KGS produziert Honig mit drei neuen Bienenvölkern (HAZ vom 21.05.21)

Noch zu gründende Schülerfirma soll die Vermarktung übernehmen / 150 000 Bienen fliegen in einem Radius von drei Kilometern

Pattensen-Mitte. Die KGS Pattensen hat Zuwachs bekommen: Etwa 150 000 Mitarbeiter sind in die Honigproduktion eingestiegen. Seit Kurzem sind drei Bienenvölker mit je etwa 50 000 Bienen in der Nähe der Ernst-Reuter-Schule beheimatet. Drei Lehrer und ein bienenerfahrener Vater einer Schülerin betreuen das neue Projekt, in das ab dem nächsten Schuljahr auch Schüler in einer Arbeitsgemeinschaft eingebunden werden sollen. Die Organisatoren planen schon deutlich weiter: Im nächsten Jahr sollen es insgesamt bis zu sieben Bienenvölker werden. Dazu soll eine Schülerfirma gegründet werden, die sich um den Vertrieb und Verkauf des produzierten Honigs kümmert. „Das Projekt trägt sich am Ende selber“, sagt Schulleiterin Mirjam Gerull.

„Das ist alles sehr spannend“, sagt Lehrerin Christine Lorentz. Sie hatte sich gemeinsam mit den weiteren Lehrkräften Birger Heel und Johannes Weibert fortbilden lassen, um gemeinsam mit Sven Küster, dem Vater einer Fünftklässlerin, die Leitung der neuen AG zu übernehmen. Unterstützt werden sie von Mitgliedern des Imkervereins Pattensen. Die Schule ist inzwischen Mitglied des Vereins geworden. „Das ist empfehlenswert. Die Bienen sind über den Verein versichert“, sagt der Vorsitzende Lars Brandes. Die Versicherung greife beispielsweise in einem Fall von Vandalismus oder bei Sturmschäden.

Klasse verteilt Blumensamen

 

Die Idee für das Projekt ist bereits im Jahr 2019 aus der Schülerschaft heraus entstanden. Im Rahmen des Profilkurses Global Goals sei laut Gerull der Gedanke aufgekommen, Bienen an die Schule zu holen. Der Plan wurde nun umgesetzt. Damit die Insekten zukünftig ausreichend Stellen zum Anfliegen für Nahrung haben, hat eine neunte Klasse damit begonnen, in der Nachbarschaft der Schule an die Bewohner kleine Teebeutel mit Blumensamen von insektenfreundlichen Pflanzen zu verteilen oder gleich im Garten oder auf dem Balkon einzupflanzen.

Bei den gekauften Bienenvölkern – der Wert pro Bienenvolk liegt laut Brandes bei etwa 150 Euro – handele es sich um die Art Carnica. „Die brüten im Winter nicht durchgehend. Deshalb brauchen sie weniger Futter und man kann sie besser über den Winter bringen“, sagt Brandes. „Wir brauchen sehr sanftmütige Bienen“, erklärt Lorentz die Auswahl. „Denn wir arbeiten mit Kindern mit den Bienen.“ Da sei es nachteilig, wenn man eine aggressive Art hätte, die schnell zusticht.

Bei der Carnica soll das nicht der Fall sein. Die neuen Bienenvölker müssten neu gekauft werden. „Denn nur so ist sichergestellt, dass es keine Vermischungen der Rassen gibt“, sagt Küster. Laut Heel seien die Bienen in einem Radius von etwa drei Kilometer um die Schule herum aktiv. „Sie steuern besonders gerne große Felder an, aktuell die Rapsfelder“, ergänzt Weibert.

 

Aktuell schauen die Lehrer einmal in der Woche nach den Bienen. In wenigen Wochen wird deutlich mehr Arbeit auf sie zukommen. Wenn die Rapsblüte vorüber ist, erfolgt die erste Ernte des Honigs. In wenigen Wochen sollen insgesamt rund 50 Liter Honig in Gläser abgefüllt werden.

Zum neuen Schuljahr erhalten auch Schüler aus allen Jahrgängen die Möglichkeit, sich in der Bienen-AG zu beteiligen. „Die Schüler sollen unter anderem lernen, wie die Bienen leben“, sagt Lorentz. Sie selber sei überrascht gewesen, als sie bei ihrem Fortbildungsseminar erfuhr, welche vielfältigen Arbeitsteilungen es bei Bienen gibt. „Die Arbeit ist faszinierend und gleichzeitig beruhigend“, sagt Weibert.

 

Die Kosten für die Anschaffung sämtlicher Materialien und auch Schutzanzüge für die Hobby-Imker decke laut Gerull eine Förderung durch die Bingo Umweltstiftung in Höhe von 6000 Euro. „Die Grundausrüstung am Anfang kostet einiges“, sagt Lorentz. So habe die Schule etwa 1100 Euro für eine Honigschleuder bezahlt. Sobald eine noch zu gründende Schülerfirma mit der Vermarktung des Honigs beginnt, würde Geld generiert werden, was schließlich in die Erweiterung der Bienenvölker investiert werden soll.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

KGS-Schüler wollen Bienenweiden in Gärten anlegen (HAZ vom 30.04.21)

Jugendliche informieren Bürger bei einem Besuch / Bürgermeisterin Ramona Schumann lobt Engagement
 

Pattensen. „Das ist das bisher beste Projekt hier bei uns im Unterricht.“ Mit diesen Worten beschreibt der 17-jährige Sinan die Aktion, die Schulleiterin Mirjam Gerull gemeinsam mit den Schülern der neunten Hauptschulklasse im Erdkundeunterricht organisiert hat. Ziel ist es, in Pattensen wieder mehr Lebensraum für Bienen und weitere Insekten zu schaffen. Die 19 Schülerinnen und Schüler wollen Pattenser Bürger dazu animieren, in ihren Gärten spezielle Blühinseln anzulegen.

