Schüler gehen auf große Fahrt

KGS Pattensen nimmt erstmals am Projekt „Herausforderung“ teil / Neuntklässler reisen zwei Wochen ohne Eltern, ohne Handy und mit nur 150 Euro pro Person

Pattensen. Es könnten Schlagworte für ein TV-Sozialexperiment sein: Zwei Wochen, kein Handy,
150 Euro. Das Ziel: Durchhalten, nicht aufgeben. Dieser ungewöhnlichen Herausforderung haben sich jetzt 150 Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs der KGS Pattensen gestellt. Der Name des Projekts lautet denn auch passend: „Herausforderung“.

Aufgabe der Jugendlichen war es, zwei Wochen lang allein oder in Kleingruppen außerhalb des Elternhauses zu verbringen und in dieser Zeit auch keinen Kontakt zu den Eltern zu haben. Deshalb durften sie auf ihrer Reise auch kein Smartphone mitnehmen. Für die gesamte Zeit bekam jeder 150 Euro. Das Geld musste reichen, um Essen zu kaufen und eventuell auch Schlafplätze zu organisieren.

Viele Gruppen sind in einer Größe von fünf bis acht Schülerinnen oder Schülern auf Fahrradtour gegangen. Begleitet wurden sie dabei von Lehramtsstudentinnen und -studenten aus Hannover. Diese hatten für Notfälle ein Handy dabei, sodass die Gruppen auch immer erreichbar waren. Eigenes Geld stand den Studenten jedoch nicht zur Verfügung, die Schüler mussten das Essen für die Betreuer ebenfalls von ihrem Geld bezahlen.

Keine Bewertung

Schulleiterin Mirjam Gerull hatte Wert darauf gelegt, dass die Gruppen von Studenten und nicht von Lehrenden begleitet werden. „Die Schülerinnen und Schüler sollten auf dieser Reise von Erwachsenen begleitet werden, die sie nicht bewerten“, sagt Gerull. Die Teilnahme werde auch nicht benotet.

Für Gerull war es wichtig, dass die Schüler einmal ihre Komfortzone verlassen, Herausforderungen bewältigen und soziale Kompetenzen erwerben. „Sie sollten Selbstbewusstsein entwickeln, indem sie lernen, mit unerwarteten Situationen umzugehen, wenn zum Beispiel ein Fahrradreifen kaputtgeht und niemand Flickzeug dabei hat. Das wird auch später in der Berufswelt wichtig sein“, sagt die Schulleiterin.

Jugendliche klingeln an Haustür

So sei es auch vorgekommen, dass sich die geplante Übernachtungsmöglichkeit nicht umsetzen ließ. „Unsere Jugendlichen haben dann an Haustüren geklingelt und gefragt. Am Ende haben wir einen Schlafplatz gefunden“, sagt Krebs. Der 13-jährige Mattes und der
14-jährige Paul hatten in ihrer Fahrradgruppe ein ähnliches Problem. „Wir haben bei einem Bauernhof gefragt und hatten Glück. Sie konnten uns ein leeres Vereinsheim als Schlafplatz vermitteln“, sagen die beiden. Und als die mitgebrachte Luftpumpe nicht funktionierte, habe die Gruppe stattdessen eine Tankstelle angesteuert.

Auch das Gruppenerlebnis sei für die Schülerinnen und Schüler nach dem langen Lockdown wichtig gewesen. „Die Zeit der Pubertät geht auch mit vielen körperlichen Veränderungen einher. Die Jugendlichen haben ein Bedürfnis danach, sich darüber auch untereinander auszutauschen“, sagt Gerull. Sie sei deshalb froh, dass alle Eltern dem Projekt schließlich zugestimmt hätten.

Emma (13) wohnt allein

Das sieht auch die 13-jährige Emma so. Sie hat sich bei der St.-Andreas-Gemeinde in Springe selbst eine Unterkunft gesucht. „Zu Beginn war es sehr ungewohnt, mich selbst um alles zu kümmern, Essen einzukaufen und auch zuzubereiten. Doch am Ende war es toll“, sagt Emma. Sie habe auch ihre Hemmungen verloren, fremde Menschen anzusprechen und um Hilfe zu bitten. Die 15-jährige Joona hat hingegen Lieder für ein Musikprojekt im Tonstudio der KGS aufgenommen. Damit war sie jeweils den ganzen Tag beschäftigt und kümmerte sich auch selbst um ihre Verpflegung. Sie schlief allerdings zu Hause – was möglich war: „Wir haben das Projekt an die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Schüler und Eltern angepasst“, sagt Mirjam Gerull. Zumal es auch einige Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf an der Schule gebe.

„Für einige war es persönlich ein großer Entwicklungsschritt, einmal ohne die Eltern mit öffentlichen Verkehrsmitteln von einem Ort zum anderen zu fahren. Auf diese persönliche Entwicklung kam es bei diesem Projekt an“, sagt Gerull.

Herausforderung für die Eltern

Die Schulelternratsvorsitzende Claudia Schlegel ist die Mutter von Emma. „Es ist ein tolles Projekt. Allerdings ist es auch für uns Eltern eine Herausforderung“, sagt sie. Immerhin: Die Betreuer der Gruppen machten täglich zumindest ein Foto und leiteten es per E-Mail an die Eltern weiter.

