: „Schulen brauchen Freiheiten, um sich innovativ entwickeln zu können. Diese Freiheiten geben wir mit dem Modellprojekt Zukunftsschulen.“

Der Minister erklärte, es sei die Aufgabe von Schule, zukunftsfähige Bildungsansätze zu entwickeln und zu gestalten. Schule müsse ein demokratischer Ort sein, an dem Verantwortung, Solidarität und ein friedliches Miteinander gelebt und gelernt werden könne. „Mit dem Modellprojekt haben wir einen bildungspolitischen Rahmen geschaffen, in dem aus Visionen Wirklichkeit werden kann. Die Schulen können dabei auf Beratungsangebote des Landes zurückgreifen.

Schüler sollen sich zu mündigen Bürgern entwickeln

Schülerinnen und Schüler sollen stärker darauf vorbereitet werden, sich als mündige Bürgerinnen und Bürger aktiv, kritisch und selbstreflexiv in demokratische Prozesse einzubringen. Zudem sollen Perspektiven aufgezeigt werden, wie ein demokratischer und an Nachhaltigkeit orientierter Schulentwicklungsprozess im Unterricht fest verankert werden kann. Die Stärkung von Kinderrechten im Schulalltag ist ein weiterer prägender Leitgedanke.

Die 65 Zukunftsschulen bilden alle Schulformen ab und sind in allen Landesteilen vertreten. Im Vorfeld mussten sich Schulen mit konkreten Modellvorhaben bewerben und ihre Bereitschaft erklären, fünf Jahre an dem Modellprojekt mitzuwirken. Zudem ist vorgesehen, dass die Schulen mit außerschulischen Initiativen kooperieren. Eine wissenschaftliche Evaluation und Begleitung ist ebenfalls vorgesehen.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Schüler gehen auf große Fahrt

KGS Pattensen nimmt erstmals am Projekt „Herausforderung“ teil / Neuntklässler reisen zwei Wochen ohne Eltern, ohne Handy und mit nur 150 Euro pro Person

Pattensen. Es könnten Schlagworte für ein TV-Sozialexperiment sein: Zwei Wochen, kein Handy,
150 Euro. Das Ziel: Durchhalten, nicht aufgeben. Dieser ungewöhnlichen Herausforderung haben sich jetzt 150 Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs der KGS Pattensen gestellt. Der Name des Projekts lautet denn auch passend: „Herausforderung“.

Aufgabe der Jugendlichen war es, zwei Wochen lang allein oder in Kleingruppen außerhalb des Elternhauses zu verbringen und in dieser Zeit auch keinen Kontakt zu den Eltern zu haben. Deshalb durften sie auf ihrer Reise auch kein Smartphone mitnehmen. Für die gesamte Zeit bekam jeder 150 Euro. Das Geld musste reichen, um Essen zu kaufen und eventuell auch Schlafplätze zu organisieren.

Viele Gruppen sind in einer Größe von fünf bis acht Schülerinnen oder Schülern auf Fahrradtour gegangen. Begleitet wurden sie dabei von Lehramtsstudentinnen und -studenten aus Hannover. Diese hatten für Notfälle ein Handy dabei, sodass die Gruppen auch immer erreichbar waren. Eigenes Geld stand den Studenten jedoch nicht zur Verfügung, die Schüler mussten das Essen für die Betreuer ebenfalls von ihrem Geld bezahlen.

Keine Bewertung

Schulleiterin Mirjam Gerull hatte Wert darauf gelegt, dass die Gruppen von Studenten und nicht von Lehrenden begleitet werden. „Die Schülerinnen und Schüler sollten auf dieser Reise von Erwachsenen begleitet werden, die sie nicht bewerten“, sagt Gerull. Die Teilnahme werde auch nicht benotet.

Für Gerull war es wichtig, dass die Schüler einmal ihre Komfortzone verlassen, Herausforderungen bewältigen und soziale Kompetenzen erwerben. „Sie sollten Selbstbewusstsein entwickeln, indem sie lernen, mit unerwarteten Situationen umzugehen, wenn zum Beispiel ein Fahrradreifen kaputtgeht und niemand Flickzeug dabei hat. Das wird auch später in der Berufswelt wichtig sein“, sagt die Schulleiterin.

Jugendliche klingeln an Haustür

So sei es auch vorgekommen, dass sich die geplante Übernachtungsmöglichkeit nicht umsetzen ließ. „Unsere Jugendlichen haben dann an Haustüren geklingelt und gefragt. Am Ende haben wir einen Schlafplatz gefunden“, sagt Krebs. Der 13-jährige Mattes und der
14-jährige Paul hatten in ihrer Fahrradgruppe ein ähnliches Problem. „Wir haben bei einem Bauernhof gefragt und hatten Glück. Sie konnten uns ein leeres Vereinsheim als Schlafplatz vermitteln“, sagen die beiden. Und als die mitgebrachte Luftpumpe nicht funktionierte, habe die Gruppe stattdessen eine Tankstelle angesteuert.

Auch das Gruppenerlebnis sei für die Schülerinnen und Schüler nach dem langen Lockdown wichtig gewesen. „Die Zeit der Pubertät geht auch mit vielen körperlichen Veränderungen einher. Die Jugendlichen haben ein Bedürfnis danach, sich darüber auch untereinander auszutauschen“, sagt Gerull. Sie sei deshalb froh, dass alle Eltern dem Projekt schließlich zugestimmt hätten.