Blühmischungen werden verteilt

Die Jugendlichen haben jetzt zunächst Faltblätter in die Briefkästen der Haushalte vor allem im Bereich der Pattenser Altstadt verteilt. Darin informieren sie über das Projekt. In den kommenden Tagen werden sie persönlich bei den Bürgern klingeln und fragen, ob sie in einem Bereich des Gartens insektenfreundliche Blühmischungen aussäen dürfen. „Auch auf dem Balkon ist das möglich“, erläutert Gerull.

Die Schüler und Schülerinnen haben die Blühmischungen in Teebeutel verpackt, die sie jetzt verteilen wollen. „Die Pattenser können diese Mischungen dann entweder selbst einpflanzen, oder wir übernehmen das“, sagt Gerull. Sie weist darauf hin, dass der Förderverein der Schule Saatgut- oder Geldspenden annimmt, um das Projekt weiter zu finanzieren. „Wir würden uns auch freuen, wenn wir Fotos von den Blühweiden im Garten oder auf dem Balkon zugeschickt bekommen“, sagt Gerull. Ihre Mailadresse lautet: gerull.mirjam@kgs-patten
sen.de.

Das Projekt ist Teil der Global-Goals-Initiative, an der sich die KGS bereits seit Jahren beteiligt. Die Vereinten Nationen haben 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert, zu denen auch der Umweltschutz gehört. Im Unterricht haben die Jugendlichen gelernt, dass die Zahl der Insekten in den vergangenen 30  Jahren um 77 Prozent zurückgegangen ist. „Wenn die Bienen sterben, hat das große Auswirkungen auf die gesamte Welt. Das darf nicht passieren“, sagt die 17-jährige Patricia.

Lob für das Projekt gibt es von Bürgermeisterin Ramona Schumann, die den Unterricht besucht hat. „Das ist ein wirklich tolles Projekt. Ich finde es schön, wie sich die Jugendlichen für die Umwelt engagieren“, sagt sie. Gleichzeitig hat die Pattenser Verwaltungschefin die Gelegenheit genutzt, für das Jugendparlament in der Stadt zu werben. Das Gremium wird dieses Jahr neu gewählt und setzt sich für die Wünsche von Jugendlichen ein.

Abitur in der Pandemie: So lief die erste Klausur an der KGS (HAZ vom 23.04.21)

Das Zentralabitur hat in dieser Woche in Niedersachsen begonnen. Am Mittwoch wurden an der KGS Pattensen die Klausuren in Chemie geschrieben. Zwei Abiturienten und eine Abiturientin berichten von ihren Erfahrungen – und einem besonderen Schuljahr.

Pattensen-Mitte. Nervös war er nicht. „Ich habe in der Nacht zuvor prima geschlafen“, sagt Lennart Budzinski, kurz nachdem er seine Chemieklausur am Mittwoch abgegeben hat. Die Abiprüfungen an der KGS Pattensen laufen – und die Schüler und Schülerinnen des 13. Jahrgangs finden nicht, dass die Pandemie sie zuvor beim Lernen besonders beeinträchtigt hat. „Wir kennen natürlich auch nur diese Situation und wissen nicht, wie es ohne Corona wäre“, erklärt Nele Habermann, die ebenfalls am Mittwoch ihre Klausur im Fach Chemie geschrieben hat.

Jahrgang mit 38 Schülern

Insgesamt besteht der Abiturjahrgang der KGS in diesem Jahr nur aus 38 Schülern. In den Jahren zuvor waren es meist mehr als 60. Schulleiterin Mirjam Gerull hat dafür eine einfache Erklärung: „Das hängt damit zusammen, dass es ein geburtenschwacher Jahrgang ist.“ Davon könnten die Schüler nun profitieren. Die Klassen seien entsprechend klein, Lehrinhalte könnten so besser vermittelt werden, sagt Oberstufenkoordinator Andreas Skouras.

Während die meisten Schülerinnen und Schüler wegen der hohen Sieben-Tage-Inzidenz im Homeschooling unterrichtet werden müssen, dürfen die Schüler der Abschlussjahrgänge die Schule besuchen. Teils sei es gespenstig ruhig auf den Fluren, meint Habermann. „Das ist schon ein komisches Gefühl.“ Mitschüler Cord-Richard Schunder sieht das anders: „Es ist eine angenehme Ruhe und schön leer.“

Koordinator lobt Schüler

Koordinator Skouras lobt die Schüler seines Biologieleistungskurses für ihren Einsatz im Unterricht. „Es war super, wie sie sich eingebracht haben und wie motiviert sie waren.“ Abiturientin Habermann meint, es sei leichter gewesen, unter Corona-Bedingungen zu lernen: „Alle waren konzentrierter bei der Sache.“ Die Ablenkungsgefahr durch andere Schüler auf den Fluren oder draußen sei deutlich niedriger gewesen. Und Gruppenarbeiten, in denen man dazu neige, sich über private Angelegenheiten auszutauschen, fielen pandemiebedingt aus. Deshalb fühlten sich Habermann, Budzinski und Schunder alle drei gut auf ihre Abschlussprüfungen vorbereitet.