Claudia Schlegel hat ihre Tochter hingegen während der gesamten zwei Wochen weder gesehen noch gesprochen, da sie allein wohnte. „Das war schon ein komisches Gefühl. Ich musste mir immer wieder sagen, dass keine Nachrichten gute Nachrichten sind“, sagt Schlegel. Das

Projekt trage aus ihrer Sicht zur Entwicklung der Kinder bei. „Wir Eltern müssen einfach mal loslassen, auch wenn das nicht leicht ist.“

Text/Bilder: Tobias Lehmann (HAZ)

KGS wünscht sich einen weiteren 3D-Drucker (HAZ vom 11.09.21)

Ernst-Reuter-Schule sucht Spender / Kooperation mit Unternehmen ist möglich

Pattensen-Mitte. Das Gerät summt vor sich hin, die Spule mit dem blauen Filament schwingt hin und her. Der 3-D-Drucker im MakerSpace der KGS Pattensen ist dabei, ein neues Plastikgehäuse herzustellen. „Diese Teile nutzen wir für unsere CO2-Ampeln“, sagt Schulleiterin Mirjam Gerull. Etwa vier Stunden braucht der Drucker für die Produktion. In dieser Zeit kann er nicht anderweitig genutzt werden. „Deshalb wäre es schön, wenn wir noch einen weiteren hochwertigen 3-D-Drucker bekommen könnten“, sagt Gerull. Nun sucht die Schule Sponsoren.

Drei „einfache 3-D-Drucker“, so drückt es der KGS-Fachbereichsleiter MINT, Dennis Kubin, aus, besitzt die Schule bereits. Der Wert dieser Geräte liege bei rund 250 Euro pro Stück. Das hochwertigere Gerät, das eine größere Fläche zum Drucken besitzt und auch präziser sein soll, kostet laut Kubin zwischen 1000 und 1500 Euro.

Die Schule wünscht sich ein weiteres Modell in dieser Preiskategorie. „Da wäre es schön, wenn wir Sponsoren finden könnten, die uns finanziell unterstützen“, sagt Gerull.

Geld- oder Sachspenden möglich

Die Unterstützung könne direkt über eine Geldspende erfolgen. Aber auch eine Art Kooperation wäre möglich. „Schüler haben für ein Unternehmen in Schulenburg bereits mit dem 3-D-Drucker hochwertige Ersatzteile per 3-D-Druck hergestellt“, sagt der pädagogische Mitarbeiter Fabian Bredthauer. „Wenn jemand Interesse an einer Zusammenarbeit hat, könnte ein Unternehmen der Schule das Gerät finanzieren, und wir produzieren im Gegenzug bestimmte Teile“, erklärt er weiter.

 

Auch Sachspenden sind bei der Schule willkommen. Eine Rolle Filament kostet laut MakerSpace-Mitarbeiter Ralf Lürig zwischen 20 und 30 Euro. Holz bis zu einer Dicke von drei Millimetern sowie hochwertige Lötkolben könne die Schule gut gebrauchen.

22 Ampeln sind schon fertig

„Technik kostet wahnsinnig viel Geld“, sagt Gerull. Mit den Materialien entstehen derzeit CO2-Ampeln, die die Schüler selbst herstellen. 22 davon sind schon fertig, insgesamt sollen alle 80 Unterrichtsräume der KGS ein solches Gerät erhalten. Damit wird die Luftqualität im Raum gemessen. Überschreitet die Konzentration an Kohlenstoffdioxid in der Luft den Wert von 950 Parts per million, sorgt ein eingebauter Alarm für einen Signalton. „Das ist der Zeitpunkt, zu dem wieder gelüftet werden soll“, sagt Kubin.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

KGS begrüßt 154 neue Fünftklässler (HAZ vom 06.09.21)

Einschulung an Ernst-Reuter-Schule läuft in drei Etappen / Lange Schlangen vor dem Eingang

Pattensen-Mitte. Auf die Frage, auf was sich die neue Fünftklässlerin an der KGS Pattensen besonders freut, antwortet Clarissa Holbe aus Pattensen-Mitte nach kurzem Überlegen schlicht: „Auf die Pausen.“ Sie fängt an zu lachen. Ihre Mutter Grit Holbe ergänzt: „Unsere ältere Tochter Dorothea ist schon hier. Wir sind vom Konzept der Schule sehr begeistert.“ Außer Clarissa wurden am Freitag noch 153 weitere Kinder an der Ernst-Reuter-Schule eingeschult. Insgesamt besuchen in diesem Schuljahr 1038 Kinder und Jugendliche die KGS.

Vor dem Eingang bildeten sich Schlangen mit den Eltern und zukünftigen KGS-Schülern. Sie mussten jeweils einen Nachweis vorlegen, dass sie gegen Corona geimpft oder davon genesen sind beziehungsweise alternativ einen Negativtest präsentieren. Im Inneren der Schule lief währenddessen in der Aula noch die kurze Willkommensprozedur. Davon gab es drei Durchgänge, in denen jeweils die Kinder von zwei Klassen offiziell willkommen geheißen wurden.

Ältere nehmen Jüngeren Angst

„So langsam bekommen wir Routine“, sagte Pia aus der Klasse 6c. Bei ihrem ersten Auftritt auf der Bühne – sie berichtete mit ihrer Klassenkameradin Hanna von den gesammelten Erfahrungen im ersten Schuljahr – sei sie noch etwas nervös gewesen. Das habe sich aber schnell gelegt. „Wir wollten den Neuen mit unseren Worten ein wenig die Angst nehmen. Denn ich erinnere mich, dass es für mich vor einem Jahr auch sehr aufregend war“, sagte Hanna. „Die Lehrer nehmen sich hier Zeit für jeden Schüler“, berichtete Pia.

Schülersprecher Jan Oeltermann, der nun selbst die 13. Klasse besucht, hatte ebenfalls noch Tipps für die Neuen parat. „Genießt die Zeit, und macht das Beste draus.“ Insgesamt waren an dem Nachmittag rund 20 Schülerinnen und Schüler im Einsatz, um für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen zu sorgen. Während die neuen Fünftklässler ihre Klassenräume kennenlernten, kamen die Eltern in den Innenhöfen zusammen. Schulsozialpädagogin Susanne Farkhar und Isabelle Watral, Diakonin des Kirchenkreises Laatzen-Springe und zuständig für die KGS, ermunterten sie, während der Wartezeit Wünsche auf Zettel zu schreiben und an eine Pinnwand zu heften.