Emma (13) wohnt allein

Das sieht auch die 13-jährige Emma so. Sie hat sich bei der St.-Andreas-Gemeinde in Springe selbst eine Unterkunft gesucht. „Zu Beginn war es sehr ungewohnt, mich selbst um alles zu kümmern, Essen einzukaufen und auch zuzubereiten. Doch am Ende war es toll“, sagt Emma. Sie habe auch ihre Hemmungen verloren, fremde Menschen anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Die 15-jährige Joona hat hingegen Lieder für ein Musikprojekt im Tonstudio der KGS aufgenommen. Damit war sie jeweils den ganzen Tag beschäftigt und kümmerte sich auch selbst um ihre Verpflegung. Sie schlief allerdings zu Hause – was möglich war: „Wir haben das Projekt an die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Schüler und Eltern angepasst“, sagt Mirjam Gerull. Zumal es auch einige Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf an der Schule gebe.

„Für einige war es persönlich ein großer Entwicklungsschritt, einmal ohne die Eltern mit öffentlichen Verkehrsmitteln von einem Ort zum anderen zu fahren. Auf diese persönliche Entwicklung kam es bei diesem Projekt an“, sagt Gerull.

Herausforderung für die Eltern

Die Schulelternratsvorsitzende Claudia Schlegel ist die Mutter von Emma. „Es ist ein tolles Projekt. Allerdings ist es auch für uns Eltern eine Herausforderung“, sagt sie. Immerhin: Die Betreuer der Gruppen machten täglich zumindest ein Foto und leiteten es per E-Mail an die Eltern weiter.

Claudia Schlegel hat ihre Tochter hingegen während der gesamten zwei Wochen weder gesehen noch gesprochen, da sie allein wohnte. „Das war schon ein komisches Gefühl. Ich musste mir immer wieder sagen, dass keine Nachrichten gute Nachrichten sind“, sagt Schlegel. Das

Projekt trage aus ihrer Sicht zur Entwicklung der Kinder bei. „Wir Eltern müssen einfach mal loslassen, auch wenn das nicht leicht ist.“

Text/Bilder: Tobias Lehmann (HAZ)

KGS wünscht sich einen weiteren 3D-Drucker (HAZ vom 11.09.21)

Ernst-Reuter-Schule sucht Spender / Kooperation mit Unternehmen ist möglich

Pattensen-Mitte. Das Gerät summt vor sich hin, die Spule mit dem blauen Filament schwingt hin und her. Der 3-D-Drucker im MakerSpace der KGS Pattensen ist dabei, ein neues Plastikgehäuse herzustellen. „Diese Teile nutzen wir für unsere CO2-Ampeln“, sagt Schulleiterin Mirjam Gerull. Etwa vier Stunden braucht der Drucker für die Produktion. In dieser Zeit kann er nicht anderweitig genutzt werden. „Deshalb wäre es schön, wenn wir noch einen weiteren hochwertigen 3-D-Drucker bekommen könnten“, sagt Gerull. Nun sucht die Schule Sponsoren.

Drei „einfache 3-D-Drucker“, so drückt es der KGS-Fachbereichsleiter MINT, Dennis Kubin, aus, besitzt die Schule bereits. Der Wert dieser Geräte liege bei rund 250 Euro pro Stück. Das hochwertigere Gerät, das eine größere Fläche zum Drucken besitzt und auch präziser sein soll, kostet laut Kubin zwischen 1000 und 1500 Euro.

Die Schule wünscht sich ein weiteres Modell in dieser Preiskategorie. „Da wäre es schön, wenn wir Sponsoren finden könnten, die uns finanziell unterstützen“, sagt Gerull.

Geld- oder Sachspenden möglich

Die Unterstützung könne direkt über eine Geldspende erfolgen. Aber auch eine Art Kooperation wäre möglich. „Schüler haben für ein Unternehmen in Schulenburg bereits mit dem 3-D-Drucker hochwertige Ersatzteile per 3-D-Druck hergestellt“, sagt der pädagogische Mitarbeiter Fabian Bredthauer. „Wenn jemand Interesse an einer Zusammenarbeit hat, könnte ein Unternehmen der Schule das Gerät finanzieren, und wir produzieren im Gegenzug bestimmte Teile“, erklärt er weiter.

 

Auch Sachspenden sind bei der Schule willkommen. Eine Rolle Filament kostet laut MakerSpace-Mitarbeiter Ralf Lürig zwischen 20 und 30 Euro. Holz bis zu einer Dicke von drei Millimetern sowie hochwertige Lötkolben könne die Schule gut gebrauchen.

22 Ampeln sind schon fertig

„Technik kostet wahnsinnig viel Geld“, sagt Gerull. Mit den Materialien entstehen derzeit CO2-Ampeln, die die Schüler selbst herstellen. 22 davon sind schon fertig, insgesamt sollen alle 80 Unterrichtsräume der KGS ein solches Gerät erhalten. Damit wird die Luftqualität im Raum gemessen. Überschreitet die Konzentration an Kohlenstoffdioxid in der Luft den Wert von 950 Parts per million, sorgt ein eingebauter Alarm für einen Signalton. „Das ist der Zeitpunkt, zu dem wieder gelüftet werden soll“, sagt Kubin.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)