Wegen des Zentralabiturs, das es in Niedersachsen seit 2006 gibt, sei es eine große Herausforderung gewesen, allen Schülern landesweit auch in der Pandemie dieselben Lehrinhalte zu vermitteln, sagt Schulleiterin Gerull. „Beim Zentralabitur geht man davon aus, dass alle Schüler dieselben Voraussetzungen haben. Aber an anderen Schulen gab es vielleicht mehrfach eine verordnete Quarantäne oder Lehrerwechsel“, meint Gerull, die die zentralen Prüfungen deshalb kritisch sieht.

Es gab nur eine Exkursion

Exkursionen gab es lediglich eine im gesamten Schuljahr. „Eine Fahrt mit dem Rad in den Oerier Wald war das Highlight“, berichtet Gerull. Die Abiturienten hätten aber eines noch viel mehr vermisst: die Studienfahrt. „Es tut mir für die Schüler leid, dass sie diese nicht erleben konnten – und auch keine Partys.“

Habermann bedauert das ebenso wie ihre beiden Mitabiturienten. „Das Gemeinschaftsgefüge innerhalb der Gruppe und das Verhältnis zu den Lehrern ist anders, wenn man sich außerhalb des Unterrichts trifft“, findet sie.

Vor der Chemieklausur am Mittwochmorgen waren Habermann, Budzinski und Schunder rechtzeitig um Punkt 8 Uhr an der Schule. Einige Prüflinge seien in sich gekehrt gewesen, andere eher locker, sagt Schunder. Und: „Ich mache gern mal einen lockeren Spruch.“ Die Klausuren hatte Oberstufenkoordinator Skouras aus hygienischen Gründen vorab auf die Tische der Schüler gelegt – mit Handschuhen. Auch einen Duden und ein Fremdwörterlexikon standen für jeden bereit.

Alle mussten mit Mund-Nasen-Schutz die Schule betreten. „Am Platz durfte jeder seine Maske abnehmen“, erklärt Skouras. Sämtliche Türen mussten geöffnet sein – schließlich sollten Schüler und Lehrer möglichst wenige Türklinken anfassen. Wer sich während der sechs Zeitstunden, die für das Schreiben der Klausuren kalkuliert waren, vom Platz erhob, um zur Toilette zu gehen oder neues Schreibpapier zu holen, musste seine Maske wieder aufsetzen. „Aber das ist ja nicht störend“, meint Abiturient Budzinski.

Als störend empfanden es einige Schüler allerdings, dass die Fenster nahezu die gesamte Zeit über weit geöffnet waren. „Von der Calenberger Schule hörte man die Schüler in der Pause. Das hat mich etwas abgelenkt“, berichtet Schunder. Weil es einer Schülerin zwischenzeitlich zu kalt wurde, schlossen die Aufsicht führenden Lehrkräfte für einige Minuten die Fenster. „Einige hatten sich auch zur Sicherheit Decken mitgebracht“, sagt Gerull.

Was wird aus dem Abiball?

Während es für Habermann bereits am nächsten Montag mit der Abschlussprüfung in Biologie erneut ernst wird, sind Budzinski und Schunder erst am 30. April in Mathematik wieder gefordert. Neben der Frage nach dem möglichen Notendurchschnitt für die Uni-Bewerbung beschäftigt die Jugendlichen noch eine besondere Frage: „Wir wissen noch immer nicht, ob es einen Abi- ball geben wird“, sagt Habermann.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Ein Jahr Ruhestand: So geht es Ex-KGS-Hausmeister und Sekretärin (HAZ vom 06.04.21)

Sie sind viele Jahre Ansprechpartner für Schüler und Lehrer der KGS Pattensen gewesen. Nun genießen die langjährige Sekretärin Bärbel Mertesacker und Hausmeister Waldemar Krause ihren Ruhestand. Bei der offiziellen Verabschiedung blicken beide zurück.

Pattensen-Mitte

Eigentlich hätte es eine große Abschiedsfeier schon vor rund einem Jahr geben sollen. „Doch genau dann kam der Corona-Lockdown“, erinnert sich KGS-Schulleiterin Mirjam Gerull. Für sie sei es sehr bedauerlich gewesen, dass mit dem langjährigen Hausmeister Waldemar Krause und der beliebten Sekretärin Bärbel Mertesacker „zwei Seelen dieser Schule so sang- und klanglos gegangen sind“. Das wollte sie – trotz weiterhin bestehender Corona-Beschränkungen – nun nachholen und lud die beiden Ruheständler zu Kaffee und Kuchen im Freien zur Ernst-Reuter-Schule ein.

Beide denken gerne an ihre Arbeit an der Schule zurück. Doch beide sagen auch deutlich, dass sie in der heutigen Zeit nicht wieder zurückkehren möchten. „Damals war alles einfacher, viel unbürokratischer“, sagt Krause. Er hatte 1991 die Stelle an der Schule übernommen. Er habe viele Freiheiten gehabt und habe sich immer wieder problemlos mit dem Kollegium und der Schulleitung abstimmen können. Das sei auch mit Schulleiterin Gerull möglich gewesen, doch die Bestimmungen des Landes und der Stadt hätten die Flexibilität genommen. „Damals“, erinnert sich Krause, „konnte ich Kinder, die im Winter früh zur Schule gebracht wurden, einfach hineinlassen und ihnen sagen, dass sie sich im Eingangsbereich ruhig hinsetzen sollen. Inzwischen gibt es klare Regeln, wann die Schule öffnen darf“, sagt er.