Schulkonzept überzeugt Eltern

Tanja Emeling aus Pattensen-Mitte schrieb gleich mehrere Dinge auf: „Mut“, „Immer nette Lehrerinnen und Lehrer“ und „Viele neue Herausforderungen kennenlernen“. Für Emeling bedurfte es keiner langen Überlegung, Mats an der KGS anzumelden. „Das Konzept hier ist klasse. Es gefällt uns, dass man sich nicht gleich im fünften Jahrgang für einen Schulzweig entscheiden muss“, sagte die Mutter.

„Wir fühlen uns hier pudelwohl“, sagte Grit Holbe. Ihre ältere Tochter besucht bereits die achte Klasse. „Das Kollegium ist toll, der Förderverein macht eine gute Arbeit, und von der Oase sind wir auch überzeugt“, sagte Holbe. „Für das Wohlsein der Kinder ist das hier die optimale Grundlage“, sagte sie. Dorothea habe zu Hause ein wenig bei ihrer Schwester für diese Schule geworben.

Schüler legen Puzzle zusammen

Doch auch viele Mitschüler aus der Grundschulzeit hatten sich für die KGS entschieden. „Deshalb kenne ich in meiner Klasse nun schon viele“, sagte sie. Es erleichtere den Einstieg, wenn nicht alles neu ist. Zum ersten Kennenlernen legten die Schüler in ihrem Klassenraum ein großes Puzzle zusammen, für das jeder ein Teil beisteuerte. „Das sollte die Gemeinschaft symbolisieren“, sagte Clarissa. Auf dem Puzzle sei am Ende ein niedlicher Igel zu sehen gewesen.

Schließlich fällt ihr doch noch etwas ein, auf das sie sich an der neuen Schule besonders freut. „Ich mag Englisch“, sagte Clarissa. „Und in die Mädchen-AG möchte ich.“

(Text/Bild: Mark Bode, HAZ)

Digitalisierung schreitet voran: KGS hat neues WLAN-Netz (HAZ vom 31.08.21)

Stadt lässt Technik in den Sommerferien einbauen / Mittel stammen aus Fördertopf des Landes Niedersachsen

Pattensen. Die Digitalisierung an der KGS Pattensen macht Fortschritte. In den Sommerferien wurden neue Leitungen und Geräte für ein modernes und flächendeckend erreichbares WLAN-Netz installiert. „Theoretisch kann jetzt jeder Schüler in der Schule am digitalen Unterricht teilnehmen“, sagt Niklas Ohlendorf, städtischer IT-Systemadministrator und zuständig für die Pattenser Schulen. Die Mittel dafür stammen aus dem Digitalpakt des Landes Niedersachsen.

In jedem Klassenraum befindet sich nun mindestens ein sogenannter Accesspunkt, der die Verbindung eines Endgerätes mit dem WLAN-Netz ermöglichen soll. „Nur in den Sporthallen gibt es keine“, sagt Ohlendorf. Insgesamt müssten noch „kleinere kosmetische Arbeiten“ erfolgen, aber die Funktionalität ist zu 100 Prozent gewährleistet, sagt der Fachmann der Stadt. Das freut unter anderem Schulleiterin Mirjam Gerull. Bislang sei die Drahtlosverbindung in Klassenzimmern nur eingeschränkt möglich gewesen. „Da gab es nur Access- punkte auf den Fluren“, erklärt Ohlendorf.

Tablets für Siebtklässler

Doch was bringt die nun bessere Internetverbindung den Schülern? Im neuen siebten Jahrgang finanzieren die Eltern die Anschaffung eines Tablets für ihr Kind. Auch die elften Klassen sollen im Unterricht vermehrt mit Tablets arbeiten. „Das bedeutet aber nicht, dass wir ab sofort nur noch digital arbeiten“, sagt Gerull. Dafür seien die Voraussetzungen gar nicht gegeben, da einige Schulbuchverlage „noch ziemlich weit zurück“ sind, sagt Ulrich Ziehn. Der didaktische Leiter der KGS wünscht sich, dass diese Verlage sich zügig „moderner aufstellen“.

Viele Eltern, so sagt Gerull, sind starke Befürworter der Nutzung moderner Technik im Unterricht. Doch es gibt auch Skeptiker. Die verantwortlichen Lehrkräfte erläutern diesen, welche Vorteile sie in der neuen Lernform sehen. „Wir verfolgen pädagogisch damit etwas“, sagt Ziehn. So sei das digitale Lernen aber nur eine zusätzliche Methode im Unterricht.

Individualisiertes Arbeiten

„Der eine Schüler liest lieber einen Text zu einem Thema, eine Schülerin schaut sich lieber ein Erklärvideo dazu an“, sagt Gerull. „So ist ein individualisiertes Arbeiten möglich. Die Idee ist, dass jeder mehr in seinem eigenen Tempo arbeiten kann.“ Jeder Schüler gehe beim Lernen schließlich anders vor. Bürgermeisterin Ramona Schumann bezeichnet es als „riesigen Methodik-Kasten, der einem gegeben wird“.

Es werde auch weiterhin dabei bleiben, auf „analoge Druckwerke“, wie Ziehn die gewöhnlichen Schulbücher nennt, zurückzugreifen. Er und Gerull möchten Eltern die Angst nehmen, dass ihre Kinder fortan nicht mehr handschriftlich arbeiten würden und deshalb das Schreiben verlernen. „Natürlich nehmen die Schüler auch noch Stifte in die Hand“, sagt Gerull. Und sei es, um auf dem Tablet mit einem entsprechenden Stift zu schreiben.

Eltern zahlen 15 Euro im Monat

Da die Finanzierung eines Tablets auf drei Jahre ausgelegt ist und auch Hauptschüler das Gerät drei Jahre nutzen sollen, startet die KGS im siebten Jahrgang. Die Summe, die Eltern bezahlen müssen, beträgt 15 Euro im Monat und beinhaltet eine umfassende Versicherung gegen Diebstahl und Beschädigung. Der Förderverein der Schule steht Familien, die das nicht aufbringen können, unterstützend zur Seite, sagt Ziehn. Wer berechtigt ist, Sozialleistungen zu erhalten, wird entsprechend finanziell unterstützt.

Weitere Schulen folgen

Die Digitalisierung soll auch an weiteren Schulen im Pattenser Stadtgebiet vorangebracht werden. So kündigt Ohlendorf an, dass in der Grundschule Pattensen flächendeckenedes WLAN eingerichtet werden soll. Dafür werden in den Herbstferien baugleiche Geräte wie an der KGS installiert.

Für die Grundschule Hüpede ist ein Ingenieurbüro damit beauftragt worden, einen Plan für eine neue Verkabelung zu entwerfen. Das werde „in den nächsten Jahren“ umgesetzt, kündigt Ohlendorf an.

Die neu zu bauende Grundschule in Schulenburg soll direkt mit neuer Technik ausgestattet werden.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Großes Drama in der Eisfabrik (HAZ vom 23.07.21)

Elf Schüler der KGS Pattensen führen das Stück „Crystals Case“ in Hannover
auf / Drehbuch basiert auf einem Roman der Autorin Joanne K. Rowling

Pattensen. Alte Fotos zeigen Aufnahmen einer scheinbar glücklichen Kindheit. Jungen und Mädchen, spielend, lachend. Dann setzt der melancholisch-schwere Gesang von Jim Morrison ein, der den Doors-Song „The Crystal Ship“ vorträgt. Das düstere Lied mag nicht so richtig zu den auf der Leinwand gezeigten Bildern passen. Irgendetwas stimmt nicht. Mit diesem Eindruck beginnt das Theaterstück „Crystals Case“, das elf Schülerinnen und Schüler der KGS Pattensen aus den Jahrgängen sieben bis zwölf unter der Leitung von Petra Schmitmeier in der Eisfabrik in Hannover aufgeführt haben.

Das Drehbuch hat Schmitmeier als Leiterin des Kurses Darstellendes Spiel selbst geschrieben. Es basiert auf dem Roman „Ein plötzlicher Todesfall“ von Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling. „Von der Romanvorlage sind aber im Grunde nur die Figuren und die zu Beginn vorliegende Handlungssituation geblieben“, sagt Schmitmeier.

Als die Proben für das Stück nach den Osterferien begannen, befand sich Deutschland im Corona-Lockdown. Dort war noch nicht abzusehen, ob das Stück live aufgeführt werden kann. Deshalb wurde es zunächst als Film geplant.

„Das war großartig“

„Die Schüler werden im Stück in einer Verhörsituation dargestellt. Für den Film sollten alle einzeln auf einem Stuhl sitzen und dabei gefilmt werden“, sagt Schmitmeier. So hätten sie sich zum Schutz vor dem Coronavirus auch gegenseitig gar nicht begegnen müssen. Dann entspannte sich die Pandemielage jedoch, und der Auftritt in der Eisfabrik wurde möglich. „Das war natürlich großartig. Für die Schülerinnen und Schüler ist der Auftritt auf der Bühne vor Publikum immer der Höhepunkt des Kurses“, sagt Schmitmeier.

Die zuvor geprobte Konstellation bleibt auch in der Liveaufführung bestehen. Auf der Bühne nehmen die Schüler auf zehn etwas auseinanderstehenden Stühlen Platz. Die elfte Schauspielerin ist auf der Bühne gar nicht zu sehen. Sie leitet das Verhör aus dem Off. „Es ist das textlastigste Stück, das ich je geschrieben habe. Dafür gibt es umso mehr Drama“, sagt Schmitmeier. Das hätten sich die Schülerinnen und Schüler in einem Workshop noch kurz vor Beginn der Corona-Krise gewünscht.

Das Stück handelt davon, dass in der fiktiven englischen Kleinstadt Pagford ein kleiner Junge ertrunken ist. Die Hintergründe werden in den Verhören nach und nach aufgedeckt. Dabei wird auch deutlich, dass Menschen fast immer nur Ausschnitte anderer Leben sehen und sich selten die Zeit nehmen, einmal genauer hinzuschauen. Doch wer ist denn nun diese 16-jährige Crystal, die immer sorgsam darauf achtet, dass die Ärmel bis zu den Handgelenken herunter reichen und deren kleiner Bruder ertrunken ist, während sie wenige Meter entfernt im Gebüsch Sex mit einem Mitschüler hatte?

Ihre Freunde und Bekannte beschreiben sie unterschiedlich, etwa als „das Mädchen aus der Unterschicht“ oder als Sexobjekt. Andere loben wieder ihre Führungsqualität als Leiterin des Ruderteams. Die komplette Geschichte entblättert sich erst, als ganz am Ende Crystal selbst zu Wort kommt. Sie spricht abgehackt und distanziert über eine erlittene Vergewaltigung in ihrem eigenen Haus. „Küche. Linoleumboden. Keine Chance.“ Nachdem das Licht auf der Bühne dann bereits erloschen ist, hören die Zuschauerinnen und Zuschauer noch Szenen aus der Kindheit von Crystal. Und es bricht einem das Herz.