Mertesacker „bemuttert“ Schüler und Lehrer

So ähnlich sieht es auch Mertesacker, die von 1999 an als Schulsekretärin gearbeitet hatte. „Ich konnte mir meine Zeit einteilen und auch sonnabends oder sonntags arbeiten, wenn ich wollte.“ Das sei am Ende auch nicht mehr einfach möglich gewesen. Sie habe sich selbst entfalten und einbringen wollen. „Später gab es Kernzeiten, man musste stempeln. Ich musste betteln, etwas machen zu dürfen“, sagt Mertesacker. Die heute 64-Jährige sei dennoch bis zuletzt mit allen Mitarbeitern gut klargekommen. „Sie war eine Instanz in der Schule“, sagt Gerull. Bärbel Mertesackers Wort hatte Gewicht – bei den Schülerinnen und Schülern ebenso wie bei den Lehrkräften. „Nicht nur die Schüler wurden gerne bemuttert“, sagt Mertesacker. Sie habe gerne Wünsche erfüllt und habe für alle ein offenes Ohr gehabt.

Auch auf Hausmeister Krause sind Schüler gerne zugekommen. „Waldi, ich habe ein Problem“ oder „Waldi, ich habe am Wochenende was Tolles erlebt“, habe er unzählige Male gehört. Und immer hätte er sich Zeit genommen für die Anliegen. „Sie haben mir viele Dinge erzählt, die sie nicht einmal ihren Eltern erzählt haben“, sagt Krause. Darauf sei er stolz. Gelegentlich würde er noch heute von Leuten auf der Straße angesprochen werden. „Mensch, Waldi! Erkennst du mich nicht mehr?“, habe einer mal zu ihm gesagt. „Der war 1995 von der Schule abgegangen und hatte inzwischen keine Haare mehr. Wie hätte ich ihn wiedererkennen sollen?“, sagt Krause und fängt herzhaft an zu lachen.

Ruhestand ist für Krause noch etwas ungewohnt

Es sei für ihn heute noch etwas ungewohnt, wenn er mit seiner Frau auf der Couch sitzt. „An der Schule hatte ich einen eingespielten Tagesablauf. Jetzt ist es etwas anders“, sagt er. Seine Frau beklage sich gelegentlich, wenn er das Fernsehprogramm ohne nachzufragen umschalte. „Es ist noch eine kleine Umstellung“, sagt Krause. Doch Langeweile komme bei ihm nicht auf. Er hat zwei Kinder und vier Enkel. „Da hat man immer etwas um die Ohren.“

Bei Mertesacker ist der persönliche Kontakt zu den in England lebenden Enkeln von Sohn Per aufgrund der Corona-Pandemie noch eingeschränkt. Doch auch hierzulande finde sie immer etwas zu tun, wenn ihr Mann Stefan wieder einmal zu viel Sport im Fernsehen verfolgen wolle. „Ich treibe viel Sport“, sagt sie. Eine Sauna und Fitnessgeräte sind in der Wohnung in Pattensen vorhanden. „Ich bin aber auch viel draußen“, berichtet Mertesacker.

Krause hat Per Mertesacker bei 96 trainiert

Mertesacker und Krause kennen sich übrigens nicht nur durch die gemeinsame Arbeit an der Schule. Krause ist bei Hannover 96 Fußball-Jugendtrainer des späteren Profis und Weltmeisters Per gewesen. „In der C- und B-Jugend hatte ich ihn trainiert“, sagt er.

Zu ihrer offiziellen Verabschiedung bekommen beide von Schülern gestaltete Kisten mit Blumen geschenkt. Eine große Feier soll es nach dem Wunsch von Schulleiterin Gerull noch geben. Schließlich hätten sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie bereits mehrere Lehrer in den Ruhestand verabschiedet. Auch diese sollten noch einmal entsprechend gewürdigt werden. Es war somit wohl nicht der letzte Besuch von Krause und Mertesacker an der KGS.

Von Mark Bode

3D-Drucker, Laercutter und T-Shirt-Presse: So sieht der MakerSpace der KGS Pattensen aus (HAZ vom 26.03.21)

Ende April soll der neue Kreativraum der KGS Pattensen eröffnet werden: Im MakerSpace können Schüler etwa mit 3D-Druckern und Lasercuttern arbeiten. Wir geben vorab Einblicke in das Vorzeigeprojekt.

Pattensen-Mitte. Waren Werkräume früher meist mit nur klassischen Hilfsmitteln wie Hammer, Feile, Säge und etwa Schraubenziehern ausgestattet, bietet der neu gestaltete Kreativraum an der KGS Pattensen ganz andere Möglichkeiten. Das zeigt schon der in großen Buchstaben an die Wand gemalte englische Name MakerSpace. „Der Raum soll sich von einem gewöhnlichen Werkraum abheben. Wir wollen eine große Bandbreite an Möglichkeiten anbieten“, sagt Stefan Lampen. Er ist Lehrer an der KGS und Leiter des MakerSpace. Obwohl der Raum von einigen Schülergruppen bereits genutzt wurde, folgt die offizielle Eröffnung des Raumes erst am 30. April bei einer Veranstaltung, die von der Schulleitung in hybrider Form organisiert wird.

Gleich nach dem Betreten des etwa 100 Quadratmeter großen Raumes fällt der Blick auf eine große Wand, an der verschiedene Werkzeuge hängen. „Die wurde individuell angefertigt“, sagt Lampen stolz. Schraubenzieher, Sägen, Zangen, Bohrer und Winkel befinden sich dort in verschiedenen Ausführungen. „Die Schüler sollen dadurch einen Überblick bekommen, was es an Werkzeugen gibt“, erklärt Schulleiterin Mirjam Gerull.