Stück ist online abrufbar

„Ich wollte zeigen, was mit Kindern passieren kann, wenn sie nicht gesehen und nicht gehört werden“, sagt Schmitmeier. Das ist ihr eindrucksvoll gelungen. Wer sich davon selbst überzeugen will, kann das Stück noch bis Anfang August als Stream im Internet unter www.dringeblieben.de für eine Gebühr von 5 Euro ansehen.

Text/Bild: Tobias Lehmann (HAZ)

„Es ist etwas Eigenes, kein Cover“ (HAZ vom 19.07.21)

Schüler der KGS Pattensen nehmen am Musikzentrum-Projekt „Soundtrack Voice“ teil und erarbeiten eigenes Lied

Pattensen-Mitte. Anfangs sei es etwas schleppend gelaufen, sagt Lilly Engelhardt. „Doch dann ging es richtig schnell“, fügt die 17-jährige Schülerin der KGS Pattensen hinzu. Gemeinsam mit sechs weiteren musikinteressierten Schülern im Alter von zwölf bis 18 Jahren beteiligt sie sich derzeit am Projekt „Soundtrack Voice“ vom Musikzentrum Hannover. Jugendliche aus jeder Kommune der Region sollen dabei ein Lied aufnehmen und veröffentlichen. Dazu soll auch ein Musikvideo aufgenommen werden.

Das macht total viel Spaß“, sagt Max Nitsche. Er nennt AC/DC, Queen und Led Zeppelin als seine Lieblingsbands. Mit dem eher poplastigen Lied, das er gemeinsam mit der Gruppe erarbeitet hat, ist er dennoch zufrieden. „Es ist was Eigenes, kein Cover, das ist super“, sagt der Schlagzeuger. Lilly bezeichnet sich selbst eher als Balladensängerin. „Deshalb ist das hier eigentlich nicht so typisch für mich. Aber es ist trotzdem cool. Das ist mal was anderes“, sagt die Schülerin, die bereits mehrere Songs produziert und veröffentlicht hat.

Musiker unterstützt die Gruppe

An den drei Treffen teilgenommen hat der freiberufliche Dozent und Musiker Roland Loy. Er leitete die Gruppe an. „Die Kids sind es nicht gewöhnt, kreativ zu arbeiten“, sagt er. Deshalb habe er sie teils leicht anstupsen müssen, um in die richtige Richtung zu gehen.

„Zunächst haben wir Material für den Text gesammelt“, berichtet Loy. Dabei konnte jeder der Gruppenmitglieder einzelne Worte oder Gedankengänge vortragen. „Das war am Ende eine bunte Ideensammlung“, sagt die städtische Jugendpflegerin Claudia Schoppmeier, die das Projekt mit ihrem Aufruf an der KGS auf den Weg gebracht hat.

„Das war ganz schön philosophisch“, sagt Lilly. Es sei viel um Herz, Kopf und Gefühle gegangen, sagt Loy. Am Ende kristallisierte sich die Richtung heraus und der Songtitel stand schnell fest: „There’s no Recipe for Life“. Inhaltlich geht es darum, dass jeder sein Leben so gestalten kann, wie er es möchte. Es gibt keine Vorgaben. „Es soll hoffnungsvoll stimmen und ein Appell sein, etwas aus seinem Leben zu machen“, sagt Lilly.

Aufnahme im Studio in Hannover

Nachdem der Text feststand, ging es an die Melodie. Auch diese erarbeitete die Gruppe in Zusammenarbeit mit Loy. „Man muss gucken, was gut zusammen passt“, sagt er. Noch innerhalb des ersten dreistündigen Workshoptages war das Lied geschafft. Weiter ging es bei zwei weiteren Treffen mit Proben. Für nächsten Freitag ist ein Termin im professionellen Tonstudio im Musikzentrum in Hannover vereinbart worden. Später folgt noch ein weiterer gemeinsamer Termin, um ein Musikvideo aufzunehmen. Das Ergebnis mit allen 21 Liedern soll voraussichtlich im Oktober im Internet abrufbar sein.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Diese Anliegen haben KGS-Schüler an die Bürgermeisterkandidaten (HAZ vom 16.07.21)

Pattensen-Mitte. Als Mirjam Bruder, Fachbereichsleiterin geschichtlich-soziale Weltkunde an der KGS Pattensen, kürzlich einer Oberstufenklasse erzählte, dass Schüler die ab 16 Jahren für die Kommunalwahl im September wahlberechtigt sind, reagierten die meisten überrascht. „Viele wussten davon gar nichts“, sagt Bruder. Deshalb sei es wichtig, junge Menschen an das Thema Kommunalpolitik heranzuführen. Die Leitung der Ernst-Reuter-Schule hatte deshalb die beiden Bürgermeisterkandidaten Ramona Schumann (SPD) und Roman Dobberstein (CDU) eingeladen. Beide besuchten abwechselnd neunte und elfte Klassen und stellten sich den teils kritischen Fragen der Schülerinnen und Schüler. Abschließend folgte eine Podiumsdiskussion.

Schumann sprach anschließend von einem „ganz tollen Vormittag“. Dobberstein lobte das Engagement der Schule, diese Veranstaltung anzubieten. „Wenn wir auch nur einen oder zwei erreicht haben, die von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen, zur Wahl zu gehen, hat es sich gelohnt“, sagte er. „Es war sehr gut, dass beide zu uns gekommen sind. Sonst kommt man mit der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister nicht so leicht in Kontakt“, sagte Neuntklässlerin Katja Ritter.

Schülerin fragt kritisch nach

Nachdem Dobberstein seinen Werdegang mit regelmäßig wechselnden Arbeitsplätzen vorgestellt hatte, wollte die 14-jährige Ritter wissen, was die Wähler denn zuversichtlich machen kann, dass er als Bürgermeister tatsächlich die gesamte Zeit im Amt bleibt. „Der Bürgermeister wird für fünf Jahre gewählt, die mache ich dann auch voll. Wenn ich was mache, dann mache ich es auch richtig“, sagte Dobberstein. Auch eine längere Amtszeit, wenn er gewählt werden sollte, könnte er sich vorstellen.

Auf die Frage nach der Schaffung von Angeboten für Jugendliche erklärte Schumann, dass sie dabei auf die Mitsprache der Jugendlichen angewiesen sei. „Ich bin über 40. Ich weiß nicht, was ihr braucht“, sagte sie. Deshalb sollen die Jugendlichen in ein zu erarbeitendes Jugendkonzept eingebunden werden. In mehreren Klassen habe sie gehört, dass sich Jugendliche einen Ort wünschten, an dem sie sich ungestört aufhalten können, ohne von Erwachsenen beaufsichtigt zu werden. Sie regte an, dass womöglich einer der drei zurückgebauten Spielplatzflächen eine Möglichkeit sein könnte. „Ein paar Bänke drauf, dazu vielleicht eine Schutzhütte – fertig“, sagte Schumann.

Jugendliche brauchen Aufenthaltsmöglichkeit

Dobberstein sprach sich ebenfalls für die Schaffung von Aufenthaltsmöglichkeiten aus. Er verwies auf die Bürgerinitiative, die sich für ein Sportareal, den sogenannten Multi-Sport-Court, einsetzt. „Die Bürger sehen den Bedarf. Es ist schade, dass dies nicht schon eher aus der Politik angegangen wurde.“ Er erklärte, dass bis zur Fertigstellung noch Jahre vergehen können. Deshalb würde er sich für die Umsetzung des seit 2019 vom Jugendparlaments geforderten und auch mit Mitteln im Haushalt bedachten Calisthenics-Parks zeitnah umzusetzen. „Es muss nicht alles an einem Ort sein“, sagte Dobberstein. Schumann entgegnete dazu, dass das Jugendparlament die Haushaltsmittel in den Multi-Sport-Court überführen möchte und Elemente des geplanten Calisthenics-Parks dort mit integriert werden sollen. Die Umsetzung sei laut Bürgermeisterin bislang an einem geeigneten Ort gescheitert.

Die Kandidaten wurden gefragt, wie Jugendliche vermehrt in die Politik eingebunden werden können und wie diese transparenter gestaltet werden könnte. Schumann verwies auf das von ihr initiierte Jugendparlament und appellierte an die Schülerinnen und Schüler, über eine Kandidatur nachzudenken. „Ich habe mich schon angemeldet“, sagte Katja Ritter. „Ich denke noch drüber nach“, ergänzte ihre Klassenkameradin Sophie Spangenberg (15).

Kein Stimmrecht für das Jugendparlament

Mila Revink, Mitglied des Jugendparlaments, wollte wissen, ob die Möglichkeit besteht, zum Antrags- und Rederecht auch noch ein Stimmrecht zu erhalten. „Auch ohne Stimmrecht kann man sich mit den Anliegen der Jugendlichen auseinandersetzen“, sagte Dobberstein. Ähnlich reagierte Schumann: „Rechtlich besteht keine Möglichkeit auf ein Stimmrecht. Zudem bedeutet Stimmrecht auch immer Verantwortung.“

Vermehrt wurde von den Schülerinnen und Schülern der Wunsch geäußert, auf einfachem Weg erfahren zu können, wo Ferienjobs zur Verfügung stehen. „Das Netzwerk mit der Wirtschaftsförderung und den Unternehmen ist da. Es fehlt nur noch an einem funktionierenden System, die Informationen zu transportieren“, sagte Dobberstein. Der Wunsch nach besseren Anbindungen mit dem Bus an Nachbarorte kam ebenfalls vermehrt auf. Schumann erklärte, dass sie sich bereits bei der Region Hannover dafür eingesetzt habe, dass die aktuelle Situation mit teils langen Wartezeiten beim Umsteigen angepasst wird.

Text/Bilder: Mark Bode (HAZ)

KGS-Schüler bauen alten Bauwagen um (HAZ vom 15.07.21)

Bei Buller & Bü in Schulenburg machen die Jungen aus dem Gefährt ein Lager für Spielgeräte / Sachspenden sind erwünscht

Schulenburg. Sie sind mit Hämmern und Brecheisen sowie mit Schraubenziehern und Zangen eifrig gewesen: Schüler des fünften und sechsten Jahrgangs der KGS Pattensen hatten in den vergangenen Wochen auf dem Gelände des Vereins Buller & Bü in Schulenburg im Rahmen der sogenannten Jungs-AG angefangen, einen alten Bauwagen wieder herzurichten. Dieser soll zukünftig auf dem Schulgelände in Pattensen-Mitte aufgestellt werden. In ihm sollen nach Wunsch der Schüler Spielgeräte gelagert werden. Um das Projekt realisieren zu können, haben die Kinder nun einen Brief verfasst und bitten um Spenden.

„Ich finde es richtig gut, aus alten Sachen etwas Neues zu machen“, sagt der elfjährige Niclas. „Es ist cool, dass wir hier etwas Richtiges bauen können“, ergänzt der gleichaltrige Cedric. Die Schüler sollen selbst ihre Ideen entwickeln.

„Sie sollen erst einmal groß denken“, sagt Steffen Lebjedzinski, der als Betreiber von Buller & Bü das Projekt begleitet. Allerdings sei am Ende nicht jeder Gedanke umsetzbar.

Doch das Bauwagenprojekt erfüllt noch einen weiteren Zweck: „Das ist gleichzeitig eine teambildende Maßnahme“, erklärt Karsten Oppermann. Der Schulsozialarbeiter der KGS ist ebenfalls zweimal in der Woche bei den jeweils eineinhalbstündigen Treffen auf dem Hof in Schulenburg dabei.