T-Shirt-Presse und 3D-Drucker

Auf der breiten Fensterbank stehen Nähmaschinen nebeneinander. „Das ist eher der klassische Bereich“, sagt Lampen. Eine Presse zum Bedrucken von T-Shirts ist ebenfalls vorhanden. Am anderen Ende des Raums stehen 3D-Drucker. Insgesamt habe die Schule vier Stück angeschafft. „Einen hat ein Lehrer mit zu sich genommen, um sich in der Corona-Pandemie damit zu beschäftigen“, erklärt der MakerSpace-Leiter.

Über Tischinseln im Raum hängen Kabelstränge von der Decke – für große Standbohrer und Sägen. In einer anderen Ecke befindet sich ein Lasercutter. Lampen und Ralf Lürig, Lehrer von der IGS Mühlenberg, der bei der Einrichtung des Raumes an der KGS beratend unterstützt, zeigen Hasen und andere Holzteile, die damit gefertigt wurden. Schüler mussten dafür am Computer die Daten eingeben, damit der Lasercutter die Teile anschließend präzise ausschneiden konnte.

Niedersachsen fördert Projekt mit 75.000 Euro

Das auf drei Jahre angesetzte Projekt wird vom Land Niedersachsen mit 75.000 Euro gefördert. Einen Eigenanteil von 50.000 Euro muss die Stadt beisteuern. Davon werden 27.500 Euro als Personalkosten der Stelle Wirtschaftsförderung anerkannt, die das Projekt unterstützt und die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen koordiniert. Die verbleibenden 22.500 Euro werden aus dem Budget für die KGS abgerechnet.

Das erste Jahr des Projekts sei laut Schulleiterin Gerull für die Entstehung des Raumes genutzt worden. Laut Wirtschaftsförderer Arne Schütt seien bislang etwa 15.000 Euro für die Ausrüstung und Herrichtung ausgegeben worden. „Es ist also noch reichlich Geld vorhanden“, sagt Schütt. „Wir sind auch noch immer in der Aufbauphase“, erklärt Gerull. An Ideen für weiteres Equipment mangelt es nicht: Angeschafft werden sollen laut Werkraumchef Lampen etwa eine computergesteuerte Fräse, Roboter, Notebooks und Brillen für die virtuelle Realität.

Nun sollen sich zunächst die Schüler mit den Geräten vertraut machen. „Sie sollen alles kennenlernen“, sagt Gerull. Los geht es mit Schülern der Jahrgänge neun bis elf, die sich für den sogenannten MINT-Profilbereich entschieden haben. Zu MINT gehören die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Ein Projekt, das Gerull besonders am Herzen liegt, ist das Upcycling. Alte Gegenstände werden umgearbeitet, sodass sie in anderer Form weiter verwendet werden können. Ein Beispiel ist ein kleiner Liegestuhl, auf den die Schulleiterin zeigt: „Der wurde aus alten Paletten hergestellt.“

Später soll sich der MakerSpace laut Gerull nach außen öffnen. Die KGS plane, verschiedene Workshops anzubieten, an denen alle interessierten Pattenser teilnehmen können. Kooperationen mit anderen Organisationen wie dem Verein Mobile oder der Leine-Volkshochschule seien auch möglich.

Text/Bilder: Mark Bode (HAZ)

KGS Pattensen bietet erstmals speziellen Englischtest für Schüler an (HAZ vom 16.03.21)

Es ist eine Premiere gewesen: Die KGS Pattensen hat für die Englischschüler des 13. Jahrgangs erstmals einen sogenannten TOEFL-Test angeboten, in dem die Kenntnis der englischen Sprache eines Nicht-Muttersprachlers überprüft wird. Die beste Schülerin war von ihrem Erfolg völlig überrascht.

Pattensen-Mitte. Dass sie als Beste den Test abschließt, hatte Eleni Kinze überhaupt nicht erwartet. Völlig überrascht blickt sie auf, als der Fremdsprachenfachbereichsleiter der KGS Pattensen, Martin Bastkowski, sie aufruft. Zwar liege ihr Englisch gut, doch während der Prüfung sei sie doch ziemlich ins Schwitzen gekommen. Mit 14 weiteren Schülern des 13. Jahrgangs der Ernst-Reuter-Schule hatte sie den „Test Of English as a Foreign Language“ absolviert, den Englischtest für Nicht-Muttersprachler, kurz: TOEFL genannt.

„Ich bin über das gute Ergebnis sehr überrascht“, sagt Eleni Kinze und schaut ungläubig auf ihre Beurteilung. 647 Punkte von maximal 677 Punkten hatte sie erreicht. Innerhalb von zwei Stunden mussten alle 120 Multiple-Choice-Fragen beantworten. „Es war sehr anstrengend. Zum Ende fiel es mir schwer, konzentriert zu bleiben“, sagt Kinze. In welchem Bereich sie später arbeiten möchte, wisse sie noch nicht genau. „Es ist auf jeden Fall hilfreich, diesen Test schon gemacht zu haben, wenn ich womöglich im Bereich Englisch studieren möchte.“

TOEFL-Test ist international anerkannter Standard

Für Bastkowski und die weiteren Lehrkräfte war die TOEFL-Prüfung eine Premiere. Eine, mit der der Fachbereichsleiter sehr zufrieden war. „Alle haben mindestens das Sprachniveau B2 erreicht, einige sogar C1“, sagte er. In Zukunft soll jeder Abschlussjahrgang diesen Test absolvieren dürfen. „Der TOEFL-Test dient Schulen, Universitäten und anderen Organisationen als Instrument zur Bewertung des Hör- und Leseverständnisses einschließlich der Grammatikkenntnisse“, sagt Bastkowski. Es sei ein international anerkannter Standard. „Egal, wo die Schüler auf der Welt studieren wollen. Das Zertifikat vom TOEFL-Test wird überall anerkannt“, sagt er.