Die Schüler müssten sich intensiv untereinander austauschen, aufeinander einlassen, Ideen abwägen und am Ende Entscheidungen treffen.

Der Bauwagen, den Lebjedzinski als Schenkung erhalten hatte, wurde zunächst von den Schülern und den erwachsenen Helfern zurückgebaut. Wo Schrauben oder Nägel nicht mit ungefährlicherem Werkzeug zu entfernen waren, ging Lebjedzinski schließlich mit der Flex bei.

Rechtzeitig vor den Sommerferien ist der Rückbau nun abgeschlossen. Die Schüler hatten sogar noch Zeit, eine grobe Zeichnung des zukünftigen Bauwagens, der 4,78 Meter lang und 2,08 Meter breit ist, zu entwerfen. „Am hinteren Ende soll eine Tür eingebaut werden und auf einer Seite ein kleines Fenster“, sagt der zehnjährige Aslan.

Wann das Projekt abgeschlossen werden soll, ist noch offen. „Wir haben keinen Zeitdruck, aber Ende des nächsten Schuljahres sollte es in Richtung Schule rollen“, sagt Lebjedzinski. „Der Prozess ist das Ziel“, ergänzt Oppermann. Wenn der Bauwagen schließlich an der KGS steht, sollen darin unter anderem Fuß- oder Basketbälle sowie Tischtennis- und Badmintonschläger und Springseile aufbewahrt werden. In den Pausen könnten sich die Schüler die Utensilien aus dem Gefährt holen.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies einerseits mit Sachspenden tun. „Wir benötigen unter anderem Holz, Schrauben, ein Fenster, Beschläge“, sagt Lebjedzinski. Allerdings bittet er darum, dass diejenigen, die etwas beisteuern möchten, sich vorab mit ihm in Verbindung setzen. Lebjedzinski ist unter Telefon (01 51) 24 11 03 41 und per E-Mail an bullerundbue@yahoo.com erreichbar. Die zweite Möglichkeit der Unterstützung ist eine Geldspende auf das Konto des Fördervereins der Ernst-Reuter-Schule. Die Kontodaten sind im Internet unter www.foerderverein-ers-pattensen.de abrufbar. Als Verwendungszweck sollte das Stichwort Bauwagen angegeben werden.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Von Lebensqualität über Schullaptops bis Luftfilter (HAZ vom 13.07.21)

Schüler der KGS Pattensen diskutieren mit Kommunalpolitikern über Themen, die Kinder und Jugendliche bewegen


Pattensen-Mitte.
In dieser Diskussionsrunde mit Pattenser Kommunalpolitikern war das Thema Straßenausbaubeitragssatzung ausnahmsweise tabu. Dafür interessierten sich die Oberstufenschüler der KGS Pattensen beim Besuch von Abgesandten sämtlicher im Rat vertretenen Parteien und Wählergemeinschaften für Angelegenheiten, die besonders Kinder und Jugendliche betreffen: Verbesserung der Lebensbedingungen in der Stadt, Umweltschutz und Luftfilter für Schulen. Aber auch die Ausweitung des Gewerbegebietes sowie die Verschuldung der Stadt und Wohnbebauung wurden angeschnitten.

Die Zwölftklässler eines Politikkurses hatten die Fragen im Unterricht erarbeitet. „Demokratie muss man erleben und selbst mitgestalten“, sagte Schulleiterin Mirjam Gerull. Nirgendwo anders, als auf der kommunalen Ebene, sei in politischer Hinsicht ein realeres Erleben von Mitbestimmung und Selbstwirksamkeit möglich, erklärte sie.

Schulnote drei für die Stadt

Eine Umfrage unter den Schülern habe ergeben, dass sie der Stadt in Sachen Lebensbedingungen eine Schulnote drei geben. Sie fragten deshalb in die Runde, was die Vertreter gerne verändern möchten. Für Ratskandidatin Justina Walkowiak (SPD) gehöre dazu unter anderem die Ausweitung von Blühwiesen. Ihr Parteikollege Jens Ernst appellierte an die Jugendlichen, sich in Zukunft selbst in die Gestaltung der Stadt einzubringen. „Wir brauchen euch, beteiligt euch“, rief er ihnen zu. Das Jugendparlament sei dafür ein erster guter Schritt.

Laut des CDU-Fraktionsvorsitzenden Georg Thomas sei das Leben in Pattensen durchaus angenehm. Er bezog sich dabei auf Einkaufsmöglichkeiten, die Nähe zu Hannover und Restaurantvielfalt. Allerdings sei es erforderlich, den öffentlichen Personennahverkehr in den Ortsteilen zu verbessern. „Es ist schon doof, wenn man sonnabends um 22 Uhr schon wieder nach Hause muss, weil später kein Bus mehr fährt, obwohl man bis 24 Uhr unterwegs sein dürfte“, pflichtete ihm Svenja Blume (UWG) bei. Für sie sei es erfreulich, dass die Schaffung des sogenannten Multi-Sport-Courts, einer vielseitig nutzbaren Sportfläche, von Bürgern und dem Jugendparlament auf den Weg gebracht wurde.

Sie erinnerte sich daran, dass es früher Jugenddiscos gegeben habe. „Warum gibt es die nicht mehr“, fragte sie rhetorisch. Für Uwe Hammerschmidt von den Grünen seien hingegen vielfältige Angebote vorhanden. „Aber es stellt sich die Frage, ob die angenommen werden.“ Deshalb sei eine Bedarfsabfrage erforderlich, um herauszufinden, was die Jugendlichen sich eigentlich wünschen. Diese wolle die Stadt umsetzen.

Günter Kleuker der UWJ aus Jeinsen kritisierte, dass sich die bisherigen Angebote der städtischen Jugendarbeit vorwiegend auf die Kernstadt bezögen. „Es muss mehr in den Ortsteilen passieren“, forderte er.