Text/Bild: Mark Bode (HAZ)

Die KGS kommt auf den Hund (HAZ vom 11.03.21)

Labrador Tinto begleitet Lehrerin Ann-Kahrin Giebe in den Unterricht an der Ernst-Reuter-Schule
 

Pattensen-Mitte. Richtig zügig kommt Ann-Kathrin Giebe nicht voran, wenn sie in der KGS Pattensen von einem Raum zum anderen möchte. Immer wieder muss die Lehrerin stehenbleiben. Kinder und auch andere Lehrkräfte sind von Giebes Begleiter angetan. Der neue Mitarbeiter der Schule bewegt sich auf vier Pfoten voran, hat ein schwarzes Fell und hört auf den Namen Tinto. Der bald vierjährige La-bradorrüde ist seit Sommer der engagierte Schulhund an der Ernst-Reuter-Schule.

Die Schülerin Naja hat eigentlich Angst vor Hunden, wie sie sagt. „Aber Tinto ist richtig süß“, findet die 13-Jährige. Sie hat sich fest vorgenommen, an diesem Tag erstmals den Hund zu streicheln. Dafür hat sie einen Handschuh dabei, den sie schnell überstreift. Aufgeregt bewegt sie sich auf Tinto zu. „Du musst etwas ruhiger sein, sonst spürt Tinto das“, sagt Giebe. Naja atmet tief durch und wagt es schließlich, den Labrador am Rücken kurz zu berühren. Als Tinto den Kopf zu ihr dreht, erschrickt sie und zieht ihre Hand zurück. Doch die Schülerin hat Gefallen am Streicheln gefunden – und streckt wieder ihre Hand aus.

In Latein und Geschichte dabei

„Der ist richtig knuffig und sorgt bei allen für gute Laune“, sagt die elfjährige Lina. „Es ist toll, dass wir so ein liebes Tier in der Schule haben“, ergänzt Juana, 13 Jahre alt. Das ist nur möglich, weil Giebe und ihr Haustier eine zweijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. „Tinto ist sehr kontaktfreudig und menschenfreundlich“, erklärt die 32-Jährige. Sie unterrichtet Latein und Geschichte. Einmal in der Woche hat sie ihren Vierbeiner in der Schule dabei. Um zu großen Stress für das Tier zu vermeiden, verbringt Tinto die übrige Zeit dann doch zu Hause.

Im Unterricht hilft Tinto beispielsweise beim Lernen von Lateinvokabeln, indem er bestimmte Zettel auswählt und die Schüler diese Vokabeln anschließend übersetzen müssen. „Auch Gruppeneinteilungen klappen mit ihm super“, berichtet Giebe. So ist Tinto geübt darin, alte Überraschungseierhüllen aus einem Behälter zu ziehen. Darin befinden sich Zettel mit Nummern, mit denen die Gruppen festgelegt werden. „Wenn er das macht, gibt es nie Ärger. Wenn ich Gruppen festlegen will, fangen einige an zu diskutieren“, sagt Giebe.

Hund beruhigt und motiviert

Da der Unterricht derzeit coronabedingt spärlich ausfällt, ist Tinto bei der Notbetreuung der KGS mit im Einsatz. „Ich freue mich immer, wenn er zu mir läuft“, sagt Lina. Doch kann es nicht störend sein, wenn Tinto während des Unterrichts ständig präsent ist? „Nein, er beruhigt uns“, bekräftigt Lina. Die Erfahrung hat auch Giebe gemacht. „Gerade im Nachmittagsunterricht sind die Schüler häufig schon ziemlich erschöpft. Wenn Tinto bei einem dann seinen Kopf auf das Bein legt, arbeitet der Schüler oder die Schülerin normal weiter.“ Und wenn die Gruppe durch den umherstreifenden Hund doch mal zu aufgekratzt sein sollte, wird er in einen separaten Raum geschickt. Doch oft liegt er auch während des Unterrichts einfach auf seiner Decke. „Wir haben Regeln aufgestellt“, sagt Giebe. Eine davon besagt, dass Tinto in Ruhe gelassen wird, wenn er sich dorthin zurückzieht. Das respektieren alle. Zutritt zu sämtlichen Schulbereichen hat Tinto übrigens nicht. Die Chemie- und Physikstunden finden ohne ihn statt. Auch in den Hauswirtschafts- und Werkraum darf er nicht. Im Lehrerzimmer ist er angehalten, sich vom offenen Küchenbereich fernzuhalten.

Leckerli nur nach Genehmigung

Eine weitere Regel besagt, dass die Kinder nur Hundeleckerli verteilen dürfen, die die Lehrerin vorab gesehen hat. Gewöhnlich bringt sie die Naschereien für Tinto selbst mit und gibt sie dann an die Kinder weiter. „Es kommt aber auch öfter vor, dass jemand extra etwas für ihn kauft“, sagt Giebe. Meist sei das okay. Bevor Tinto mit in die Schule durfte, hatte die Leitung bei den Eltern abgefragt, ob es mögliche Allergien bei den Kindern gibt. Bislang ist das laut Giebe nicht der Fall. Sollte sich das ändern, wären verschiedene Optionen denkbar. „Wenn die Allergie nicht sehr ausgeprägt ist, reicht es vielleicht, wenn der Schüler keinen direkten Kontakt mit dem Hund hat“, sagt Giebe.