Die Schüler schilderten, dass die vorhandenen Schullaptops häufig gewartet werden müssten. Sie wollten wissen, ob eine Ausstattung mit neuer Technik für alle Schüler zeitnah möglich sei. „Auf einen Schlag ist das nicht drin. Schon gar nicht bei der Haushaltslage“, sagte Michael Wahl (UWG), der Vorsitzender des städtischen Finanzausschusses ist.

Luftfilter nur an Grundschulen?

Zu den von vielen Schulen geforderten Luftfiltern zum besseren Schutz vor einer Corona-Infektion sagte Thomas, dass seine Fraktion dabei sei, einen Antrag für die nächste Ratssitzung zu formulieren. Damit wolle sie eine Verbesserung im Bereich der Pattenser Grundschulen erreichen. Für die KGS sehe er nicht zwingend den Bedarf. „Viele Schüler können sich impfen lassen, wenn sie es möchten. Grundschüler sind hingegen völlig ungeschützt“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende.

140 Millionen Euro Schulden

Schwammig blieben die meisten Antworten auf die Frage nach den Möglichkeiten der Verbesserungen der finanziellen Lage. Auf 140 Millionen Euro bezifferte Wahl (UWG) die Schulden der Kommune. Dinge anders abzuwickeln und die Mitarbeiterzahl im Rathaus zu verschlanken, waren Ansätze von Thomas. Auch die Erweiterung des Gewerbegebietes sei vorteilhaft für die Einnahmen.

Das Thema Klimawandel beschäftige viele Schüler. Auf die Frage nach den Möglichkeiten erklärte Walkowiak, dass die SPD ein Planspiel an der Schule umsetzen wolle. Blume erläuterte, dass für Schulenburg die Ausweitung von Blühwiesen sowie Aufforstung an Landes- und Kreisstraßen geplant seien. Thomas sei durchaus für die Ausweitung der Elektromobilität. „Aber wenn es keine Elektroladesäulen gibt, schafft sich auch niemand ein E-Auto an“, sagte er.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

KGS-Schüler lernen Umgang mit dem 3D-Drucker (HAZ vom 12.07.21)

Neuntklässler lernen im Rahmen der Berufsvorbereitung neue Technik kennen – und bilden ihre eigene Schule nach
 

Pattensen-Mitte. Genüsslich lehnen sich Rojan Kaciran und Can Önel auf ihren Stühlen zurück. Ganz lässig beobachten sie, wie der 3D-Drucker seine Arbeit macht. Aus grünem Material setzt das Gerät Schicht um Schicht etwas zusammen. Zunächst ist für den Außenstehenden noch nicht ersichtlich, um was es sich handelt. Nach dem Abschluss der Arbeit nach etwa 45 Minuten ist es deutlich erkennbar: Es ist die KGS im Kleinformat. „Das sieht richtig gut aus“, sagt Malay Keophilavanh. Sie ist eine der Geschäftsführerinnen der gemeinnützigen Organisation „Einfach genial“, die kürzlich ein berufvorbereitendes Projekt an der Schule für Neuntklässler angeboten hatte.

Spaß und Startprobleme

Eigentlich, sagt Keophilavanh, ist die Umsetzung dieses Projekt für die Räume von „Einfach genial“ in Langenhagen geplant gewesen. Coronabedingt sei es dort aber nicht realisierbar gewesen. Deshalb seien die Organisatoren nach Pattensen gekommen. Ihr Equipment – unter anderem mehrere 3D-Drucker – hätten sie dabei gar nicht zwingend mitbringen müssen. „Die Schule ist ja toll ausgestattet. Das ist nicht überall so“, sagt die zweite Geschäftsführerin Claudia Ghouri. Der erst kürzlich offiziell eröffnete Werkraum mit dem Namen „MakerSpace“ eigne sich prima für Projekte dieser Art. Neben der vorhandenen Technik sei auch ausreichend Platz gegeben.

Das Projekt soll die Schüler „in der Phase der Berufsorientierung unterstützen“, so drückt es Ghouri aus. Bei einigen der Neuntklässler stünde der spätere Berufswunsch zwar schon fest. Wenngleich nicht bei allen später ein gekonnter Umgang mit CAD-Software, die zum Erstellen technischer Zeichnungen genutzt wird, erforderlich sein sollte, so zeigten die meisten großes Interesse an der Arbeit mit der Software und dem Gerät. „Am Anfang war es ein wenig chaotisch“, gibt Rojan Kaciran zu. „Auf den ersten Blick sieht die Sache ziemlich kompliziert aus. Aber nach einer Weile geht es ziemlich flott voran“, ergänzt Can Önel.

„Eine super Vorbereitung“

Rojan möchte „in Richtung Ingenieur gehen“, wie er sagt. „Deshalb interessiert mich der Umgang mit der Software sehr.“ Bislang habe er keine Erfahrungen mit Programmen dieser Art gehabt. Mitschüler Shane Douglas möchte seiner Aussage nach später Automobilkaufmann werden. Voraussichtlich würde er die Technik für die Arbeit nicht benötigen, „aber es ist ja nicht schlecht, wenn man sich auch damit auskennt“.

Den Umgang mit der CAD-Software im Rahmen dieses Projektes sei nicht viel anders, als später im Industriebereich. „Deshalb ist das eine super Vorbereitung für die Schüler“, sagt Keophilavanh. In zwei weiteren Abschnitten des Projekts müssen die Schüler noch Teamaufgaben in der virtuellen Welt lösen und sie betreten den virtuellen Betriebspark. „Hier können die Teilnehmenden simulierte Arbeitsprozesse virtuell erleben. Diese werden in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region Hannover entwickelt“, sagt Ghouri.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)