Sie könnte Tintos Fell vor dem Unterricht auch mit einem Pulver bestreuen, das die allergische Reaktion eindämmen soll. „Im schlimmsten Fall kann der Hund nicht mit in die Klasse“, sagt Giebe.

Text/Bilder: Mark Bode (HAZ)

KGS-Schüler packen Weihnachtspäckchen für Senioren (HAZ vom 16.12.20)

Eigentlich wären die Schüler eines Kurses des zehnten Jahrgangs der KGS Pattensen in diesem Jahr regelmäßig in Altenheimen zu Besuch. Coronabedingt ist das jedoch nicht möglich. In der Vorweihnachtszeit haben sich die Schüler daher etwas einfallen lassen, um die Senioren zu erfreuen.

Pattensen-Mitte. Die Schüler des Kurses Gesundheit und Soziales der Ernst-Reuter-Schule besuchen normalerweise alle zwei Wochen Pattenser Altenheime. Coronabedingt mussten diese Besuche in diesem Jahr jedoch entfallen. „Den Schülern ist aber auch so bewusst, dass es viele Senioren gibt, die sehr einsam sind“, sagte Lehrerin Sonja Haenicke. Deshalb haben sich die Schüler dafür entschieden, an der Aktion [Weihnachtspäckchen für Senioren] teilzunehmen. Aus den beiden Altenheimen wurden zufällig jeweils zehn Bewohner ausgewählt, die in der Vorweihnachtszeit eine kleine Überraschung erhalten

20 Schüler stellen individuelle Pakete zusammen

Da der Kurs von insgesamt 20 Schülern belegt wird, erstellt jeder Jugendliche für einen Senioren ein individuell zusammengestelltes Päckchen. Die Pakete enthalten beispielsweise Basteleien, selbst gebackene Kekse, Marmeladen, elektrische Kerzen, Duftseife, Tee, Weihnachtsgedichte oder Stricksocken sowie eine Weihnachtskarte.

 

Der inhaltliche Schwerpunkt des berufsorientierenden Profilkurses liegt auf den Themen Gesundheit und Pflege. „Die Kooperation mit dem Altenheim ist uns sehr wichtig“, sagte Haenicke. In der Vergangenheit – bis zur Corona-Pandemie – hatten die Schüler mit den Senioren bei den Besuchen gemeinsam gebastelt, Lieder gesungen, Rätsel gelöst, gebacken oder einfach nur mit ihnen geredet. „Die Schüler erlernen so den Umgang mit älteren Menschen und erfahren viel aus deren Alltag“, sagte die Lehrerin.

Text/Bild: Marc Bode (HAZ)

„Demokratie muss man erleben und mitgestalten können“ (HAZ vom 21.11.20)

Eine Stunde mit …

Mirjam Gerull, Schulleiterin der KGS und Verfechterin innovativer Bildungskonzepte

 

Pattensen. Von wem könnte folgende Aussage stammen: „In einer Woche Maschseefest lernt Ihr mehr fürs Leben, als in einer Woche Schule.“ Antwort: Mirjam Gerull. Wer das wusste, hatte vermutlich schon Unterricht bei der Frau, die aus der Lüneburger Heide stammt und nach einem Lehramtsstudium der Fachrichtungen Mathe und Erdkunde sowie einem Referendariat in Peine 2011 nach Pattensen kam, um zu unterrichten. 2015 stieg Mirjam Gerull dann zur stellvertretenden Schulleiterin auf. Und seit Ende 2019 ist sie Schulleiterin der KGS, lebt diese Rolle regelrecht: jung, frisch und dynamisch.

In diesem Moment nimmt die 35-Jährige auf der Couch in der sogenannten „Oase“ Platz. Hier war zunächst ein neues Lehrerzimmer geplant, doch nun bietet der Raum, der mit viel Farbe und gemütlichen Sitzgelegenheiten auch als Eingangsbereich eines amerikanischen Tech-Konzerns durchgehen könnte, Schülerinnen und Schülern in den Pausen eine bunt gestaltete Rückzugsmöglichkeit – einladend und kreativ. Dieser Ort spiegelt auch die Haltung der insgesamt achtköpfigen Schulleitung wieder, die die Geschicke von 1000 Schülern und 100 Lehrern lenkt.

Mit wichtigen Fragen, zum Beispiel: „Was bringen wir den Schülern künftig bei, in einer globalisierten Welt, mit aufkommender künstlicher Intelligenz und Co.?“ Gerull erinnert: „Das, was wir bislang inhaltlich im Fokus hatten, stammt noch aus dem Industriezeitalter, als es darum ging, Menschen zu trainieren, nach einem bestimmten Schema Arbeiten zu verrichten.“ Seitdem habe sich in der Bildungslandschaft kaum etwas getan. Bis Corona kam.

Rasante Digitalisierung

Im vergangenen Jahr noch hatte das Lehrerkollegium, allen voran die Führung, darüber sinniert, wie man die Komfortzone verlassen könne. Ganz einfach: „Mit Tablet-Klassen, Online-Unterricht, Zoom-Konferenzen und digitalen Elternabenden.“ Was für viele neu ist, war in der KGS längst in der Anbahnung. „Nur geht jetzt alles noch viel schneller als geplant“, sagt Gerull, der es große Freude bereitet, Projekte im Team voranzubringen.

Einige seien durch die Situation ins Stocken gekommen: das Projekt „Herausforderung“ zum Beispiel. Dabei ginge es darum, dass sich Schüler zwei Wochen begleitet auf den Weg machen, ohne Handy, aber mit 150 Euro in der Tasche. Ob sie als Kanufahrer oder Musikband zurückkommen, bleibt ihnen überlassen. Es zähle der Gedanke des Teamaufbaus. „Die Schule prüft sonst nur Einzelleistung“, erklärt die Pädagogin. Dabei komme der Teamgedanke zu kurz. Das soll sich zu gegebener Zeit ändern.

Und auch wenn es momentan eine enorme Herausforderung sei, Kollegen, Schüler und Eltern mit unterschiedlichen Gefühlslagen auf einen Nenner zu bringen, die Angst verspürten oder sich unbeteiligt fühlten: Beschriftete Pappwürfel erinnern die Schulleiterin an die ausgerufenen globalen Ziele der KGS, die essenzielle Bausteine für viele Projekte sind. „Demokratieerfahrung macht man nicht mit Arbeitsblättern“, kommentiert sie die Inhalte und fügt hinzu, „das muss man erleben und mitgestalten können.“ Dass die Schulleitung die Individualität ihrer Schützlinge auf dem Zettel hat, stimmt Eltern zufrieden. „Kinder auf Noten zu reduzieren, kann eine Persönlichkeitsabwertung sein“, erklärt Gerull und wünscht sich, „dass es bewertungsfreie Räume gibt, in denen Kinder und Jugendliche so sein dürfen, wie sie sind.“ Willkommen in der Schule der Zukunft.

Text/Bild: Elena Siegmund und Marian Prill

Schülerfirma entwirft Sitzmöbel (HAZ vom 01.10.20)

KGS hofft auf Preis bei Wettbewerb / Jugendlichen soll Handwerk näher gebracht werden
 

Pattensen. Bei einem bundesweiten Wettbewerb ist in den vergangenen Monaten an der Ernst-Reuter-Schule (KGS) ein besonderes Sitzmöbel aus Holz für den Schulhof entstanden. Es soll nicht nur als einfache Sitzgelegenheit in den Pausen dienen, sondern auch eine Entspannungs- und Arbeitsmöglichkeit bieten – und bestenfalls einen Preis gewinnen.

Im Februar hatte sich die KGS-Schülerfirma Holzwerk dazu entschlossen, am bundesweiten Wettbewerb „Mach was! Der Handwerkswettbewerb für Schulteams“ teilzunehmen. Initiator ist das Unternehmen Adolf Würth aus Künzelsau, dass die handwerklichen Projekte mit 250 000 Euro fördert. Jede teilnehmende Schule erhält 1000 Euro, die bei der professionellen Umsetzung helfen sollen. Mit dem Wettbewerb für Schulteams möchte das Unternehmen in Partnerschaft mit der Aktion Modernes Handwerk spielerisch die Handwerksberufe vorstellen, junge Menschen für das Handwerk begeistern und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

„Sitzen, Schreiben und Chillen“

Für die Schülerfirma Holzwerk stand schnell fest, ein ganz besonderes Sitzmöbel für den Schulhof der Ernst-Reuter-Schule gestalten zu wollen. „Sitzen, Schreiben und Chillen“ – so fasst der am Möbeldesign beteiligte Dimitri aus dem elften Jahrgang die Grundidee für das multifunktionale Sitzmöbel zusammen. „Die Schüler haben den kompletten Entstehungsweg mitbegleitet – von der Idee über die Kalkulation bis hin zur Fertigung“, sagt Stefan Lampen, schulischer Fachobmann Gestaltendes Werken und Projektleiter.

Dabei erhielten die Schüler einen umfassenden Einblick in die betrieblichen Arbeitsprozesse eines modernen Handwerkbetriebes. Die Pattenser Möbeltischlerei Wackerhagen stand ihnen mit professioneller Unterstützung zur Seite. Zunächst besprachen die Schüler ihre Entwürfe mit einem Fachteam um Geschäftsführer Malte Hasenpusch. Für die gemeinsam weiterentwickelten Modelle wurden anschließend die Materialkosten kalkuliert und das ausgesuchte Lärchenholz bestellt. An der CNC-Fräse in der Wackerhagen-Werkstatt begleiteten die Schüler letztlich den Zuschnitt ihres Möbels.

Bis zum Wettbewerbsende am 18. Oktober muss die Schülerfirma Holzwerk nun noch eine Projektdokumentation abgeben. Anschließend werden von einer Fachjury aus den mehr als 200 bundesweit teilnehmenden Schulen die Top-100-Projekte für ein Onlinevoting ausgewählt. „Dieses wird vom 26. Oktober bis zum 8. November auf der Wettbewerbsinternetseite von Würth stattfinden“, sagt Lampen und lädt zum Abstimmen für Holzwerk ein.

Aus den zehn Projekten mit den meisten Stimmen wählt eine Fachjury schließlich die drei besten Projekte aus.

Die Schülerfirma Holzwerk besteht seit drei Jahren. „Es ist ein auf die Jahrgänge neun und zehn konzipierter Profilkurs, zu dem im vergangenen Schuljahr 20 Teilnehmer gehörten, aktuell sind es zehn“, sagt Projektleiter Lampen.

Text/Bild: Torsten Lippelt (HAZ)